«Kein Bedarf»: Kirche will Nachbarhaus nicht kaufen

Soll die Katholische Kirchgemeinde Kirchdorf über 800 000 Franken für einen Liegenschaftskauf am Kirchweg in Nussbaumen aufwenden? Ja, damit kein störender Neubau bei der Kirche erstellt wird, finden 400 Personen, die ein Initiativbegehren unterzeichnet haben. Nein, kein Bedarf, meint die Kirchenpflege dazu.

Drucken
Kirche Nussbaumen

Kirche Nussbaumen

Aargauer Zeitung

Andreas Tschopp

Mit einem weltlichen Liegenschaftsgeschäft hat sich die Versammlung der Katholischen Kirchgemeinde Kirchdorf morgen Donnerstag zu befassen. Auf der Traktandenliste steht das «Begehren betreffend Kauf der Liegenschaft Kirchweg 2». Das so genannte «Drack-Haus» steht unmittelbar neben der Liebfrauen-Kirche in Nussbaumen und ist heute noch der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen zugeteilt. Darin sind die Nutzungs- und Baumöglichkeiten eingeschränkt für den Eigentümer. Dabei handelt es sich um Hansruedi Drack, der mit seiner Familie im thurgauischen Aadorf wohnt.

Umzonungsverfahren läuft derzeit

Drack möchte seine Liegenschaft nun verkaufen und stellte dafür bei der Gemeinde Obersiggenthal den Antrag, die Parzelle der Bauzone W3 zuzuweisen. «Eine Zuweisung zu den angrenzenden Zonen (WG3 im Süden und W3 im Westen) ist in städtebaulicher Hinsicht problematisch», hält die Gemeinde fest. Die Kirche und ein dreigeschossiger Bau mit einem zusätzlichen Attika- oder Dachgeschoss würden «recht nahe zueinander zu stehen kommen», wird der Vorbehalt begründet. Die Gemeinde hat sich deshalb für «eine Zuweisung in die Zone W2 mit der Beschränkung, kein Satteldach aufbauen zu können», entschieden. Die entsprechende Teilzonenplanänderung liegt bis zum 15. Dezember öffentlich auf. Drack ist trotz Rückstufung damit einverstanden, wie er auf Anfrage erklärt. Der Umzonung der Liegenschaft dürfte damit kaum etwas im Wege stehen. Noch offen ist jedoch die Verkaufsfrage.

Hinweis

Versammlung der Kath. Kirchgemeinde Kirchdorf am Donnerstag, 19. November, um 19.30 Uhr im Begegnungszentrum Liebfrauen in Nussbaumen.

2006 war Preis der Kirchenbasis zu hoch

Der Erwerb des Hauses am Kirchweg 2 war 2006 schon einmal an der Kirchgemeindeversammlung traktandiert. Der Preis von 815 000 Franken war dem Souverän damals zu hoch. Die Versammlung wollte die Kosten auf 600 000 Franken beschränken, zeigte aber grundsätzlich ein Kaufinteresse. Auf das reduzierte Angebot stieg der Besitzer nicht ein. Ein Jahr später wurde bei der Behandlung des Rechenschaftsberichts festgehalten: «Ein Kauf der Liegenschaft Kirchweg 2 wird nicht mehr weiter verfolgt.» Mit Eingabe des Umzonungsbegehrens wurde die Sache dann wieder aktuell.

Besitzer gegen «vorgeschobenen Käufer»

Im Frühjahr 2009 lancierte eine Initiativgruppe eine Unterschriftensammlung. Über 400 Personen, doppelt so viele wie nötig, sprachen sich mit ihrer Unterschrift für den Liegenschaftskauf aus. «Die Kirchenpflege steht einem Kauf ablehnend gegenüber, sie sieht keine Nutzung für diese Liegenschaft», heisst es. Stattdessen hat die Kirchenpflege den Erwerb der kirchennahen Liegenschaft durch eine Privatperson zu vermitteln versucht, was jedoch im Sand verlief. Der Besitzer wolle nur die Kirchgemeinde als Käuferin, wird im Antrag betont.

Hans-Ruedi Drack stellt dies in Abrede. Er wolle auch an Private verkaufen, sofern diese «nicht vorgeschoben» seien, sagt Drack und betont: «Es ist alles eine Preisfrage.» Für die Initianten geht es um mehr: «Wir erachten es nach wie vor als wichtig, diese Parzelle zu erwerben, damit das Umgelände der Liebfrauenkirche nicht verbaut werden kann», hält Pfarreirätin Ursula Spinnler fest. Das Initiativkomitee will daher morgen für den Kauf einstehen.

Aktuelle Nachrichten