Jugend-Big-Band-Wettbewerb
Ein Hauptpreis, der zu reden gibt

Die Gewinner des Jugend-Big-Band-Wettbewerbs Dietikon dürfen im Radiostudio Zürich Aufnahmen machen – das bringe aber auch Probleme mit sich, findet ein Teilnehmer.

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Nachwuchswettbewerb

Nachwuchswettbewerb

Schweiz am Sonntag

Von Sidonia Küpfer

Auf den Gewinner des Nachwuchswettbewerbs am Dietiker Big Band Festival von Anfang September warten als Hauptpreis professionelle Radioaufnahmen im Wert von 3000 Franken. Gerade dieser von SR DRS Musikwelle gestiftete Preis war es, der an der Informationssitzung mit den Bandleadern von Anfang Juli Anlass zu Diskussionen gab.

Der Wattwiler Big-Band-Leiter Martin Winiger wiederholt auf Nachfrage der LiZ die damals geäusserten Bedenken: Zwar lobt er die Geste von Schweizer Radio DRS, er sieht dabei aber auch Probleme: «Im Grunde muss man für die professionelle Produktion einer CD mit einem fünfstelligen Betrag rechnen», sagt Winiger.

Das bedeute, dass der Gewinner des ersten Preises zusätzlich zu den Studioaufnahmen im Wert von 3000 Franken nochmals rund doppelt so viel Geld auftreiben müsse, um eine professionelle CD zu produzieren. Martin Winiger, der mit der Big Band Kanti Wattwil vor rund fünf Jahren eine CD aufgenommen hat, verweist etwa auf die Urheberrechtsgebühren der Suisa, auf die Kosten für die Herstellung eines ansprechenden Booklets, das Pressen der CDs und für das Mastern - also das Nachbearbeiten der Aufnahmen.

Der vom Schweizer Radio DRS gesponserte Hauptpreis werde aber nur zweckgebunden und nicht als Bargeld vergeben. Im Gegensatz zum Preis für die Sieger erhalten nämlich der Zweite (2000 Franken) und Dritte (1000 Franken) ihre Gewinne ausgezahlt. «Wir haben schon gewitzelt: Im Grunde sollte man Zweiter werden», so Winiger weiter.

SR DRS sieht das etwas anders: «Der kostenintensive Teil einer CD-Produktion sind die Aufnahmen im Studio», erklärte Pressesprecher Andreas Notter auf Anfrage. In der Schweiz gebe es nur wenige Studios, welche Live-Studioaufnahmen für Bands von solcher Grösse produzieren könnten. Normalerweise kämen nur Elite-Jazzformationen in den Genuss von Aufnahmen bei Schweizer Radio DRS, das in Jazz-Kreisen für seinen hohen Qualitätsstandard bekannt sei.

Dies sei der eigentliche Preis. Ob die Gewinner diese Aufnahmen für eine professionelle - und dementsprechend teurere Produktion oder eine kleiner dimensionierte CD mittels Computer-Vervielfältigung benutzten, sei Sache der Band, so Notter.

René Gubelmann, Mitglied des Festival-Komitees, ist der Ansicht, dass am Anfang dieser Diskussion ein Missverständnis stehe, das aus dem letzten Jahr datiere. Damals hiess es im Programmheft des Big Band Festival zum 1. Preis: «Die Siegerband produziert bei DRS Musikwelle eine CD.» Gemeint war jedoch, dass der Gewinner eine professionelle Aufnahme machen könne, wie Gubelmann erklärt. «Die Produktion einer kompletten CD würde zwischen 8000 und 10 000 Franken kosten», so Gubelmann.

SR DRS stifte lediglich die Studiozeit und das nötige Personal. Im diesjährigen Programm steht zum Hauptpreis denn auch exakter: «Professionelle Radioaufnahme (Studio Produktion) im Wert von 3000 Franken.» Für Gubelmann bietet der Preis den Bands eine gute Ausgangslage: «Mit einer professionellen Aufnahme können die Bands eine Demo-CD anfertigen, um sich für Auftritte zu bewerben.»

Martin Winigers Big Band Kanti Wattwil ist eine von fünf Nachwuchs-Bands, die im September am Wettbewerb teilnehmen. Winiger freut sich denn auch trotz seiner Kritik am Hauptpreis auf das Festival, denn es sei «super aufgezogen». Und für ihn ist klar: «Wir treten an, um zu gewinnen, auch wenn es mit immensem zusätzlichem Aufwand verbunden wäre.»

Big Band Festival «Swing in Dietikon», Stadthalle Dietikon, 4. bis 6. September.

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