«Kennen die Sorgen der Senioren»

Seit rund zwei Jahren besteht als «roter Faden» für die Gemeinden das Altersleitbild Wasseramt. Von der Vision eines Kompetenzzentrums für das Alter hat sich die Urben-Stiftung zwar verabschiedet, jedoch angeregt, eine Koordinationsstelle für Altersfragen zu schaffen.

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Solothurner Zeitung

Gundi Klemm

«Wir von der Spitex sind in der gesamten Region gut verankert», betont Heinz Kohler, Geschäftsführer der 14 Gemeinden umfassenden Spitex Kriegstetten und Umgebung, der er auch als Präsident vorsteht. Bei ihren Hausbesuchen erlebten die Spitex-Mitarbeiterinnen täglich, wo ihre Kundschaft der Schuh drückt. «Ihnen werden von Patientinnen und Patienten immer wieder Nöte mitgeteilt und altersspezifische Fragen gestellt, die sie nach bestem Wissen beantworten.» Aus dieser Tatsache folgert Kohler, dass ein breites Bedürfnis nach Information und Dienstleistungen in der Region besteht.

Finanzierung durch Stiftung

Die finanzielle Anschubhilfe der Urben-Stiftung, die auch in Kriegstetten beheimatet ist, will nun während zweier Jahre den Aufbau einer Koordinationsstelle ermöglichen, die der Spitex angegliedert sein könnte. «Wir werden das Rad nicht neu erfinden und mit den in der Altersarbeit tätigen Organisationen eng zusammenarbeiten», unterstreicht Kohler die jetzt begonnene Auflistung aller bestehenden Angebote für Senioren in den Gemeinden. Für diese Arbeit hat sich Pflegefachfrau Myrta Flury zur Verfügung gestellt. Rund fünf Prozent ihrer Arbeitszeit investiert sie in die Datensammlung. Wenn die Grundlagen einmal geschaffen sind, dürfte die Koordinationsstelle ungefähr ein 10-Prozent-Pensum beanspruchen.

Überregional denken

In einem Workshop Anfang Sommer, an dem Altersbeauftragte aus zwölf Gemeinden teilnahmen, ergab die Diskussion, in welchen Bereichen die Koordinationsstelle für Altersfragen tätig werden könne. Etliche Kommunen etwa laden ihre ältere Generation zu regelmässigen Anlässen ein. Anderswo fehlen derartige Angebote. «In unseren Gemeinden, die sich auf vielen Ebenen jetzt immer stärker vernetzen, könnte man doch

ohne jegliches Gärtlidenken von vorhandenen Ressourcen und Synergien profitieren», unterstreicht Kohler die Stossrichtung der Idee, die sogar zu Einsparungen führen könnte. «Dürfen wir uns überhaupt noch den Luxus leisten, alles in der Gemeinde anzubieten?», fragt er. Ob ein Ausflug, ein Kurs oder eine Wanderung nur für fünf oder dank Zuwachs aus der Region für zehn Personen geplant wird, ergebe kaum Mehrbelastung. Im Gespräch skizziert er ausserdem eine Art Job-Börse, die der gegenseitigen Hilfe von älteren Menschen dienen soll. «Schneidest du mir den Rasen, lade ich dich gern zum gemütlichen Kaffeetrinken ein», so oder ähnlich könnte eine vereinbarte Hilfe lauten. Dazu Kohler: «Wenn wir das Potenzial unserer Alten und insbesondere der neuen Generation ‹junger Alter› nutzen, geht es unserer Gesellschaft gesamthaft gut.» Zudem wolle diese Koordinationsstelle dazu beitragen, dass sich die Akzeptanz alter Menschen in der Öffentlichkeit verbessert.

Keine Kostenfalle

Die Gemeinde Halten hat sich kritisch mit dem Vorhaben beschäftigt. Sie bezweifelt, dass eine derartige neue Stelle nötig ist, da doch längst die Sozialregion, die Altersfachstelle Pro Senectute und die Gemeindeverwaltungen in der Lage seien, generelle Fragen älterer Leute zu beantworten. Aus seiner Erfahrung weiss aber Kohler, dass manchmal Ängste Betagte in den Landgemeinden davon abhalten, an offizieller Stelle um Hilfe nachzusuchen. Eine niederschwellige Kontaktplattform könnte hier helfen und Wege ebnen, ist er überzeugt. Auch wenn ein Arbeitspapier formuliert ist, dass die Führung einer Koordinationsstelle in den Leistungsauftrag der Spitex aufgenommen werden könnte, so sind dies vorerst nur Überlegungen. Er habe grosses Verständnis dafür, sagt der Spitex-Präsident, dass sich Gemeinden vor weiteren Verpflichtungen angesichts der allgemeinen Finanzlage fürchten. Doch erst die Auswertung der Pilotphase werde in rund zwei Jahren zeigen, wie es weitergehen soll. Den Gedanken, Sponsoren um Gönnerbeiträge für die Koordinationstätigkeit in Altersfragen zu bitten, findet Kohler gar nicht abwegig.

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