Direktor

Direktor verklagt seinen früheren Arbeitgeber auf 4,5 Millionen Franken

MK Paul Knecht, fristlos entlassener ex Spitaldirektor Biel

«Das wird ein heisser Sommer»

MK Paul Knecht, fristlos entlassener ex Spitaldirektor Biel

Paul Knecht, der im Februar 2008 fristlos entlassene Direktor, klagt seinen früheren Arbeitgeber, die Spitalzentrum Biel AG (SZB), auf 4,45 Millionen Franken Schadenersatz ein. Und Grossräte machen Druck, dass der Streit endlich gelöst wird.

Bruno Utz

«Unter der Leitung der Präsidentin Irène Truffer ist dem Verwaltungsrat der SZB vorzuwerfen, dass er seine Führungsverantwortung schwerwiegend verletzt hat sowie rechtlich und moralisch fragwürdig handelte.» Dieser Satz steht in einem vierseitigen Brief, den Paul Knecht am 10.Mai an den Gesamtregierungsrat geschickt hat.

Bis heute hätten weder der Verwaltungsrat noch der zuständige Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP) mit ihm ein Gespräch geführt. «Das rechtliche Gehör wurde mir stets verweigert», unterstrich der fristlos entlassene Bieler Spitaldirektor gestern vor den Medien. Auch ein Angebot für eine Mediation habe die Gegenseite abgelehnt. Noch heute wisse er nicht genau, was ihm vorgeworfen werde. «Niemand hatte bisher den Mut, mir zu sagen, was nicht in Ordnung gewesen sei.»

Hunderttausende veruntreut

Den langjährigen Spitaldirektor Knecht beschuldigt der Verwaltungsrat, mehrere hunderttausend Franken veruntreut zu haben. Er habe sich unter anderem einen zu hohen Lohn ausbezahlt und Spesen falsch abgerechnet. Über all die Jahre habe Verwaltungsratspräsidentin Irène Truffer jedoch sämtliche Spesenabrechnungen visiert. «Alle 31 von PricewaterhouseCoopers als angeblich unkorrekt ermittelten Spesennoten waren in Ordnung», so Knecht gestern.

Es erstaune ihn, dass Truffer nichts gewusst habe von den Verträgen und Reglementen, die für ihn galten, ihrem einzigen direkt unterstellten Mitarbeiter. «Sie vergass, welche Dokumente sie unterschrieben und erhalten hat», wies Knecht gestern erneut Anschuldigungen zurück, er habe betrogen (wir berichteten).

Regierung reagiert indirekt

Zurück zum Brief an den Regierungsrat: Bisher habe dieser darauf nicht reagiert. «Nicht einmal eine Eingangsbestätigung habe ich erhalten.» Gefreut habe ihn jedoch die in einer Medienmitteilung vom 31.Mai vom Regierungsrat gegebene indirekte Antwort. Der darin festgehaltene Auftrag des Regierungsrates an Perrenoud, die Situation des SZB-Verwaltungsrates bis Ende August extern überprüfen zu lassen, entspreche genau seiner im Brief gemachten Aufforderung, so Knecht: «Ein heisser Sommer steht bevor.»

Mit Zufriedenheit habe er auch davon Kenntnis genommen, dass das Anforderungsprofil für Verwaltungsräte der öffentlichen Spitäler überprüft werde. Als Konsequenz verlangte Knecht gestern, dass Truffer und Verwaltungsrat Christoph Zenger – «die beiden Hauptverantwortlichen der gegenwärtigen Situation» – bis zu einer Lösung in den Ausstand treten.

Grossräte machen Druck

Diese Woche sind die Grossräte Andreas Blank (SVP/Arberg) und Peter Moser (FDP/Biel) mit zwei vom Büro des Grossen Rates dringlich erklärten Vorstössen aktiv geworden. Dies, nachdem im März 2009 bereits Beatrice Simon (BDP), die jetzige Finanzdirektorin, in einer Interpellation Auskünfte über das Spitalzentrum Biel verlangt hatte.

Moser und Blank erkundigen sich unter anderem nach den «Anstellungs- und Auftragsverhältnissen seit dem Abgang des Spitaldirektors zwischen einzelnen Mitgliedern des Verwaltungsrates und der Spitalzentrum Biel AG». Und wer diese bewilligt habe (vergleiche Kasten ganz links).

Verantwortlichkeitsklagen?

In einer Motion fordern die Grossräte den Regierungsrat auf, dafür zu sorgen, dass der Kanton als SZB-Hauptaktionär keinen Decharge-Erklärungen zustimme, die den Zeitraum der Freistellung des Spitaldirektors betreffen. Je nach Ergebnis der externen Untersuchung habe der Regierungsrat die Konsequenzen zu ziehen «und insbesondere allfällige Verantwortlichkeitsklagen zu prüfen». Zudem solle der Regierungsrat Knecht endlich anhören. Die beiden Vorstösse kommen im September in den Grossen Rat.

«In diesem Verwaltungsrat läuft vieles schief», erklärt auf Anfrage Peter Moser «den Druckaufbau» gegenüber dem Regierungsrat. Es müsse endlich vorwärts gehen und eine Lösung gefunden werden. «Die Auseinandersetzung ist sehr teuer und alle sind Verlierer. Vor allem auch der Kanton und das Spital.»

4,5-Millionen-Klage

Gemäss Knecht wird Peter Thoma, der Präsident des zuständigen Untersuchungsrichteramtes Berner Jura--Seeland, die Voruntersuchung noch dieses Jahr abschliessen. «Solange kann ich aber nicht warten.» Er werde deshalb in den nächsten Wochen eine Klage gegen das Spitalzentrum Biel einreichen. Die Klagesumme gab der entlassene Spitaldirektor mit 4,45 Millionen Franken an. Stark ins Gewicht falle vor allem der vom Verwaltungsrat angeordnete Ausschluss aus der Pensionskasse. Den Aufwand der SZB für Staranwalt Peter Bratschi, ein externes PR-Büro sowie für das eigene Personal schätzte Knecht auf bisher rund 1,3Millionen Franken.

Am Abend liess die Gesundheitsdirektion in einer Mitteilung wissen, «in Anbetracht der laufenden Verfahren und der durch den Regierungsrat zu behandelnden dringlichen Vorstösse» verzichte Philippe Perrenoud zum jetzigen Zeitpunkt auf jeglichen Kommentar.

Übrigens: Paul Knecht ist in Langenthal kein Unbekannter. Von 1984 bis 1991 war er hier Spitaldirektor. Bis 1995 wohnte die Familie auch in Langenthal.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1