Schweinegrippe
Impfkapazität für 66 Prozent

Noch sind die Schweinegrippe-Impfstoffe nicht zugelassen. Klar ist: Wer sich impfen lässt, muss nichts zahlen. Und: Zuerst werden Gesundheitspersonal und Risikogruppen geimpft. Auf die Massenimpfzentren aus Zeiten der Vogelgrippe muss der Kanton wohl nicht zurückgreifen.

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Impfung

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Keystone

Matthias Scharrer

Es ist ruhig geworden um die Schweinegrippe. Die schlimmsten Befürchtungen sind bisher nicht eingetreten. Zwar liegt die Anzahl Grippeverdachtsfälle mit hochgerechnet 37 pro 100 000 Einwohnern laut Bundesamt für Gesundheit derzeit höher als sonst um diese Jahreszeit. Aber der epidemische Schwellenwert von 50 Verdachtsfällen auf 100 000 Einwohner ist deutlich unterschritten. Doch die eigentliche Grippesaison steht noch bevor. Und hinter den Kulissen planen die Behörden eine gross angelegte Impfaktion. Gestern informierte die Zürcher Gesundheitsdirektion, wie diese im Kanton ablaufen soll.

Das Bundesamt für Gesundheit hat demnach insgesamt 13 Millionen Impfdosen bestellt. Sie stammen von den beiden Pharma-Herstellern Novartis und Glaxo Smith Kline (GSK). Frühestens ab Ende September wird der Impfstoff in mehreren Tranchen geliefert. Die Freigabe durch Swissmedic steht noch aus. Erst wenn sie vorliegt, können die Impfungen beginnen. Sie sind freiwillig.

In einer ersten Phase sollen das Gesundheitspersonal und Risikogruppen geimpft werden. Zu den Risikogruppen zählen Schwangere, Personen mit Kontakt zu Kindern unter sechs Monaten, Menschen mit chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen und Leute, die Kontakt zu den Risikogruppen haben, wie Urs Rüegg, Sprecher der Gesundheitsdirektion, erklärte.

«Es hat genug für alle»

Wie lange die erste Phase dauert und ab wann die breite Bevölkerung Zugang zum Impfstoff erhält, ist noch offen. Es hängt davon ab, welcher Impfstoff in welcher Form und in welcher Dosis zugelassen wird.

«Es hat genug für alle», beruhigt Rüegg. Doch einige Fragen seien noch ungeklärt. So könnte der Impfstoff von Novartis fixfertig in einer Spritze aufgezogen auf den Markt kommen oder in Zehnerpackungen, deren einzelne Dosen jeweils noch in eine Spritze aufgezogen werden müssten. Beim Impfstoff von GSK müssten jeweils zwei Stoffe zusammengemischt werden. Je nachdem, welches Produkt wie zugelassen wird, ergeben sich andere Folgen für die Verteilung und Instruktion der an den Impfungen beteiligten Arztpraxen und Spitäler.

Neben Ärzten und Spitälern will der Kanton, falls die Nachfrage entsprechend hoch ist, laut Rüegg auch Spitex-Zentren einbeziehen, um die Impfungen durchzuführen. «Bei diesem Szenario haben wir Kapazitäten für bis zu 66 Prozent der Bevölkerung», sagt Rüegg.

160 Standorte für Massenimpfungen

Theoretisch stehen noch weitere Kapazitäten zur Verfügung. So gibt es im gesamten Kanton laut Rüegg 160 evaluierte Standorte für Massenimpfungen, verteilt auf Gemeindesäle, Turnhallen, Gemeinschaftszentren und dergleichen. Aufgebaut worden sei dieses Netzwerk zur Pandemie-Vorsorge im Zusammenhang mit der Vogelgrippe. Dass der Kanton nun darauf zurückgreifen müsste, sei aber unwahrscheinlich. Denn aufgrund von Umfragen sei derzeit davon auszugehen, dass sich maximal 30 Prozent der Bevölkerung impfen lassen.
Den Impfstoff bezahlt der Bund. Kostenpunkt: 84 Millionen Franken. Die Kosten für die Impfhandlung übernehmen laut Rüegg vorwiegend die Krankenkassen. Eventuell zahle der Kanton einen Anteil daran. Für die Patienten sei die Impfung gratis. Rüegg rechnet mit Kosten von 2 bis 15 Millionen Franken für den Kanton Zürich. Bundesrat Pascal Couchepin bezifferte die Gesamtkosten der Impfaktion bei einer Impfquote von 50 Prozent auf 130 Millionen Franken.

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