Wetter
Gartenbäder als grösste Verlierer

Die grössten Verlierer des nassen und kühlen Sommers 2009 sind die Gartenbäder. Ihre Eintrittszahlen bewegen sich auf dem tiefen Niveau des Vorjahres, als es auch kühl und nass war. Die Ausflugsrestaurants profitieren von daheim Gebliebenen.

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Freibad Eglisee

Freibad Eglisee

bz Basellandschaftliche Zeitung

Rolf Zenklusen

Die kühlen Temperaturen und häufigen Regenfälle dieses Sommers bereiten den Verantwortlichen der Gartenbäder naturgemäss wenig Freude. Bis zum 19. Juli registrierte Eric Hardman, Leiter Sportanlagen im Erziehungsdepartement Basel-Stadt, 220 000 Eintritte in den Gartenbädern Eglisee, Bachgraben und St. Jakob. «Wir haben gleich viele Karten verkauft wie letztes Jahr, aber 13 Prozent weniger als im langjährigen Durchschnitt», erklärt Hardman. Erst wenn es drei oder vier Tage hinter einander schön und heisst ist, würden die Leute in die Gartenbäder strömen. Selbst wenn im August noch schönes Wetter vorherrschen sollte, seien Rekordwerte wie im Hitzesommer 2003 «unerreichbar». Zum Vergleich: Im Jahr 2003 hat der Kanton Basel-Stadt 834 000 Eintritte in die Gartenbäder verzeichnet; in den Folgejahren waren es noch zwischen 400 000 und 450 000 Eintritte.

Schiffe und Gondeln im Hoch

Weder bei der Basler Personenschifffahrts-Gesellschaft (BPG) noch bei der Wasserfallenbahn in Reigoldswil mag man über den Sommer klagen. «Wir haben eine gute Saison und spüren keinen Einbruch», erklärt Christoph Meier, Betriebsleiter bei der Wasserfallenbahn. Der Zustrom von englischen Touristen reisse nicht ab. Und Meier meint auch zu beobachten, dass viele Einheimische eher in der Region bleiben anstatt weit weg in die Ferien zu fahren. Dies hat BPG-Geschäftsführer Christian Vultier ebenfalls bemerkt. «Unsere Kursfahrten sind sehr gut besucht. Das Passagieraufkommen liegt im Bereich der Vorjahre. Wir profitieren von den Leuten, die dieses Jahr zuhause geblieben sind.» (zen)

«Eher eine schlechte Saison» erwartet auch Roger Liechti, Betriebsleiter der Badi in Gelterkinden. Vor allem der viele Regen machte dem Freibad bisher zu schaffen: Wenn die Wiese durchtränkt sei, würden nicht viele Gäste kommen. Falls der August noch gut werde, könnte er einigermassen zufrieden sein, meint Liechti.

Gute Saison gibt's nicht mehr

Auch Sämi Tschirky, Betriebsleiter und Badmeister im Sport- und Freizeitpark Gitterli in Liestal, spricht von einer Saison «im unteren Mittelfeld». Mit einem guten August könnte die Bilanz noch verbessert werden, aber die Schulferien seien ja bald vorbei, und danach gingen die Besucherzahlen erfahrungsgemäss zurück. «Eine gute Saison wird es sicher nicht mehr», sagt Tschirky.

Auch an der Glacefabrik Gasparini in Münchenstein geht das schlechte Sommerwetter nicht spurlos vorbei. Laut Betriebsleiter Christian Burget haben sich vor allem im Juli die vielen Regentage und das kühle Wetter beim Umsatz bemerkbar gemacht. «Wir merken sofort, wenn es einen oder zwei Tage regnet», sagt Burget. Der April sei aber sehr gut gelaufen, der Mai und Juni auch nicht so schlecht. Insgesamt liegen die Umsätze bei Gasparini im Bereich des letzten Jahres, als der Sommer auch nass und eher kalt war. «Wir hoffen nun auf einen guten August», erklärt Burget. Am meisten Glace verkauft er, wenn es rund 25 Grad hat. Hitzetage seien hingegen nicht so ideal: «Dann haben die Leute mehr Durst als Lust auf Süsses.»

Restaurateure klagen nicht

«Klar spüren wir das Wetter», sagt Urs Schindler, Wirt im Ausflugsrestaurant Schlosshof Dornach bei der Burgruine Dorneck. Im Durchschnitt gebe es aber jedes Jahr gleich viele Tage mit schönem und mit schlechtem Wetter. «Das gleicht sich dann wieder aus.» Wegen der Wirtschaftskrise kämen zwar weniger Firmen ins Restaurant, dafür gebe es diesen Sommer anscheinend mehr Leute, die während der Ferien in der Region bleiben und Ausflüge unternehmen. «Wir merken umsatzmässig keinen Unterschied zu anderen Jahren», weiss Schindler zu berichten.

An einem anderen klassischen Ausflugsort, dem Restaurant Bergmatten in Hofstetten, tönt es ähnlich. «Letztes Jahr war das Wetter genau gleich wechselhaft wie dieses Jahr», sagt Inhaber Andreas Bolt. Klar komme es vor, dass an einem Tag das Restaurant übervoll sei und man am Tag darauf in einem halbleeren Lokal sitze und auf Gäste warte. Aber in einem Ausflugsrestaurant gehöre das zum Geschäft. Und wenn man als Wirt innovativ sei, wirke sich das Wetter nicht stark auf den Jahresumsatz aus, sagt Bolt zur bz. Er merke auf jeden Fall keinen grossen Unterschied zum Sommer 2008.