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Früher Handwerk, heute Gastronomie

250 Jahre alt: Die Alte Mühle mit dem Silo links besteht in dieser Form seit 1759. Fotos: (Bild: Tobias Granwehr)

Mühle

250 Jahre alt: Die Alte Mühle mit dem Silo links besteht in dieser Form seit 1759. Fotos: (Bild: Tobias Granwehr)

Erwähnt wurde die Langenthaler Mühle schon viel vorher. Doch so wie man sie heute kennt, besteht sie seit genau 250 Jahren.

Tobias Granwehr

Die Alte Mühle feiert ihr 250-jähriges Bestehen - eine beachtliche Zahl. Und genau genommen stimmt sie auch nicht ganz. Simon Kuert, Langenthaler Historiker, erklärt: «Bereits 1224 ist sie in einer Schenkungsurkunde an das Kloster St. Urban erwähnt.» Zusammen mit der Kirche auf dem Geiss-berg habe sie der Freiherr Eberhard von Grünenberg den Zisterziensern vermacht. Bis ins 19. Jahrhundert stand die Mühle unter der Herrschaft des Klosters. Später sei es den Langenthaler Müllern gelungen, zu den reichsten Bürgern der Stadt aufzusteigen, so Kuert. Die Geschichte des symbolträchtigen Gebäudes ist im Büchlein «Die Mühle von Langenthal 1224 bis 1995» von Historiker Max Jufer nachzulesen.

1759 Neubau fertig gestellt

Gefeiert wurde am Wochenende nun aber das 250-jährige Bestehen der Alten Mühle. Warum das? Der damalige Müller, Friedrich Marti, erneuerte zwischen 1754 und 1759 den Betrieb von Grund auf und erbaute das heutige Hauptgebäude. Marti habe in seiner Zeit zu den reichsten Langenthalern gehört, so Kuert. Der Hauptbau zählt drei Vollgeschosse und einen anderthalbgeschossigen Estrich unter dem Ründedach. Über dem Eingang ist ein Mühlerad in Sandstein gehauen, darunter die Jahreszahl 1759, also das Jahr der Fertigstellung des Neubaus.

Ein Sprung ins 20. Jahrhundert verdeutlicht die jüngere Geschichte der Alten Mühle: «1971 wurde der Mühlebetrieb still gelegt und 1978 das Bauland um die Mühle herum verkauft», erklärt Stadthistoriker Kuert. «1981 konnte die Gemeinde das Areal - umfassend die Alte Mühle, das Bauernhaus mit der Hofstatt, das Neukomm-Stöckli, die Mühlestallungen und den Silobau - erwerben.» Damit war der Grundstein gelegt für die spätere Nutzung - noch dauerte es aber einige Jahre, bis die Mühle zum heutigen Restaurant und Tagungszentrum wurde.

Zuerst waren die Langenthaler Bürger gefragt: In einer Abstimmung ging es um die Zukunft der Alten Mühle. Erst im zweiten Anlauf stimmten die Bürger 1992 einer Vorlage zur Rettung zu - es wurde die Stiftung Mühle gegründet. In den Jahren 1993 bis 1995 erfolgte die letzte grosse Renovation des Gebäudes. Diese ist zurzeit in einer Fotoausstellung in den Räumen der Mühle dokumentiert.

Beat Wälchli ab 2004 Pächter

Mehr als sieben Jahrhunderte haben das Areal und das Gebäude für die Stadt also eine wichtige Rolle gespielt. Generationen von Müllern haben mit ihrem Handwerk Arbeitsplätze geschaffen. Seit über fünf Jahren ist das Gebäude nun wieder Ort diverser Arbeitsplätze. Doch haben sie gar nichts mehr mit dem Müller-Handwerk gemein: Heute sind es Fachkräfte der Gastronomie, die täglich in der Alten Mühle ein und aus gehen. 2004 übernahmen Ursina und Beat Wälchli als Pächter das Gebäude. Sie führen ein Restaurant und Tagungszentrum.

Für das Mühle-Team ist das geschichtsträchtige Gebäude ein spezieller Ort, entsprechend wollen sie den Gästen auch eine spezielle Atmosphäre bieten. Betriebsleiterin Heidi Weichhart erklärt: «In diesem Haus gibt es viel Leben und eine grosse Atmosphäre. So etwas erreicht man in einem Neubau nie.» Es kämen immer wieder Gäste, die viele Erinnerungen mit der Alten Mühle verbänden. Und Jan Wälchli, stellvertretender Betriebsleiter, ergänzt: «Die Atmosphäre springt auf unsere Gäste über, genauso wie die Herzlichkeit dieses Hauses.» Doch sie müssten kreativ sein und das aussergewöhnliche Ambiente auch selbst leben, damit es funktioniere, so Weichhart. «Das Gebäude lässt uns viel Freiraum für Events, doch das bringt auch viel Arbeit mit sich.» Denn: Die Infrastruktur müsse immer wieder den Veranstaltungen angepasst werden, sagt sie. Das Hauptgeschäft des Restaurants läuft von Montag bis Freitag, die Räume können für die verschiedensten Anlässe gemietet werden. Am Wochenende ist die Alte Mühle hingegen nur für Gesellschaften und auf Reservation hin geöffnet.

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