Augustreden
Ein Herzenswunsch zum 1. August

Birmensdorfs 1.-August-Feiern gehören zu den besten ihrer Art. Das liegt auch daran, dass die Auswahl der Redner abwechslungsreich ist – und es darf gelacht werden.

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Kabarettduo

Kabarettduo

Schweiz am Sonntag

Von Jürg Krebs

Jakob Gut hat sich zum Ende seiner Amtszeit als Gemeindepräsident von Birmensdorf endlich einen Herzenswunsch erfüllen können. Am 1. August werden mit Trudi (Jahrgang 1934), Fredi (Jahrgang 1954) und Fabian Wismer (Jahrgang 1983) drei Generationen gleichzeitig auftreten. Ihre Rede steht unter dem Titel «Das ist unser Birmensdorf.» «Seit 12 Jahren habe ich diese Idee - endlich hat es geklappt», sagt Gut.

Jakob Gut ist es damit erneut gelungen, das Rednerpult mit einer guten Idee zu besetzen. Das war in den vergangenen Jahren regelmässig der Fall. 2008 lockte der Fürst von Belfort alias Peter Wettler aus Dietikon, davor trat Brigadier Daniel Lätsch auf, der in Birmensdorf die Militärakademie führt. 2006 brachte das Kabarettduo «Schön & Gut» die Gäste zum Lachen. 2005 trat Jakob Gut selbst vor die Festgemeinde, als Ersatzmann quasi. Es war nicht das einzige, aber das letzte Mal, dass Gut die Festansprache hielt.

Er sei nur dann aufgetreten, wenn die Rednerin abgesprungen ist - wie Rita Fuhrer, die mit dem Gesamtregierungsrat nach Berlin eingeladen wurde und ihre Zusage zurücknehmen musste - oder wenn er niemanden für die 1.-August-Ansprache gewinnen konnte. 2004 hatte Gut ebenfalls eine ungewöhnliche Idee: Er lud den Präsidenten der befreundeten Gemeinde Baar und dessen Schreiber ein. Sie dankten die Einladung mit einer heiteren Rede und einem nachdenklichen Schluss.

In Birmensdorf ist die Einladung des 1.-August-Redners Chefsache. Jakob Gut bestimmt, wer kommt. Anders etwa läuft es in Schlieren, wo traditionell der Präsident oder die Präsidentin des Stadtparlaments spricht. In Urdorf bestimmen die Parteien, wer darf - oder muss. Nach welchen Kriterien wählt Gut seine Personen aus? Als Gemeindepräsident vertrete er nicht in erster Linie eine Partei, sondern alle Einwohnerinnen und Einwohner. Aus diesem Rollenverständnis heraus sei ihm Abwechslung wichtig. Deshalb dominiert in Birmensdorf nicht die Politik.

Ein Blick in die Rednerliste der Gemeinden im Bezirk Dietikon und in Bergdietikon zeigt, dass Auftritte wie jener am kommenden Samstag in Birmensdorf selten sind. Dieses Jahr dominieren in der Region Politiker und Geistliche. Zwischen 1998 und 2008 stammten drei Viertel der Auftretenden aus dem Bereich Politik, nur ein Viertel waren Frauen. Da zeigte Birmensdorf mehr Abwechslung. Das Publikum estimiert dies. 300 bis 400 Personen treffen sich Jahr für Jahr im Zentrum.

Fredi Wismer, ehemaliger Birmensdorfer Sekundarschulpfleger und Geschäftsleitungsmitglied der Dietiker Realisator AG, wurde anlässlich des West-Festes vom April, als er und Gut beieinandersassen, von diesem angefragt, ob er nicht mit Familie auftreten wolle. Zuerst lehnte Wismer ab, dann liess ihn aber der Gedanke nicht mehr los, erzählt er. Die Eröffnung der Autobahn wurde als Jahrhundertereignis gefeiert. «Im Kopf begann es zu rotieren. Ich überlegte mir, wie viele andere Jahrhundert-ereignisse Birmensdorf schon erlebt hatte», so Wismer. Schliesslich fragte er Mutter und Sohn an, und als diese mitmachten, gab er Gut grünes Licht.

Während viele 1.-August-Redner das Schreiben ihrer Ansprache noch vor sich haben und wohl bis zuletzt am Text feilen, steht die Rede der Familie Wismer steht bereits zwei Wochen vor dem eigentlichen Termin. Die drei treffen sich nun von Zeit zu Zeit, um Skript und Auftritt zu üben, wie Fredi Wismer erzählt. Schliesslich sollen die Birmensdorferinnen und Birmensdorfer einen spannenden und nicht zu langen Auftritt miterleben.

Die drei werden sich an 70 Jahre Ortsgeschichte mit «einer ganzen Reihe von Meilensteinen» erinnern. «Beginnen wird meine Mutter», sagt Fredi Wismer. Sie hat ihr ganzes Leben in Birmensdorf verbracht, war in Schulpflege und Gemeinderat tätig und hat einiges zu erzählen. Vom Rütli, so viel sei verraten, wird nicht gesprochen.

Gespannt wartet nun Gemeindepräsident Jakob Gut, wie seine Idee von der Familie Wismer umgesetzt wird. Scherzhaft fügt er an: «Seien wir ehrlich, kommen die Leute nicht in erster Linie wegen des von der Gemeinde offerierten Znachts?» Warum auch immer. Jakob Gut ist vor allem eines wichtig: «Wenn sich die Leute treffen, wird der Zusammenhalt im Dorf gekittet.»

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