Thomas Hüni

«Ein fester Platz im Lehrplan»

Sinnvoll, mit den Kindern in der Pupertät über Sexualität zu sprechen: Thomas Hüni.

Ein fester Platz im Lehrplan

Sinnvoll, mit den Kindern in der Pupertät über Sexualität zu sprechen: Thomas Hüni.

Thomas Hüni, Leiter der Fachstelle für Sexualpädagogik in Brugg, über Homosexualität in der Schule.

Philippe Neidhart

In welchem Alter sollte man mit den Schülern das Thema Homosexualität ansprechen?

Thomas Hüni: Die Frage der sexuellen Orientierung stellt sich bei den Kindern in der Pubertät. Darum ist es sinnvoll, in diesem Zeitraum mit den Kindern über das Thema Sexualität zu sprechen. Homosexualität ist sicher ein Teil davon. Doch schon im Kindergarten könnte man die Kinder sensibilisieren. Geschichten mit gleichgeschlechtlichen Liebespaaren wären eine solche Methode.

Soll man das Thema Homosexualität fest in den Lehrplan verankern?

Hüni: Ich finde es sehr wichtig, dass das Thema Sexualität einen festen Platz im Lehrplan erhält. Dazu gehört auch, dass die Lehrerinnen und Lehrer gleichgeschlechtliche Beziehungen thematisieren. Bis jetzt wird Sexualität nur kurz im Biologieunterricht oder fächerübergreifend behandelt. Entweder hat man Glück und es wird in der Schule ausführlich darüber diskutiert oder man hat Pech und es wird nur kurz angesprochen.

Sprechen denn Jugendliche über Homosexualität, wenn sie sich an Ihre Fachstelle wenden?

Hüni: Nicht wirklich. Es braucht viel, bis ein Jugendlicher mit einem solchen Problem zu uns kommt. Anderes erleben wir bei unseren Schulbesuchen. Dort ist Homosexualität präsent. Meistens jedoch im negativen Sinne. Knaben mit langen Haaren werden beispielsweise als «schwul» beschimpft und gehänselt. Doch es gibt natürlich auch andere Fälle. Nicht selten kommen Jugendliche mit der Frage «Bin ich schwul?» auf uns zu. Sie befinden sich mitten in ihrer sexuellen Selbstfindung und fühlen sich vom gleichen Geschlecht angezogen oder schauen Pornos mit Männern.

Gibt es Unterschiede zwischen Knaben und Mädchen?

Hüni: Ja. Die Knaben zeigen, dass sie gegenüber der Homosexualität abgeneigt sind. Sie halten dieses Verhalten für «unmännlich».

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