Achim Glatz
Musik formen – bis sie klingt

Der junge Achim Glatz dirigiert den Utzenstorfer Chorus Gaudium mit Herz und Seele Ausgestattet mit einer natürlichen Autorität, mit beachtlicher Kompetenz in musikalischen Dingen und Humor leitet Musikstudent Achim Glatz seit über zwei Jahren den Utzenstorfer Chorus Gaudium. Der junge Dirigent schöpft aus seiner Erfahrung, die er als Singknabe in Solothurn zu sammeln begann.

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Dirigent

Dirigent

Solothurner Zeitung

Gundi Klemm

Es muss 1995 bei der Aufführung des Bachschen Weihnachtsoratoriums gewesen sein, als ein kleiner Sopransänger in der vordersten Reihe des Solothurner Singknabenchors im Takt begeistert mithüpfte. «Ich konnte damals die Noten noch gar nicht lesen und sang die durch Nachsingen gelernte Melodiestimme einfach auswendig», sagt Achim Glatz. Er sei ganz bezaubert gewesen von der Musik und der festlichen Aufführung mit Orchester vor viel andächtigem Publikum. Das weiss er noch heute.

Die damalig empfundene Freude an der Musik begleitet ihn seither. Als Singknabe erhielt er eine breite musikalische Förderung, nahm an Konzerten, Singlagern und den alljährlichen Konzertreisen durch ganz Europa teil. «Lustig waren die gemeinsamen Carfahrten zu den Konzerten und das Fussballspielen in der Pause. So entstand ein grosser ‹Topf› an gemeinsamen Erlebnissen, die uns als Gruppe zusammengeschweisst haben. Auch die spätere Übernahme von Verantwortung als ‹Grosse› im Chor war eine schöne und wichtige Aufgabe.»

«Singen ist etwas Wertvolles»

Als letztjährig berufener Stimmbildner der Singknaben versuche er, «den Jungs Spass an der Musik zu vermitteln, einmal in der Woche gemeinsam mit ihnen an ihrer Stimme zu arbeiten und vor allem auch Fortschritte festzustellen. Ich möchte, dass sie spüren: «Ich kann singen, und das ist etwas Wertvolles.»

Seit etwas mehr als zwei Jahren leitet Glatz - inzwischen Student im vierten Semester mit Schwerpunkt Gesangspädagogik an der Zürcher Hochschule für Musik - den Chorus Gaudium. Statt sehr anspruchsvolle Werke einzustudieren, profitiert ein Laienchor seiner Ansicht nach mehr von einer musikalisch reichen Aufführung.

Auch eine einfache Komposition könne so vorgetragen werden, dass sie berührt. Deshalb wählt Glatz die Lieder etwa fürs Programm am bevorstehenden Konzert so aus, dass sie nicht zu schwierig sind, aber über musikalisches Potenzial verfügen. Nach diesem Rezept leitet er seit fast zwei Jahren auch den Männerchor Fraubrunnen.

«An der Arbeit mit dem Chorus Gaudium gefällt mir, dass die Singenden grundsätzlich offen sind für neue Musikstile und bereit sind, mit mir zusammen an der musikalischen Gestaltung zu arbeiten, bis sie nahezu perfekt ist.» Sein Ziel sei, den Chorklang zu bündeln und ihm ein Gesicht zu geben. Eine Gesangsgemeinschaft bestehend aus

30 Menschen und ihrem Schatz an Erfahrungen gleiche einem wunderbar vielfältigen Instrument. Mitglieder des Chorus schätzen an Glatz seine Kompetenz und Motivationsfähigkeit. Chorgründerin Erika Bögli: «Trotz seiner Jugend hat er eine fachlich und menschlich überzeugende Einstellung.» Chorpräsident Daniel Adam, der ausgesprochen gern mit Achim Glatz zusammenarbeitet, anerkennt ihn als «Typ mit natürlicher Autorität».

Solistische Auftritte

Von Instrumenten versteht Glatz auch eine Menge, seit er als Schüler in den Abschlussklassen der Regionalen Oberstufe Jurasüdfuss mit mehrjähriger Ausbildung an Violine und Klavier ein Praktikum bei einem Burgdorfer Geigenbau-Atelier begann und dies seither regelmässig in den Ferien weiter pflegt. «Diesen Beruf könnte ich mir vielleicht als Teilzeitstelle vorstellen.»

Musikalisch will er aber noch weiterkommen, um dahin zu gelangen, wo er sagen kann: «Ich kann die Musik formen, kann sie zum Klingen bringen, so wie ich sie fühle - ohne an technische Grenzen zu stossen.» Glatz selbst tritt solistisch («Arien und Lieblingslieder» am 6. September in der St. Katharinenkapelle in Wiedlisbach) und im Rahmen des A-capella-Quintetts «Tram5» sowie in der Gesangsgruppe «Cantapella» auf.

Wenn Achim Glatz einmal nicht musikalisch unterwegs ist, liebt der schlanke, bald 22-jährige Bellacher gutes Essen, spielt Badminton, philosophiert gern gemeinsam mit Freunden oder engagiert sich bei der Jugendnaturschutzgruppe Solothurn sowie bei Idem, einem Jugendnetzwerk in Basel.

Konzerte Chorus Gaudium am 6. Juni um 20 Uhr und am 7. Juni um 17 Uhr in der reformierten Kirche Utzenstorf.