Bern
Die Ampeln stehen auf Grün

Am Samstag wurde nach dreijähriger Bauzeit der Neufeld-zubringer in Bern eingeweiht. Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer und Gemeinderätin Regula Rytz eröffneten den neuen Tunnel.

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Neufeld

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Berner Rundschau

Katharina Schwab

Der Neufeldtunnel entlastet das Länggasse-Quartier und schliesst das Berner Stadtzentrum näher an die Autobahn. Als der 556 Meter lange Tunnel am Samstagvormittag vor rund hundert Anwesenden eingeweiht wurde, standen die Ampeln am Nordportal noch auf Rot. Die kantonale Baudirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP) erklärte den Anwesenden, dass sie auf geschichtsträchtigem Boden stünden. Schliesslich habe hier im Jahr 1914 die Landesausstellung stattgefunden.

«Es gibt Parallelen zwischen der Landesausstellung und dem Neufeld-tunnel», sagte Egger-Jenzer: Beide Projekte seien im Vorfeld heftig umstritten gewesen. Bei der Landesausstellung hätten sich die Arbeiter und die Industrie dagegen gewehrt. Und der Neufeldtunnel musste eine lange Zeit starkem Gegenwind entgegenhalten.

Dass er den Verkehr nicht redimensioniere, sondern nur unter dem Boden verstecke, lautete etwa eine Kritik. «Das ist nicht wegzudiskutieren», sagte die Baudirektorin. Dafür werde es im Länggasse-Quartier weniger Verkehr und somit weniger Lärm geben, «aber hoffentlich keine höheren Mietzinse», so Egger-Jenzer.

Schon Umfahrungsverkehr

Am Neufeldtunnel wird nicht mehr gebaut, dafür geht es auf dem Wankdorfplatz richtig los. Heute beginnen die Hauptarbeiten. Bis Anfang 2011 wird der unterirdische Kreisel mit Zufahrtsrampen beim Wankdorfplatz gebaut, ebenso entstehen zwei Brücken und eine Autobahnunterführung. Für die Autofahrer dürfte es einige Erschwernisse geben. Ein dreistufiges Umfahrungskonzept wird während dieser Phase angewendet. Die
grossräumige Umfahrung aus dem Worblental erfolgt über die Tiefenaustrasse und den neuen Neufeldtunnel. Der lokale Verkehr wird über die Wölfli-, Bolligen- und Mingerstrasse, also um die Allmend herum, geführt. Der Anstösserverkehr schliesslich erfolgt auf dem Wankdorfplatz. Voraussichtlich im Herbst 2012 wird der neue Platz fertig gestellt sein. (joh)

Verkehr fliesst wie Wasser

Der Kanton brauche auch an anderen Orten Tunnels, wie etwa der geplante Bypass Nord für die Autobahn A1, sagte Egger in ihrer Rede. Diese Parallelverbindung möchte der Kanton unterirdisch führen, der Bund sträubt sich allerdings dagegen.
Auch Regula Rytz (Grünes Bündnis), Direktorin Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün der Stadt Bern, hatte die heftigen Diskussionen um den Tunnel noch in bester Erinnerung. Trotzdem habe die Stadtberner Bevölkerung 2002 mit 66 Prozent für den Neufeld-tunnel gestimmt.

Nachdem der Tunnel nun fertig gebaut ist, würden die Bagger und Baumaschinen aber nicht aus dem Quartier verschwinden: «Sie ziehen nur um.» So wies die Gemeinderätin auf die zwingenden und ergänzenden flankierenden Massnahmen zum Neufeldzubringer hin. Diese seien nötig, «weil der Verkehr wie Wasser ist: Er sucht sich immer den kürzesten Weg», machte Rytz einen Vergleich.

Ein Geschenk für Rytz

Durch die flankierenden Massnahmen wird beispielsweise das Tempo der Autos reduziert, Strassen werden enger gebaut, und es gibt zusätzlichen Schutz gegen Lärm. Diese Massnahmen zusammen mit dem Tunnelbau kosten 79 Millionen Franken. Der Bund übernimmt 74 Prozent, der Anteil von Kanton und Stadt Bern beträgt je 13 Prozent.

«Es ist ein gutes Bauwerk», bemerkte Rolf Dieterle, Direktor des Bundesamtes für Strassen (Astra), denn es sei funktional und entspreche den heutigen Sicherheitsanforderungen.

Dann tauchte aus dem Nichts ein kleiner Wagen auf mit Kindern, die lauthals nach Regula Rytz riefen. Egger und Rytz nahmen das Geschenk entgegen: Es war die blaue Tunnel-Signaltafel. Die beiden Politikerinnen schraubten diese am Nordportal des Tunnels unterhalb der 60er-Signaltafel an - damit war der Zubringer eröffnet. Am Abend wechselten die Ampeln von Rot auf Grün, und die ersten Autos fuhren durch die neue Röhre.

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