Hochwasserschutz verzögert sich

Untauglich: Weder der Damm entlang der Emme noch seine Verstärkung können Biberist schützen. Alle warten auf die neuen Schutzbauten. (Felix Gerber)

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Untauglich: Weder der Damm entlang der Emme noch seine Verstärkung können Biberist schützen. Alle warten auf die neuen Schutzbauten. (Felix Gerber)

Der Kanton muss die Auflage des Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekts Emme um mindestens ein halbes Jahr verschieben. Zuerst sind nämlich die Rodung und die Ersatzaufforstung zu integrieren. Die Gemeindepräsidenten von Biberist und Gerlafingen sind nicht begeistert.

Anne-Regula Keller

«Ich bin schockiert, enttäuscht und frustriert!», ist die erste Reaktion des Biberister Gemeindepräsidenten Martin Blaser auf die Information des Kantons. «Im Juni 2003 habe ich von der zuständigen kantonalen Stelle den Hinweis auf ein mögliches Hochwasserrisiko und die Aufforderung, diesbezüglich aktiv zu werden, erhalten. Biberist hat die Hausaufgaben gemacht und war für das Hochwasser 2005 gerüstet.» Man habe sofort die Organisation der Schutzdienste angepasst und eine mobile Wassersperre angeschafft. «Dank diesen Vorsorgemassnahmen konnten wir beim Hochwasser 2007 enorme Schäden verhindern.» Man sei sich zwar seit Jahren bewusst, dass diese Massnahmen nicht genügen, erklärt Blaser und betont: «Bauliche Massnahmen sind unerlässlich!»

Blaser ist entsprechend besorgt: «Uns hat man anlässlich einer Begehung im September 2007 erläutert, wie gross das Schadenpotenzial wirklich ist - beeindruckend riesig! Und jetzt sollen wir mindestens ein halbes, wohl eher ein ganzes Jahr länger warten, bis die Gefahr durch bauliche Massnahmen weitgehend gebannt sein soll!» Angesichts der Bedrohungslage erwarte er, «dass auf allen Ebenen mit höchster Priorität am Projekt gearbeitet wird. Mit ‹höchster Priorität› meine ich wirklich ausserordentliche Massnahmen zur schnellstmöglichen Abwicklung aller Vorbereitungsarbeiten und Verfahrensschritte. Unsere Bedrohungslage lässt keine weiteren Verzögerungen zu.»

Keine verfahrensaufhebende Notlage

«Ich begreife die Angst der Biberister», sagt Bernardo Albisetti, neuer Gesamtprojektleiter des Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekts Biberist-Gerlafingen. «Andererseits ist die Bedrohungslage nicht so, dass wegen einer akuten Notsituation die rechtlichen Verfahren ausser Kraft gesetzt werden können, um Sofortmassnahmen zu ergreifen.» Auch habe nun die Vorprüfung des an sich guten Projekts durch das Bundesamt für Umwelt ergeben, dass es um ein vollständiges Rodungsdossier ergänzt werden müsse. Für die mehrere Hektaren umfassende Rodung müssen Aufforstungsflächen oder ökologische Ersatzmassnahmen definiert werden. Dies ist eine Voraussetzung, damit der Bund das Projekt mitfinanziert.

Angriffspunkte des Projekts eliminieren

«Heute ist man klüger und würde das Projekt anders angehen als 2007, als unter dem Eindruck der Fluten die Erhöhung der Dämme im Vordergrund stand. Inzwischen zeigte sich, dass die Rodungs- und Aufforstungsproblematik lange verkannt wurde. «Gegen Einsprachen zum Schutz des Grüngürtels zwischen Biberist und Gerlafingen wären wir zurzeit schlecht gewappnet und würden wohl mehr Zeit verlieren als wenn wir ein überarbeitetes Projekt später auflegen», vermutet Albisetti. Zudem liege die Gesamtprojektleitung bis zur Auflage neu direkt beim Departement, um alle Schritte optimal zu koordinieren. «Das Hauptproblem ist, Land für die Rodungsersatzmassnahmen zu finden.

«Wir nehmen die neue Situation mit Überraschung, aber einem gewissen Verständnis zur Kenntnis», sagt Peter Jordi, Gemeindepräsident von Gerlafingen. «Wir hoffen aber, dass dann wirklich alle Verfahrensrisiken beseitigt sind, sodass das Schutzprojekt dann ohne Einsprachen rasch realisiert werden kann. Denn jetzt sind wir gegen Hochwasser nicht gerüstet. Und wenn es schon eine Auflageverzögerung gibt, soll der Objektschutz im Bereich Stahlwerk gleich integriert werden.»

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