Schmähkritik

Erdogan-Satire schwappt in die USA über: Late-Night-Show-Moderator John Oliver macht den Böhmermann

John Oliver verschmäht den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

John Oliver verschmäht den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Aus der Satire-Sendung «Last Week Tonight with John Oliver».

Der Fall Böhmermann hat Amerika erreicht: In der Satire-Sendung «Last Week Tonight» verschmäht John Oliver den türkischen Präsidenten Recep Erdogan. Der britische Moderator spricht zudem über den Paragraphen 103, sein Glück und über Frauenfüsse.

Die US-Satire-Sendung «Last Week Tonight» mit dem britischen Moderator und Komiker John Oliver hat den Fall Jan Böhmermann aufgegriffen. Der deutsche TV-Satiriker hatte Anfang April mit seinem «Schmähgedicht» über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan eine kleinere Staatsaffäre zwischen Deutschland und der Türkei ausgelöst.

«Ich wäre längst im Gefängnis»

«Er will jemanden einsperren, weil er ein Gedicht geschrieben hat?», sagt Late-Night-Moderator John Oliver verständnislos zur Strafanzeige Erdogans gegen Jan Böhmermann. Dann erklärt er dem amerikanischen Publikum, «wie auf Erden ein Gedicht gegen das Gesetz sein kann», indem er den aus dem 19. Jahrhundert stammenden Paragraphen 103 des deutschen Strafgesetzbuches zitiert und dazu erklärt: «Ich bin sehr froh, dass Amerika kein solches Gesetz hat – sonst wäre ich längst in einem Hochsicherheitsgefängnis.»

John Oliver attestiert Erdogan eine dünne Haut, denn seit dessen Amtsantritt 2014 seien in der Türkei beinahe 2000 Verfahren wegen Beleidigung des Staatspräsidenten eröffnet worden. «Das sind mehr als drei pro Tag», kommentiert der Moderator.

Als Beispiel nennt John Oliver einen Physiker, der seinen Job verlor, weil er ein Bild online teilte, das Erdogans Gesichtsausdrücke mit jenem von Gollum aus der Film-Trilogie «Herr der Ringe» vergleicht.

Erdogan-Gollum-Vergleich

John Oliver: «Es ist doch so, das ist weder Kritik noch ein Witz – es ist schlicht ein biologischer Fakt.»

Letztlich sei Erdogan selber Schuld, sagt Oliver. «Er macht es schlicht zu einfach, sich über ihn lustig zu machen.» Dazu verweist der Moderator auf die Aussage Erdogans, man könne Frauen und Männer nicht auf gleichberechtigte Positionen bringen – das sei gegen die Natur. Olivers Kommentar dazu: «Die Aussage ist schlimm genug, aber er sagte es an einer internationalen Konferenz für Frauen.»

Um die Wogen zu glätten, hatte es Erdogan mit einer Art Kompliment an die Frauen versucht: Er erklärte, er hätte seiner Mutter die Füsse geküsst, weil diese nach dem Paradies rochen.

Oliver dazu: «Sogar an einem internationalen Fuss-Fetischisten-Treffen erhältst du dafür schräge Blicke.»

Nach einem Video, in welchem Erdogan von einem Pferd fällt, das ihn danach in den Weichteilen trifft, richtet der britische Komiker sein Wort direkt an den türkischen Präsidenten: «Erdogan, wenn Sie so dafür besorgt sind, nicht verspottet zu werden, dann sollten Sie die Redefreiheit weder in Ihrem noch in einem anderen Land unterdrücken. Und Sie sollten sich generell nicht so verhalten, dass alle sehen wollen, wie Sie in die Eier getreten werden.»

Autor

Elia Diehl

Elia Diehl

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