Norwegen
Eine Tragödie zum Jahreswechsel - Norwegen trauert um Erdrutschopfer

Die Trauer über die verheerende Katastrophe zum Jahreswechsel stand der norwegischen Königsfamilie ins Gesicht geschrieben.

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Kerzen wurden vor einer Weihnachtskrippe in der Hauptstraße aufgestellt. Zu dem Erdrutsch in der Kommune Gjerdrum war es bereits am frühen Morgen des 30. Dezember gekommen. Foto: Ole Berg-Rusten/NTB/dpa

Kerzen wurden vor einer Weihnachtskrippe in der Hauptstraße aufgestellt. Zu dem Erdrutsch in der Kommune Gjerdrum war es bereits am frühen Morgen des 30. Dezember gekommen. Foto: Ole Berg-Rusten/NTB/dpa

Keystone/NTB/Ole Berg-Rusten

Er habe Probleme, die richtigen Worte zu finden, sagte König Harald V. (83) während eines Besuchs in der Kommune Gjerdrum am Sonntag. "Das ist völlig schrecklich. Es ist sehr schwer, das in Worte zu fassen." Königin Sonja (83) an seiner Seite erzählte sichtlich berührt von Zusammenhalt und Herzenswärme in der kleinen Gemeinde nördlich von Oslo, die kurz vor Neujahr von einem gewaltigen Erdrutsch heimgesucht wurde.

Mehrere Tage danach wird das Ausmass der Katastrophe nun immer klarer. Bis Montag haben die unentwegt arbeitenden Rettungskräfte bislang sieben Todesopfer im Unglücksgebiet gefunden, darunter ein zweijähriges Mädchen. Auch der Vater des Kleinkindes ist unter den Umgekommenen, die schwangere Mutter möglicherweise ebenfalls. Drei Menschen galten bis zum Montagnachmittag weiter als vermisst.

Zu dem Hunderte Meter langen und breiten Erdrutsch war es bereits am frühen Morgen des 30. Dezembers gekommen. Über den riesigen Krater, den der Abgang in der Ortschaft Ask rund 40 Kilometer nordöstlich von Oslo erzeugt hat, hat sich mittlerweile eine Schneeschicht gelegt.

Die Einsatzkräfte hielt das auch am Montag nicht davon ab, weiter im Katastrophengebiet nach Überlebenden zu suchen - auch mehr als fünf Tage nach dem Unglück gaben die Retter nicht ihre Hoffnung auf, Vermisste noch lebend ausfindig zu machen.

"Wir befinden uns weiterhin in einer Rettungsaktion", beteuerte der polizeiliche Einsatzleiter Roger Pettersen am Montag vor Reportern. "Wir glauben weiter, dass wir Überlebende finden können." Die Hoffnung der Rettungskräfte: Jemand könnte in Hohlräumen unter den Erdmassen überlebt haben - trotz Unglück und winterlicher Kälte. Neue Funde machten die Einsatzkräfte am Montag bis zum Nachmittag jedoch nicht.

Mindestens zehn Menschen hatten während des Abgangs am vergangenen Mittwoch Verletzungen erlitten. Neun Häuser mit mehr als 30 Wohneinheiten sind eingestürzt. Rund 1000 Menschen wurden bislang in Sicherheit gebracht.

Zehn Menschen hatten nach dem Erdrutsch als vermisst gegolten. Sieben Todesopfer haben die Einsatzkräfte seit dem Neujahrstag gefunden, fünf davon sind bisher identifiziert worden: Neben dem 2018 geborenen Mädchen und ihrem 40-jährigen Vater auch eine 54-Jährige und zwei Männer im Alter von 29 und 31 Jahren.

Auch die 31-jährige Mutter des kleinen Mädchens gehörte zu den ursprünglich zehn Vermissten. Sie hatte sich mit ihrem Ehemann und der Tochter zum Unglückszeitpunkt im selben Haus befunden, wie der norwegische Sender NRK berichtete. Ob sie zu den beiden bisher nicht identifizierten Toten zählt oder weiterhin vermisst wird, ist unklar.

Viele Menschen in Norwegen hat das Schicksal der Menschen in Gjerdrum mitgenommen, nicht zuletzt die Königsfamilie. "Das ist eine kleine Kommune, die plötzlich in einer Katastrophe steckt", sagte Kronprinz Haakon (47) am Sonntag, als er sich gemeinsam mit dem Königspaar vor Ort ein Bild vom Unglück machte. Es sei deutlich für ihn, dass viele in Norwegen mit den Betroffenen in Gjerdrum mitfühlten.