Aargauer Zeitung

Knatsch um Biogas-Anlage in Zurzach nimmt kein Ende

«Wir brauchen diese Anlage nicht»

«Wir brauchen diese Anlage nicht»

Fehlender Nutzen für die Region: Nach Ansicht von Karl Mayer aus Rekingen sprechen gute Gründe gegen den Bau einer Produktionsanlage für Agrotreibstoff in Bad Zurzach.

Michael Hunziker

Zwar hat die Firma Green Bio Fuel AG die Baubewilligung für eine Biodiesel-Anlage in Bad Zurzach erhalten. Die Kritik am Grossprojekt ist aber nicht verstummt.

Anwohner Karl Mayer aus Rekingen hat eine Protestaktion ins Leben gerufen. Am Donnerstagabend organisierte er zusammen mit den Grünen des Bezirks Zurzach eine Informationsveranstaltung in Rekingen und berichtete unter dem Titel «Agrodiesel aus Bad Zurzach» über den lokalen Widerstand. Es handelte sich um einen unaufgeregten, sympathischen Anlass mit überzeugenden Argumenten.

Neben Karl Mayer waren als Referenten anwesend: Tina Goethe vom Hilfswerk Swissaid, Jonas Fricker, Grossrat der Grünen aus Baden, sowie Daniel Ribeiro, Experte aus Moçambique. Durch den Anlass führte Lukas Spuhler, Vorstandsmitglied Grüne Aargau und Grüne Bezirk Zurzach.

Keine Antwort vom Bundesrat

Mayer rief die Geschehnisse seit der ersten Pressekonferenz im Januar 2008 in Erinnerung und wies auf die Schwierigkeiten hin: Lärmemissionen sowie Stickoxid-Ausstoss. Eine eigentliche Einspracheverhandlung fand seiner Ansicht nach nicht statt, genauso wenig wie eine Auseinandersetzung zum Thema «Ökobilanzen».

Auf seine Unterschriftensammlung, die er im Februar lanciert hat, erhielt Mayer nach eigenen Angaben nur positive Reaktionen. Rund 1000 Unterschriften seien zusammengekommen. Noch immer ausstehend sei allerdings eine Antwort auf seine Briefe an Bundespräsidentin Doris Leuthard.

Die Produktion von Agrotreibstoffen, davon zeigte sich Mayer überzeugt, sei ein ökologischer Unsinn. Den Investoren gehe es lediglich um ein lukratives Geschäft. Kurz: «Wir brauchen diese Anlage nicht.»

Ähnlich tönte es bei Tina Goethe von Swissaid. Sie sprach sich für strenge Zulassungskriterien für Agrotreibstoffe aus. Für Tina Goethe steht fest: Treibstoff aus Monokuturen verschärft Nahrungsmittelkrisen und soziale Konflikte, gefährdet Wälder, Biodiversität sowie Lebensräume und verschärft Wasserkrise, Klimawandel und Armut.

Ursprünglich hätten Agrotreibstoffe als vielversprechend gegolten, meinte Tina Goethe. Es habe sich aber gezeigt, dass viele Probleme nicht gelöst seien. In die Überlegungen einbezogen werden müssten ihrer Meinung nach Themen wie Ernährungssicherheit in den Herkunftsländern oder indirekte Verdrängungseffekte.

Übrigens: Eben ist eine Petition gegen Agrotreibstoff-Projekte in der Schweiz lanciert worden. Der Inhalt: Agrotreibstoff-Projekte in der Schweiz dürfen keine Betriebsbewilligung erhalten, bevor die Zulassungskriterien auf Bundesebene in Kraft sind.

Grossprojekt gut für Kurort?

Grossrat Jonas Fricker stellte den Nutzen der Anlage für die Region infrage. Er erwähnte gleichzeitig, dass dem Kanton die Hände gebunden seien. Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sei abgeklärt worden, ob das Vorhaben den gesetzlichen Vorgaben entspreche. Alles sei korrekt abgelaufen, Vorwürfe könnten niemandem bemacht werden. Frickers Kritikpunkt: Die Baubewilligung sei sehr schnell erteilt worden. Und nach seinem Dafürhalten beisst sich das Grossprojekt mit dem Image von Bad Zurzach als Kurort. Fricker machte daneben darauf aufmerksam, dass die Aussagen der Green Bio Fuel AG den wissenschaftlichen Studien widersprächen.

In der sachlichen Diskussion beantworteten die Referenten im Anschluss Fragen zu Jatropha-Pflanze oder Emissionen.

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