Grenchen
Diskussion um Schenke Kappeli

Das Restaurant Kappeli existiert seit beinahe einem Jahr nicht mehr. Die Erinnerung an die Gaststätte bei der Kappelle Allerheiligen ist aber bei manchen Grenchnern noch wach. Nun sorgt eine seinerzeit beim Verkauf festgehaltene Klausel dafür, dass die Diskussion um den Betrieb neu aufflammt.

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Kappeli

Kappeli

Grenchner Tagblatt

Urs Byland

Das Restaurant Kappeli, oben bei der Kappelle Allerheiligen, wird von manchen Grenchnern schmerzlich vermisst. Seit einem Jahr ist es geschlossen. Wanderer und Ausflügler haben mit dem Ende des Restaurantbetriebes bei Besitzer Beat Wyss einen Treffpunkt verloren. Doch die Sache ist noch nicht gegessen.

Beim Verkauf der Liegenschaft an der Allerheiligenstrasse 218 im Jahr 1983 an die Familie Schneider brachte die Stadt die Klausel ein, welche den Betrieb einer Gaststätte verlangt. Begründet wurde diese Bedingung mit dem Festhalten an einer Tradition. In den Annalen ist das Gebäude erstmals 1658 erwähnt. Der Wirt hatte dem Chappeli-Pfarrer den Wein zu liefern.

In der Stadtverwaltung ist das ehemalige Restaurant Kappeli wieder zum Thema geworden. Von einem Rückkauf der Liegenschaft ist die Rede, aber auch von einer Aufhebung der Klausel. Bei beiden Varianten müssten die finanziellen Auswirkungen besprochen werden. Laut nachgedacht wurde auch schon über eine Zonen-Ergänzung, um bessere Rahmenbedingungen (Seminarräume etc.) für einen Wirtschaftsbetrieb zu schaffen.

Das Beizenkarussell dreht sich unermüdlich

Der Sommer kommt und damit die Zeit der Strassenbeizen. Das kürzlich eröffnete «Hot Soup» im Gebäude der Städtischen Werke Grenchen will auf diesen Zug aufspringen und im nördlichen Teil des Marktplatzes eine Gartenwirtschaft einrichten. Stühle und Tische sollen im kleinen Park im Schatten der Bäume platziert werden. Und südlich des Parkes wird ein Pavillon (3,5 mal 3,5 Meter) als Ausschank dienen. Die Baupublikation wurde gemacht, um einem Bundesgerichtsurteil nachzukommen, das für alle neuen Strassenbeizen ein Baugesuch verlangt. Ansonsten steht Baudirektor Claude Barbey dem Gesuch positiv gegenüber.
Eine weitere Baupublikation betrifft das Gebäude an der Centralstrasse 45. Im «Sunnehus» will Alfredo Sanfilippo aus dem bestehenden Laden ein Verkaufslokal mit Restaurant machen. Anbieten will er sizilianische Spezialitäten. Diese können im Geschäft gekauft oder geliefert werden. Gleichzeitig bestehe die Möglichkeit, seine Produkte im Restaurant zu konsumieren. Dort plant er, täglich ein neues Menü anzubieten. «Ich möchte eine kleine sizilianische Beiz führen.» Eröffnen will er am 15. August. (uby)

Politik wird die Weiche stellen

Letzen Endes wird die Politik über das weitere Schicksal des «Kappeli» bestimmen. In einem vertraulichen Geschäft behandelte der Gemeinderat das Thema an seiner letzten Sitzung. Über die Diskussion und Entscheide herrscht vonseiten der Verwaltung Schweigen. «Es ist ein Zwischenentscheid gefallen», erklärt François Scheidegger, «mehr nicht.» Das Geschäft werde an einer der kommenden Gemeinderatssitzungen erneut verhandelt. Will sich der Gemeinderat weitere Grundlagen beschaffen, um einen Entscheid fällen zu können?

«Wir wollen hier bleiben»

Von Seiten der Besitzer ist eines klar: Die Liegenschaft, die seit über 20 Jahren in den Händen der Familie ist, ist längst zur Heimat geworden. «Wir wollen hier bleiben», erklärt Beat Wyss, stellvertretend für seine Frau Sabine, die Schwiegereltern und die Kinder.

Sabine Wyss hatte im Jahr 2006 den Betrieb von ihren Eltern übernommen. 2008 mussten sie die Führung des Gastgewerbebetriebs einstellen. Als abgelegenes Restaurant kämpfte das «Kappeli» mit abnehmenden Einkünften. Und: «Die Vorschriften wuchsen ständig, ebenso die Ausgaben für den Betrieb», so Beat Wyss. Er habe nicht auswärts arbeiten gehen wollen, «nur um den Restaurantbetrieb für die Grechner aufrecht halten zu können».

Kein leichter Entscheid

Der Entscheid wird dem Grenchner Gemeinderat nicht leicht fallen. Lässt man die Klausel fallen, geht eine lange Tradition zu Ende. Der Besuch der nahe gelegenen Kappelle Allerheiligen verbunden mit einem Restaurantbesuch im «Kappeli» gehört dann ins Repertoire der Geschichte. Die Besitzerfamilie aber würde einen Klumpen am Bein loswerden. Entscheidet sich der Gemeinderat anders, muss er zu einer wirtschaftlich realistischen Nachfolgelösung Hand bieten.

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