Familie

«Keines der Kinder hatte Heimweh»

Familie Hofmann: (v. l.) Rekha, Mutter Lucienne, Tigist, Vater René und Vasand. (nr)

Familie Hofmann aus Uerkheim

Familie Hofmann: (v. l.) Rekha, Mutter Lucienne, Tigist, Vater René und Vasand. (nr)

Eine Familie mit drei Nationalitäten und grossem sozialem Engagement: René und Lucienne Hofmann aus Uerkheim haben neben ihrer leiblichen Tochter drei Adoptivkinder und leiten den Verein «Hilfsprojekt Äthiopien.»

Nadia Rambaldi

Sie sitzen alle vereint auf ihrer Gartenterrasse und geniessen das warme Sommerwetter. René und Lucienne Hofmann, ihre Adoptivkinder Rekha (18) aus Indien, Vasand (15) ebenfalls aus Indien und Tigist (12) aus Äthiopien. An diesem Tag nicht dabei ist ihre leibliche Tochter Melanie, die 19-Jährige weilt gerade in den Ferien. Von der Multikulturalität der Familie zeugen die Namen der Kinder und ihr Aussehen. Im Gespräch zeigt sich aber, dass die Familie Hofmann eine typische Schweizer Familie ist.

Die Hofmanns haben Rekha, Vasand und Tigist über Terre des Hommes adoptiert. Lucienne und René Hofmann wollten nach Melanie ein weiteres Kind. «Damals wurden gerade diese schrecklichen Bilder aus Rumänien gezeigt», erinnert sich Hofmann. «Die Bilder dieser Waisenkinder brachten uns dazu, ein Kind zu adoptieren.»

Rekha, Vasand und Tigist wurden von Hofmanns persönlich abgeholt, «damit wir sehen, woher sie kommen». Alle drei waren zum Zeitpunkt der Adoption zwischen zwei und drei Jahre alt. Vasand und Tigist gehen in Zofingen zur Schule, Rekha absolviert eine Lehre als Restaurationsfachfrau. Alle drei reden perfekt Schweizerdeutsch: «Das ging bei allen sehr schnell» erinnert sich die Adoptivmutter. «Bereits drei Wochen nach ihrer Ankunft konnten wir uns verständigen und auch Heimweh hatte keines der Kinder.»

Ein Hilfsprojekt entsteht

Letztes Jahr weilte die Familie einen Monat in Äthiopien. Einerseits, um die Verwandten von Tigist zu besuchen und ihr ihr Herkunftsland zu zeigen, andererseits auch, um ihre Freunde Doktor Ashebir, Hana Berhanu und deren Sohn Beyi Abebe zu besuchen. Diese lernten sie 1999 kennen, als René Hofmann wegen Tigist in Äthiopien war. Hana Berhanu ist Äthiopierin und arbeitete damals als Sozialhelferin für Terre des Hommes in Addis Abeba. Angesichts des Elends in dem afrikanischen Land finanzierte Hofmann ihrem Sohn Beyi Abebe einen gebrauchten Toyotabus, den er als Taxi verwendete und damit seine Familie finanziell unterstützte. Auf die monatlichen Rückzahlungen des zinslosen Darlehens verzichteten Hofmanns und finanzierten dafür dem Studenten Ashebir das Studium. Daraus entstand das «Hilfsprojekt Äthiopien».

Seither ist viel passiert: Der damalige Student Ashebir ist mittlerweile Arzt und unterstützt zusammen mit Hana Berhanu die Projekte vor Ort. Die Hofmanns finanzieren durch die Spendengelder des Hilfsprojekts Äthiopien jährlich acht Studenten das Studium und investieren in sanitäre Anlagen und Brunnen in den Ortschaften Jimma und Addis Abeba. Zudem werden durch die Spendengelder Waisenkinder unterstützt sowie ein Kindergarten und eine Schule eröffnet. «Durch unsere Vertrauenspersonen vor Ort können wir garantieren, dass jeder Franken in die Hilfe investiert wird», erklärt René Hoffmann.

Eine ganz normale Familie

Der Aufenthalt in Äthiopien hat bei den drei Adoptivkindern einen grossen Eindruck hinterlassen. «Ich habe mich ja schon vorher mit dem Thema Armut befasst, aber wenn man es vor Ort sieht ist es noch viel schlimmer», erklärt Rekha. Tigist pflichtet ihr bei: «Wir haben alles und sie haben nichts. Das verletzt mich», sagt die 12-Jährige. Die beiden älteren Geschwister Melanie und Rekha zahlen von ihrem Lehrlingslohn monatlich beide je 45 Franken für ein Patenkind.

«Ich wurde mal von einer Inderin angesprochen und verstand leider kein Wort», erzählt Rekha. Vielleicht wird sich das mal ändern, sie möchte nämlich nach Indien reisen. «Aber meine leiblichen Eltern möchte ich nicht kennen lernen. Meine Eltern sind hier.»

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