Xenia
«Fussball ist meine männliche Seite»

Xenia Tchoumitcheva über Patriotismus, Fernando Torres und warum Fussball nur für Männer ist

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Benno Tuchschmid

Heute beginnt die WM. Freuen Sie sich?

Xenia Tchoumitcheva: Ich freue mich sehr. Ich mag diese Spannung an der WM: Welches Team kommt weiter, welches Team scheidet aus. Ich liebe Fussball, der Sport gehört zu meiner männlichen Seite (lacht). Ich habe keinen Bruder, darum hat mein Vater immer mit mir Fussball geschaut.

Sie schauen Fussball nicht nur an der WM?

Tchoumitcheva: Nein, ich mag Fussball auf hohem Niveau, besonders den italienischen. Als Kind war ich Fan von Juventus Turin, wegen meines Vaters. Heute bin ich für die AC Milan und Chelsea.

Wieso Chelsea?

Tchoumitcheva: Als ich in London war, habe ich viele Chelsea-Spieler gesehen, die haben dort in meiner Gegend gelebt.

Jetzt mal Hand aufs Herz: Schauen Sie Fussball, weil Sie das Spiel interessiert oder weil Sie die Fussballer interessieren?

Tchoumitcheva: Für uns Frauen ist Fussball doppelt schön: Erstens ist das Spiel spannend, zweitens gibt es viele schöne Männer. Ich finde, Fussball ist ein Sport, der nicht nur physisch anspruchsvoll ist, die Psychologie spielt eine grosse Rolle, man muss den Kopf gebrauchen. Es braucht diese Balance, darum ist Fussball schön anzuschauen.

In der Schweiz wird Patriotismus nicht sehr offen ausgelebt, ausser im Fussball...

Tchoumitcheva: Das finde ich überhaupt nicht. Hier sind doch alle stolz, Schweizer zu sein, ich kenne niemanden, der nicht stolz ist. Aber es gibt halt manchmal Probleme, weil wir drei Landesteile haben. Da kommt es zum
Zickenkrieg, aber wenn wir gegen andere Länder antreten, dann stehen wir zusammen.

In der Nati gibt es viele Spieler mit Migrationshintergrund. Spieler, die ausländische Namen tragen. Es gibt Schweizer, die sagen: Das ist gar keine richtige Schweizer Nati.

Tchoumitcheva: Ja, vielleicht stimmt das. Aber so ist die Schweiz von heute. Wir leben in einer globalisierten Welt. Die besten Spieler kommen in die Nationalmannschaft, da spielen Namen und Herkunft keine Rolle. Das ist so in einem demokratischen Land. Tchoumitcheva ist auch nicht gerade typisch schweizerisch. In der Schweiz gelte ich als Russin, in Italien als Schweizerin. Aber ich unterstütze nur ein Team: die Schweizer Nationalmannschaft.

Was ist Ihre Prognose für die Nati?

Tchoumitcheva: Ich gebe keine Prognose ab. Die Mannschaft soll mich positiv überraschen. Ich werde die Matches zu Hause mit vielen Freunden schauen, oder in einer Bar. Wenn die Nationalmannschaft gewinnt, dann wird gefeiert.

Ihr Lieblingsspieler?

Tchoumitcheva: Fernando Torres. Und zwar als Spieler und als Mann. Er ist ein cooler Typ.

Spielen Sie selbst Fussball?

Tchoumitcheva: Früher, in der Schule. Aber ehrlich gesagt, finde ich, dass Fussball kein Frauensport ist. Diese Bewegungsabläufe sind männlich, bei Frauen ist das nicht attraktiv.

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