«Die FDP ist hypernervös»

Im Rennen um den Bundesratssitz von Pascal Couchepin hat sich bei der CVP seit Wochen nichts mehr getan. Präsident Christophe Darbellay verteidigt seine Partei und schiesst gleichzeitig scharf gegen die FDP.

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Kehrtwende: Christophe Darbellay

Kehrtwende: Christophe Darbellay

Keystone

Jessica Pfister

Die FDP hat bereits drei Kandidaten für die Nachfolge von Bundesrat Couchepin bestimmt. Weshalb hat die CVP noch keine Anwärter geoutet?
Christophe Darbellay: Wir befinden uns in einer völlig anderen Position als die FDP. Sie muss den Sitz verteidigen, wir wollen einen gewinnen. Deshalb haben wir auch eine andere, diskretere Strategie.

Und die wäre?
Darbellay: Es wäre keine Strategie mehr, wenn ich mich dazu äussern würde. Ich kann nur sagen, dass wir die Situation im Griff haben.

Wann werden Sie den Kandidaten bekannt geben?
Darbellay: Nach wie vor ist der Termin der 8. September.

Ist das nicht zu spät? Die Wahlen finden ja acht Tage später, also am 16. September statt.
Darbellay: Momentan herrscht eine Hektik, als würden die Wahlen schon morgen stattfinden. Was die CVP angeht, braucht es nun ein wenig Geduld. Wir kommen aber am 8. September mit einer Kandidatur.

Parteiintern scheinen aber nicht alle diese Geduld aufzubringen. Der Walliser Ständerat Jean-Michel Cina hat gesagt, Kronfavorit Urs Schwaller müsste endlich Farbe bekennen.
Darbellay: Das ist seine Position. Die Fraktions- und Parteispitze hat eine Strategie festgelegt und an diese halten wir uns. Weder Urs Schwaller noch ich lassen uns unter Druck setzen.

Offenbar doch. Immerhin habe Sie gestern in einem Interview gesagt, dass Sie nicht kandidieren wollen.
Darbellay: Das stimmt einfach nicht. Ich stelle schon sonst fest, dass die Leute nicht zwischen den Zeilen lesen können. Jetzt im Sommer können sie nicht einmal mehr die Zeilen lesen. Ich habe in der Zeitung «Le Temps» auf Französisch gesagt, «je ne suis pas candidat». Das heisst: Ich bin heute nicht Kandidat. Wenn gewisse Leute das falsch interpretieren, ist das deren Problem.

Also treten Sie an?
Darbellay: Ich lasse mir alle Optionen offen.

Wer käme neben Herr Schwaller und Ihnen sonst infrage?
Darbellay: Wir haben viele valable Kandidaten. Ich denke da an Isabelle Chassot, Jean-Michel Cina, Dominique de Bument oder Luigi Pedrazzini. Wir nominieren den Kandidaten oder die Kandidatin mit den besten Chancen.

Und wie hoch sehen sie die Chancen, dass die CVP den Sitz gewinnt?
Darbellay: Es ist eine schwierige Herausforderung. Die Chancen sind aber durchaus intakt.

Verschiedene Parteiexponenten aus dem linken Lager können sich vorstellen, die FDP zu unterstützen. Damit sinken die Chancen für die CVP.
Darbellay: Wir müssen eine Mehrheit des Parlaments überzeugen. Aber wir wissen, dass vieles, was im Vorfeld von Bundesratswahlen gesprochen wird, nachher nicht der Realität entspricht. Der Tag der Wahl ist entscheidend.

Sie glauben nicht, dass die FDP momentan besser positioniert ist?
Darbellay: Nein. Die systematische Attacke von FDP-Parteipräsident Fulvio Pelli auf die CVP zeigt für mich, dass man bei der FDP hypernervös ist. Sie haben die Legitimität einer CVP-Kandidatur erkannt und versuchen nun, uns mit sämtlichen Milchbüchlein-Argumenten zu verunsichern.

Sprechen Sie die Forderung von FDP-Fraktionschefin Gaby Huber an, die CVP müsse sich das Kanzleramt von Corina Casonava anrechnen lassen?
Darbellay: Genau. Früher, als die FDP kaum grösser war als heute mit ihren zwei Bundesräten und ihrem traditionellen Bundeskanzler-Sitz, war das nie ein Thema. Das sind für mich sehr kleinkarierte Argumente, die Pelli und seine Crew ins Feld führen.

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