Lockt Euro-Krise Schweizer über den Rhein?

Seit rund einem Monat steckt der Euro in einer Krise. Animiert der tiefe Euro die Schweizerinnen und Schweizer, vermehrt im grenznahen Ausland einzukaufen? Die AZ hat sich bei Firmen im Landkreis Waldshut-Tiengen umgehört.

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Lockt Euro-Krise Schweizer über den Rhein?

Lockt Euro-Krise Schweizer über den Rhein?

Angelo Zambelli

Bernd Moser vom KüchenstudioM in Weilheim hat in den letzten Wochen einen leichten Anstieg der Aufträge von Schweizer Kunden festgestellt. «Der tiefe Euro-Kurs ist so etwas wie ein Zückerchen, das sie gerne annehmen, wenn sie sich für den Einbau einer neuen Küche entscheiden», sagt Moser. «Der Wechselkurs mag bei der Kaufentscheidung im Hinterkopf präsent sein, spielt letztlich aber keine entscheidende Rolle, denn Küchen plant und kauft man nicht von heute auf morgen.» Die Schweizer Kundschaft generiert rund 60 Prozent des Umsatzes des Küchenstudios M. Seinen Landsleuten rät Moser scherzhaft, ihr Geld auszugeben, «bevor es wegen der Euro-Krise verreckt».

«Kurs ist nicht entscheidend«

Markante Auswirkungen der Euro-Baisse auf die Umsätze mit Schweizer Kunden hat Günter Dick, Geschäftsleiter der Möbel Dick GmbH in Lauchringen, nicht festgestellt. Die seit Mitte letzten Jahres anhaltende Verbesserung der Frequenzen führt er grösstenteils auf die 2009 realisierte Erweiterung der Geschäftsräume zurück. «Die Erweiterung und der damalige Rückgang des Euro-Kurses auf Fr. 1.50 haben bei uns zu einer Art Sonderkonjunktur mit einer Zuwachsrate im zweistelligen Bereich geführt. Der jetzige Euro-Tiefstand bewegt aber doch den einen oder anderen Schweizer Kunden zum Kauf», räumt Dick ein. Dass die Auswirkungen des für die Schweizer Kundschaft günstigen Wechselkurses nicht grösser sind, überrascht den Geschäftsleiter des Lauchringer Möbelhauses nicht. «Der Kurs ist für einen Kauf gar nicht so entscheidend, wie gemeinhin angenommen wird. Viel wichtiger ist, dass die Geschäfte ihre Hausaufgaben machen und dem Kunden ein gutes Sortiment, eine kompetente Beratung und einen einwandfreien Service bieten.»

Diskret wie eine Schweizer Bank

ThomasViecenzvomElektronikfachgeschäft Hettler GmbH in Waldshut-Tiengen gibt sich zurückhaltend: «Wir sind fast wie eine Schweizer Bank: manchmal in turbulenten Märkten tätig, aber immer sicher, diskret und verschwiegen. Dass Wechselkursschwankungen wie die momentanen den Export der Euro-Länder gegenüber den Nicht-Euro-Ländern befördern, ist freilich eine Binsenwahrheit.»

Martin Seipp, Geschäftsführer des Möbelhauses Seipp mit Standorten in Waldshut und in Tiengen, hat eine spürbare Belebung des Geschäftsganges festgestellt, die er auf den Euro-Wechselkurs zurückführt. Vielen Schweizer Kunden werde der Kaufentscheid durch die günstige Situation erleichtert, sagt Seipp. Ihm käme es nicht ungelegen, wenn der Euro längere Zeit auf dem jetzigen Stand verharren oder noch weiter sinken würde, obwohl der Tiefstand des Euros seinem Geschäft nicht nur Vorteile bringt: «Bei Lieferanten aus dem Euro-Raum spielen die Währungsschwankungen keine Rolle. Unsere Schweizer Lieferanten hingegen müssen wir in der einheimischen Währung bezahlen und da bekommen auch wir den starken Schweizer Franken zu spüren.»

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