Die Landfrauen Uerkental stehen für Tradition, saisonale Produkte, Soziales und Geselliges

Vreni Räss, Monika Hunziker und Therese Berchtold sind Landfrauen-Ortsvertreterinnen in Wiliberg, Bottenwil und Uerkheim. Sie setzten sich für den Erhalt der Traditionen ein.

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Landfrau

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Aargauer Zeitung

Nadia Rambaldi

«Früher war man als Bäuerin automatisch auch Landfrau», erinnert sich Vreni Räss aus Wiliberg. Sie ist seit 1977 Landfrau und seit 1987 Ortsvertreterin der Sektion Wiliberg. «Die wenige Freizeit verbrachten die Bäuerinnen zusammen im Landfrauenverein», erzählt die 57-Jährige. Der Verein sei auch dazu da, Eier, Milch und Getreide unter die Leute zu bringen. «Der Tauschhandel hatte damals eine grosse Bedeutung, da die Bauern nur wenig flüssiges Geld hatten.» Kartoffeln wurden gegen Milch getauscht, Äpfel gegen Getreide.
Wenn im Dorf ein Fest war, waren es die Landfrauen, die sich um die Verpflegung kümmerten. «Als Bäuerinnen hatten wir halt die grössere Küche und die grösseren Backöfen als die Hausfrauen», erklärt Räss. Die Landfrauen halfen immer dort, wo sonst niemand half, auch im sozialen Bereich. «Das kommt daher, dass wir immer zu Hause waren und folglich auch immer helfen konnten.» Auch heute noch helfen die Landfrauen, wo sie können, auch wenn viele von ihnen mittlerweile berufstätig sind oder ihre Grosskinder hüten, weil die Töchter einer Arbeit nachgehen.

Wissen um Produkte geht verloren
Die Landfrauen kennen ihre Produkte vom Getreide bis zum Brot, wie sie hergestellt werden, und vor allem, welche Produkte gerade Saison haben. «Heute gibt es in der Migros jederzeit alles zu kaufen. Die wenigsten Menschen wissen, wann welche Produkte erntereif sind», erklärt Monika Hunziker, Landfrauen-Ortsvertreterin von Bottenwil. «Kaum jemand weiss, wie viel Arbeit hinter der Ernte von Gemüse und Früchten steckt. Wichtig ist lediglich, dass immer alles frisch ist.»

Im Kanton Aargau gibt es 9700 Landfrauen

Der Landfrauenverband hat seinen Ursprung im Bernbiet und war eine reformierte Organisation. Nicht alle Männer sahen es gerne, dass die Frauen einen Verein gründeten und ihren eigenen Interessen nachgingen. Heute ist der Verband konfessionell neutral und dient zur Aus- und Weiterbildung der Bäuerinnen und der Frauen vom Land. Der Aargauische Landfrauenverband ALFV ist Dachverband für 210 Ortsvereine, die selbstständig arbeiten und in zwölf Sektionen organisiert sind, elf gemäss den Bezirken und eine Sektion «Oberes Suhren- und Ruedertal.» Mit 9700 Mitgliedern ist der aargauische einer der grössten Landfrauenverbände der Schweiz. Vernetzt ist er mit dem Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband, mit dem Bauernverband Aargau, mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg, mit Hauswirtschaft Schweiz und weiteren Organisationen. Zu den Aufgaben des Verbandes gehören die Aus- und Weiterbildung in Haus- und Landwirtschaft, die Interessenvertretung der Bäuerinnen und der Frauen im ländlichen Raum, das Fördern des Verständnisses zwischen Produzent und Konsument, den Erhalt von Tradition und ländlicher Kultur, Soziales Wirken und Dienst am Mitmenschen sowie die Organisation von Weiterbildungskursen und Vorträgen. (NR)

Die Landfrauen machen es sich noch heute zur Aufgabe, das Wissen um die Produkte weiterzugeben und sich für die Landwirtschaft, die Regionalität und die Saisonalität der Produkte einzusetzen. Aber auch der gesellige Teil ist ein wichtiger Bestandteil des Vereins: Am Frühlings- und am Chlausenhöck tauschen sich die Frauen aus und planen Aktivitäten wie das Schmücken von Kirchenfenstern und Weihnachtsfenstern, Landfrauenmärkte und Seniorennachmittage.

Die Ortsvereine Uerkheim, Bottenwil und Wiliberg arbeiten eng zusammen.
«Der Verein bietet eine Abwechslung zum Arbeitsalltag. Die Frauen treffen sich zum Kaffeetrinken und Plaudern und können sich im Verein engagieren, ohne sich gleich grossen Verpflichtungen auszusetzen», erklärt Therese Berchtold, Ortsvertreterin von Uerkheim. Die 55-Jährige ist seit 20 Jahren Landfrau und seit sieben Jahren Ortsvertreterin. «Ich würde mein Amt abgeben, wenn jemand Jüngeres übernehmen möchte», sagt sie. Doch das sei noch nicht der Fall gewesen.

Mitgliederzahlen stagnieren
Die Mitgliederzahlen bei den Landfrauen stagnieren. Trotzdem: «Man kann einen Generationenwechsel beobachten. Die Jungen bringen neue Ideen», erzählt Monika Hunziker. Die Bezeichnung «Landfrau» ist ihrer Meinung nach nicht mehr zeitgemäss: «Eigentlich sollte es ‹Frauen vom Land› heissen», sagt sie schmunzelnd. Heute seien viele Hausfrauen im Landfrauenverein. «Ich kenne Landfrauen, die nicht einmal wissen, wie man einen Butterzopf macht.»

Monika Hunziker kam 2002 in den Verein, weil sie sich als Neuzugezogene in Bottenwil integrieren und Leute kennen lernen wollte. «Die Landfrauen vermitteln alte Traditionen aus Küche und Landwirtschaft, bieten Raum für Geselligkeit und viele spannende Kurse zur Weiterbildung», sagt sie.
Der nächste Anlass der Landfrauen ist am Donnerstag, 5. November: Am Tag der Pausenmilch schenken sie in den Schulen Milch aus. Vorher wird noch eifrig gebacken: «Milch allein macht ja keinen Spass», sind sich die Landfrauen einig.

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