DAB
Energy-Schub für das digitale Radio

Mit privaten Programmen soll DAB in der Schweiz in Schwung kommen. Auf das Digitalradio setzt auch Energy Zürich. Für den Zürcher Lokalsender geht es dabei ums Überleben.

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Pressedienst

Martin Uebelhart

Am 15. Oktober geht in der Schweiz die zweite DAB-Programmpalette auf Sendung. Mit von der Partie ist Energy Zürich. Der Sender interessierte sich nicht erst seit dem drohenden Verlust der Konzession für die Technologie. «Energy Zürich war schon früher bei neuen Technologien an vorderster Front dabei», sagt Energy-Geschäftsführer Dani Büchi gegenüber a-z.ch. «Wir wollten ohnehin über DAB senden. Jetzt hat das für uns eine andere Bedeutung erhalten: Es wird von einem Innovationsprojekt zu einem Überlebensprojekt.» Zwingend für den Sender ist beim Wechsel auf DAB allerdings eine Übergangslösung auf UKW. Mit der alleinigen Ausstrahlung via digitales Radio hätte die Station keine Überlebenschance, so Büchi.

DAB/DAB+

Die Abkürzung DAB steht für «Digital Audio Broadcasting». Dieses Sendeverfahren erlaubt es, zahlreiche Radioprogramme im ganzen Verbreitungsgebiet auf derselben Frequenz auszustrahlen. DAB+, ein verbesserte Technik, löst in der Schweiz in den nächsten Jahren die Verbreitung über das herkömmliche DAB vollständig ab. Im Kanton Graubünden ist DAB+ bereits Realität. Die zweite Programmpalette für die Deutschschweiz (private und SRG-Programme), die am 15. Oktober auf Sendung geht, wird ebenfalls in DAB+ ausgestrahlt. In der ersten Programmpalette (ausschliesslich SRG-Programme) werden einzelne Programme ab dann auch in DAB+ gesendet. Zum Empfang der DAB+-Programme braucht es ein entsprechend ausgerüstetes Gerät. DAB+-Radios können auch die herkömmlichen DAB-Signale wiedergeben.

Wann Energy Zürich - eine UKW-Zwischenlösung vorausgesetzt - gleich viele Hörerinnen und Hörer über DAB erreicht wie heute über UKW lässt sich laut Büchi nur schwer voraussagen. «Wir hoffen auf eine Initialzündung im DAB-Bereich.» Büchi ist überzeugt davon, dass die neue Programmpalette mit Energy Zürich und weiteren privaten Radioprogrammen dem digitalen Radio in der Schweiz Schub verleihen wird. Er kann sich sogar vorstellen, dass ein Erfolg von DAB in der Schweiz europaweite Konsequenzen haben könnte. Etwa in Deutschland, wo derzeit in Sachen digitales Radio eher eine abwartende Haltung vorherrscht.

SRG ist froh um Private

Einen Schub für das Digitalradio erwartet mit den neuen Programmen auch Ernst Werder, Produktmanager Digitalradio bei Schweizer Radio DRS: «Es ist die Chance, DAB in der Schweiz zum Fliegen zu bringen.» Die SRG sei froh, dass nun auch private Stationen über DAB senden würden.

Neue Programme

Gemäss Informationen der Swissmediacast, der Betreiberin der zweiten Programmpalette in der Deutschschweiz, werden am 15. Oktober folgende Programme über DAB+ zu hören sein:

Energy Zürich
Radio Top Two
LifeChannel / ERF Schweiz
Radio Eviva
DRS 4 News
Radio Swiss Classic
Option Musique
RSI 3 - Rete Tre

Die Programme sind zunächst in den Grossräumen Zürich, Bern und Basel empfangbar. Das Netz wird laufend ausgebaut. Ab dem ersten Quartal 2010 werden die Zentralschweiz, die Region Winterthur und die Region Mittelland Bern-Baselland-Olten-Aarau, anschliessend ab dem vierten Quartal 2010 die Ostschweiz und ab 2011 die restlichen Gebiete der Deutschschweiz erschlossen.

Mit Blick auf Grossbritannien, wo DAB sehr erfolgreich ist, beschloss die SRG Mitte des laufenden Jahrzehnts, das Digitalradio vorwärts zu bringen und auch den Empfang mit portablen Geräten zu verbessern. Heute können rund 90 Prozent der Bevölkerung die SRG-Radio-Programme digital empfangen.

Ende 2006 gab es gerade einmal 25 000 digitale Radios in der Schweiz. Heute sind es rund 330 000 - im Vergleich zu rund 9 bis 10 Millionen analogen Radiogeräten. Allein im ersten Halbjahr 2009 habe der Handel 100'000 abgesetzt, sagt Werder. Dabei dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass die Verbreitung der DRS Musikwelle über Mittelwelle Ende 2008 eingestellt worden ist.

Mehr Informationen zu DAB: www.digitalradio.ch, www.digiradio.ch

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