Der Zahn der Zeit nagt unerbittlich

Die Probleme an den Trockenmauern im Rebberg Kasteln treten immer wieder von neuem auf. Am 24. Dezember geschah es ein weiteres Mal: Ein Abschnitt – diesmal ein recht grosses Stück – der Trockenmauern im Kasteler Rebberg stürzte ein.

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Der Zahn der Zeit nagt unerbittlich

Der Zahn der Zeit nagt unerbittlich

Peter Belart

Das einmalige mehrstöckige Mauersystem, das die Steilheit der Rebfläche reduziert und von hohem ästhetischem und ökologischem Wert ist, hat ein geschätztes Alter von 300 oder mehr Jahren. Witterungsbedingte Einflüsse haben im Verlaufe der letzten 50 Jahre immer wieder zu kleineren oder grösseren Schäden geführt.

Silvan Bürgi, der Besitzer des erwähnten Abschnitts, erklärt gegenüber der AZ: «Ich habe diesen Teil des Rebbergs vor 32 Jahren übernommen. Er befand sich damals in ziemlich schlechtem Zustand. Ich erachte die Maueranlagen aber als erhaltens- und schützenswert.» Deshalb setzte sich Bürgi energisch für die Sanierung und den Wiederaufbau schadhafter Mauerteile ein. Dabei legte er selber Hand an, investierte Hunderte von Arbeitsstunden, suchte aber auch den Weg zu gemeinnützigen Organisationen und schliesslich zu den Einsatzstellen der Zivildienst-Leistenden.

700 Franken pro Quadratmeter

So waren auch im vergangenen Jahr schon zum wiederholten Mal «Zivis» vor Ort, die unter professioneller Anleitung die beschädigten Mauern wieder instand stellten. Es handelt sich dabei um ein aufwändiges Verfahren, bei dem es nicht damit getan ist, die Steine wieder aufzuschichten. Die Schadstelle muss zuerst gänzlich freigelegt werden, der Hinterbau der Mauer ist zu sichern, und die Mauer selber muss damit verankert und fachgerecht aufgebaut sein. Es kann nicht erstaunen, dass solche Arbeiten recht aufwändig sind. Die Stiftung Umwelt-Einsatz Schweiz, die sich ganz speziell für die Erhaltung von Trockenmauern einsetzt und über die entsprechenden Fachleute verfügt, rechnet mit einem Quadratmeterpreis von ungefähr 700 Franken.

Irgendwann stossen somit private Rebbergbesitzer an gewisse Grenzen, und es stellt sich die Frage, ob es sich hier nicht um eine kulturelle Aufgabe von öffentlichem Interesse handelt. Der Verein «Werkstatt Schenkenbergertal», dem nach der Schoggitaler-Aktion im Jahre 1996 beträchtliche Finanzmittel zuflossen, hat diese Gelder vollumfänglich investiert – teilweise in Trockenmauern – und sieht sich darum nicht mehr in der Lage, materielle Hilfe zu leisten.

Ein Augenschein vor Ort zeigt auf, dass sich hier eine Regelung aufdrängt: Weitere Mauerabschnitte weisen teilweise sehr deutliche Bauchungen auf. So dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis noch diverse andere Schäden auftreten und wieder behoben werden müssen, wenn nicht die Stabilität und das Gesamtbild des ganzen Rebberges beeinträchtigt werden soll.