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Kein Asylantenheim in der Dorfbeiz

Mitten in Veltheim: Das geschichtsträchtige Wirtshaus Bären in der Strassengabelung Bruggerstrasse/Oberdorfstrasse. (Peter Belart)

Bär

Mitten in Veltheim: Das geschichtsträchtige Wirtshaus Bären in der Strassengabelung Bruggerstrasse/Oberdorfstrasse. (Peter Belart)

Der «Bären» ist eines der markantesten Gebäude in Veltheim. Dies ist nicht nur wegen seiner wohlproportionierten Architektur der Fall, sondern vor allem auch wegen seiner Lage mitten im Dorfkern.

Peter Belart

Wer durch Veltheim fährt, wird auf den «Bären» aufmerksam, egal, von welcher Richtung er sich dem Wirtshaus nähert. Man ist sich im Dorf sehr wohl über die Bedeutung dieser Liegenschaft im Klaren. Deshalb hat man sie nun ein weiteres Mal einer Auffrischungskur unterzogen. Die Aufmerksamkeit galt diesmal der Südfassade, deren

Verputz entfernt und durch einen neuen ersetzt wurde. Ausserdem hat man neue Fensterläden und neue Storen angebracht sowie diese Fassade erstmals
beschriftet. Zudem erhielt der «Bären»-Vorplatz teilweise eine neue Teerung. Die Teilsanierung dauerte rund zwei Monate.

Zunächst nur vage Angaben

Aus diesem Anlass werfen wir einen Blick in die Geschichte des Hauses. In der von Thomas Schärli verfassten Geschichte von Veltheim (erschienen 1992) steht: «Die heutige Wirtschaft zum Bären wurde 1757 erbaut.» Und: «Wahrscheinlich stand die Veltheimer Taverne seit dem Mittelalter am selben Ort.» Ausserdem existiert eine Liste der Wirte, die bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zurückreicht, ergänzt mit einigen zusätzlichen Angaben über die Besitzverhältnisse. Offenbar befindet sich im Staatsarchiv der Hinweis, der besagt, dass die Wirtschaft 1798 mit dem Ende der Berner Herrschaft in staatlichen Besitz kam; 1801 ging er im Rahmen einer Versteigerung an «Bürger Fischer» aus Möriken.

Die jüngste Geschichte des «Bären» ist besser dokumentiert. Besonders erwähnenswert ist die Zeit von 1981 bis 1988, als der «Bären» von der Bärengenossenschaft betrieben wurde, einer Gruppe junger Menschen, die es sich zur Aufgabe machten, hier nicht nur Speis und Trank, sondern im ersten Stock auch kulturelle Veranstaltungen anzubieten. Das Projekt weckte grosse Aufmerksamkeit, zumal damals in Veltheim namhafte Künstlerinnen und Künstler auftraten. Sogar die «Brugger Neujahrsblätter» widmeten 1987 jenem Experiment einen längeren Artikel (siehe kontextuellen Artikel).

Schock vor Weihnachten

1988 aber musste der «Bären» aus Gründen von immer knapper werdenden Mitteln verkauft werden; wenige Jahre später musste Konkurs angemeldet werden. Am 27. Juni 1997 kam es zur Versteigerung. Als Käuferin trat die Waadt-Versicherung auf, die für 850 000 Franken den Zuschlag erhielt.

Am 10. Dezember 1998 wurde die Bevölkerung von Veltheim durch eine längere Mitteilung im «Gmeindsblättli» aufgeschreckt. Darin schrieb der Gemeinderat von Plänen, den Bären in ein Durchgangszentrum für Asylbewerber umzuwandeln, «in welchem eine maximale Anzahl von 40 Personen untergebracht wird». Werner Däster von der heutigen Genossenschaft Bären erinnert sich: «Besonders wir Nachbarn des ‹Bären› waren gar nicht begeistert.» Innert kürzester Zeit bildete sich eine Interessengruppe, deren erklärtes Ziel es war, den renovationsbedürftigen «Bären» zu erwerben und als Wirtshaus zu erhalten.

Neustart

Und siehe da: Obwohl die Bank nur gerade 100 000 Franken beisteuern wollte - das Haus war zwar auf rund 1,1 Mio. Franken Verkehrs- und 1,7 Mio. Versicherungswert geschätzt, aber mit hohen Schulden belastet - gelang es, von einer ganzen Reihe Privaten nochmals 400 000 Franken zu sichern, und so ging das Wirtshaus für 500 000 Franken an die «Genossenschaft Bären». Diese besass nun ein vollständig leeres Haus, brachte es aber mit beträchtlichen Eigenleistungen schnell wieder in einen betriebsbereiten Zustand. Seither sichern immer wieder kleinere und grössere Renovationsarbeiten den Werterhalt des historischen Gebäudes.

Seit Ende Oktober 2006 führt in der Person von Stefan Bürkler ein Wirt das Restaurant, der die örtlichen Verhältnisse bestens kennt: Er ist seit rund 20 Jahren Präsident des FC Veltheim. Die fünf Wohnungen, die man in den oberen Stockwerken eingerichtet hat, sind allesamt vermietet, und zwar, wie Werner Däster versichert, zu «reellen» Konditionen.

Der «Bären» erstrahlt seit Anfang Oktober in neuem Glanz. Seine Existenz scheint auf Jahre hinaus gesichert. - Auf dass es so bleibe!

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