«Es stimmt etwas nicht»

Die Sicherheitsdirektoren von Stadt und Kanton Bern haben dem Präsidenten des Fussballverbands einen Forderungskatalog zugestellt. Sie verlangen aktive Unterstützung im Kampf gegen Gewalt bei Fussballspielen.

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Solothurner Zeitung

Johannes Reichen

Einen Hoffnungsschimmer am von Petarden rauchgeschwängerten Horizont hat Reto Nause schon ausgemacht. Der Sicherheitsdirektor der Stadt Bern anerkennt, dass die Disziplinarkommission der Swiss Football League den BSC Young Boys mit einer Strafe belegt hat. 30 000 Franken Busse muss YB bezahlen und zudem einen Sektor beim ersten Saisonspiel geschlossen halten, weil im Frühling ein Fan einen Schiedsrichter mit einem Feuerzeugwurf verletzt hat (siehe Kasten).

Diese Sanktion entspricht den Vorstellungen Nauses. Gemeinsam mit dem kantonalen Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) hat Gemeinderat Nause (CVP) dem neuen Präsidenten des Schweizerischen Fussballverbands (SFV), Peter Gilliéron, einen offenen Brief zukommen lassen.

Stadt und Kanton rufen den am Samstag als Nachfolger von Ralph Zloczower gewählten Gilliéron zur Unterstützung im Kampf gegen Gewalt bei Fussballspielen auf. «Es ist eine günstige Gelegenheit, dem neuen Präsidenten zu gratulieren und ihm zu zeigen, wer in Bern für die Sicherheit zuständig ist», sagt Käser. Die Liga, meint Nause, verfüge über «ausgeklügelte und meiner Meinung nach lückenlose Sicherheitsbestimmungen». Jedoch würden Sanktionen nur bei öffentlichem Druck erlassen, und auch die Clubs handelten oft zögerlich.

Vier Forderungen

«Ich habe den Verband nie öffentlich pointiert Stellung nehmen hören», sagt Gemeinderat Nause. Und dem Regierungspräsidenten Käser beweisen die Vorfälle vom Cupfinal, dass es bisher mit der Umsetzung hapert. Darum diese Forderungen aus Bern:

Die Clubs müssen bei den Eingangskontrollen härter durchgreifen und dafür sorgen, dass unerlaubte Gegenstände nicht ins Stadion genommen werden können.

Verbotene Handlungen im Stadion sind rigoros zu verfolgen.

Gegen Täter müssen konsequent Stadionverbote verhängt werden.

Erfüllen die Clubs ihre Pflicht nicht, müssen Disziplinarbehörden der Liga aktiv werden.

Diese vier verlangten Massnahmen betreffen vor allem die Sicherheit innerhalb der Stadien - wofür die Vereine zuständig sind. «Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass an Spielen eine Petarde nach der anderen abgefeuert wird und dass Fanarbeiter erklären, sowas gehöre zur Fankultur», sagt Nause. «Dann aber stimmt mit der Kultur etwas nicht.»

Verband und Vereine müssten nun handeln, fordert Reto Nause. Die Young Boys zumindest wollen noch vor dem Meisterschaftsbeginn am 11. Juli Massnahmen gegen die Gewalt bei Spielen präsentieren. «Bei uns laufen sehr grosse Anstrengungen», sagt YB-Sprecher Charles Beuret.

Städte wollen gemeinsam vorgehen

Nause und Käser sind überzeugt, dass mit einem gemeinsamen Vorgehen «von Behörden, Clubs, Stadionbetreibenden und Verbänden» die Gewalt wirksam bekämpft werden kann. Dazu passt auch der Plan des für die Sicherheit zuständigen Regierungsrats von Basel-Stadt, Hanspeter Gass.

Er möchte die Anstrengungen gegen Fan-Gewalt mit Zürich und Bern koordinieren. Bisher gab es einen «flüchtigen» Kontakt, sagt Käser, der den Vorschlag begrüsst. «Jedes gemeinsame Vorgehen ist uns nahe», und die Gewalt bei Fussballspielen konzentriere sich in der Schweiz nun mal vor allem auf Bern, Basel und Zürich. Gemäss der jüngsten Basler Regionalausgabe des «Sonntags» will Gass mit dieser Städte-Koordination in erster Linie die Sicherheit, in zweiter Linie die Kostenfrage angehen - wenn möglich zusammen mit dem SFV.

In Bern bezahlt YB wie auch der SC Bern derzeit jährlich 60 000 Franken an die Stadt. «Das ist ein Anfang, aber sicher nicht kostendeckend», sagt Käser. Seit 2001 seien die Kosten für die Sicherheit bei Sportanlässen im Kanton von 0,2 auf 2,8 Millionen Franken gestiegen. «Verband und Clubs müssen eine Lösung finden», sagt Käser. Auch aktuelle Vorstösse im Grossen Rat und im Berner Stadtrat stellen die derzeitige Beteiligung der Berner Clubs infrage.

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