Musical
Konkurs nach «Upside Down»?

Die letzte Produktion riss ein Loch in die Kasse des Musicalvereins Mutschellen. Bis Ende Juli müssen die Gläubiger auf einen Drittel ihrer Forderungen verzichten, sonst droht der Konkurs.

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«Upside Down»

«Upside Down»

Aargauer Zeitung

Fabian Hägler

«Upside Down» hiess das Stück, das der Musicalverein Mutschellen im Frühling aufführte. Die engagierten Laienschauspieler erhielten durchwegs positive Kritiken, für sie zeigte der Daumen nach oben. «Down» ist indes die Stimmung bei den Vereinsverantwortlichen. Der Grund: die kritische Finanzlage des Musicalvereins.

«Einer Restschuld von 133 800 Franken steht ein verfügbares Vermögen von 87 800 Franken gegenüber», heisst es in einem Schreiben an die Gläubiger des Vereins. Im Klartext: Dem Verein fehlen 45 000 Franken, um die Kosten der letzten Produktion zu bezahlen.

Aus für den Verein?

Heinrich Römer, der die Buchhaltung des Vereins führt, nennt mögliche Folgen: «Die Situation könnte das endgültige Aus des Musicalvereins Mutschellen bedeuten.» Der Konkurs könne nur durch einen aussergerichtlichen Vergleich verhindert werden. Damit der Verein weiterbestehen kann, schlägt Römer den Gläubigern einen partiellen Verzicht auf ihre Forderungen vor. 65,6 Prozent der ausstehenden Beträge will der Verein noch auszahlen.

«Letzte Woche haben wir alle Gläubiger angeschrieben», erklärt Römer. Siebzehn Briefe wurden dabei verschickt, vier Gläubiger haben bisher zugesagt, auf einen Teil ihrer Ansprüche zu verzichten. «Ich bin optimistisch, dass wir die Sanierung schaffen», sagt Römer, der selber mehrere Jahre im Vereinsvorstand aktiv war.

Nötig sind fast alle Gläubiger, Römer spricht von 90 Prozent der Forderungssumme. «Wer nicht mitmacht, kommt schlechter weg. Ein Konkursverfahren kostet Geld, am Ende würde weniger herausschauen für die einzelnen Gläubiger.» Bis Ende Juli müssen die angeschriebenen Personen, Firmen und Gemeinden entscheiden, ob sie dem Schuldenerlass zustimmen. «Kommt die Sanierung bis dann nicht zustande, bleibt nur der Gang zum Konkursamt», blickt Römer voraus.

Ertrag zu hoch budgetiert

Auf die Frage, wie das Defizit bei «Upside Down» entstanden sei, gibt Heinrich Römer eine klare Antwort: «Die Einnahmen aus den Eintritten wurden einfach zu hoch budgetiert.» Tatsächlich lag der Erlös aus dem Ticketverkauf rund 125 000 Franken tiefer als vorgesehen. «Die Zuschauerzahlen blieben weit hinter den Erwartungen zurück, einzelne Aufführungsorte brachten gar ausgesprochen miserable Zahlen», stellt Römer fest.

«Ich habe vier Produktionen aktiv begleitet und schon beim Budget gesagt, dass der Ertrag für ‹Upside Down› sehr optimistisch angesetzt wurde», blickt er zurück. Nun gibt ihm die Realität nachträglich recht, und der Verein, der 1994 mit «Space Dream» den Grundstein für einen schweizweiten Musical-Grosserfolg legte, droht finanziell abzustürzen.

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