TV-Panne
Nachdem die Kinder ins Live-Interview platzten: «Wir hatten Angst, dass BBC nie mehr anrufen würde»

Sie sind bereits legendär, die Szenen, in denen die Kinder von Südkorea-Experte Robert Kelly ins Büro tanzen und rollen, während der Papa gerade live im Fernsehen ist. Jetzt spricht der Politikwissenschaftler über den Moment, der mittlerweile um die Welt ging. Diesmal mit der ganzen Familie.

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«So etwas haben wir noch nie erlebt», sagt Robert Kelly. Während sein Sohn James auf seinem Schoss herumturnt und seine Tochter Marion mit einem Spielzeughammer auf den Bürotisch hämmert. Neben ihm sitzt seine Frau Jung-a Kim.

Diesmal ist es gewollt, dass die ganze Familie live im Fernsehen zu sehen ist. Letzte Woche war das anders. Da sprach Professor Kelly gerade über die Amtsenthebung der südkoreanischen Präsidentin, als plötzlich seine kleine Tochter ins Büro tanzte:

Kurz darauf rollte Sohn James im Laufstuhl durch die offene Bürotür. Während Papa mit ernstem Gesicht versuchte, die Lage zwischen Nord- und Südkorea zu analysieren, warf Töchterchen Marion die ersten Bücher zu Boden. Bis Kellys Frau schliesslich herein gestürmt kam und die beiden Kinder aus dem Büro bugsierte.

Sie war im Nebenzimmer

Das Video von der Livesendung verbreitete sich flugs im Netz. «Twitter, Facebook, wir waren überall zu sehen», sagt Kelly, Professor für internationale Beziehungen an der Universität im südkoreanischen Busan. Sein Telefon lief heiss in den letzten Tagen.

Fakt ist: Kelly hat die beiden Kinder hinter seinem Rücken zur Tür hereinkommen sehen. Er führte sein Interview via Skype und konnte dabei auch sich selbst sehen auf dem Computerbildschirm.

Seine Frau war im Zimmer nebenan und damit beschäftigt, die BBC-Sendung mit dem Interview ihres Mannes aufzuzeichnen. Aufgrund einer Verzögerung von rund 20 Sekunden habe sie erst zu spät gemerkt, dass die Kinder ins Büro ihres Mannes geplatzt waren.

«Da wusste ich, es ist vorbei»

«Ich habe einfach gehofft, dass meine Frau hereinkommt und die Kinder holt», sagt Kelly jetzt in einem weiteren Liveinterview mit dem BBC-Moderator – und der ganzen Familie.

Er habe dann versucht, seine Tochter hinter seinen Stuhl zu schieben und gehofft, sie würde sich auf den Boden setzen und spielen. «Doch als ich gesehen habe, dass mein Sohn hereinkommt, wusste ich, es ist vorbei.»

Zum BBC-Moderator im Studio sagt er: «Ich habe dann nur noch gehofft, ihr würdet das Interview unterbrechen.»

Ja, er habe da auch seinen Teil dazu beigetragen, gibt der Moderator zu. «Aber wenn ich das Video unterbrochen hätte, dann wären die Zuschauer nicht in den Genuss dieser witzigen Szene gekommen.»

«Meine Kinder können immer ins Büro kommen»

«Es war mein Fehler, ich habe die Tür nicht abgeschlossen», sagt Robert Kelly. Denn sonst sei diese immer offen: «Ich möchte meinen Kindern nicht das Gefühl geben, dass sie nicht in mein Büro kommen können. Sie wollen wissen, dass ihre Eltern immer erreichbar sind für sie.»

Die vier haben sich das Video seither selbst mehrmals angeschaut. Die Eltern sagen beide: «Wir haben sehr gelacht.» Aber nicht nur das: «Wir hatten Angst, dass BBC uns nie mehr anruft», sagt Kelly.

«Ich bin seine Frau, nicht seine Nanny»

Viele Zuschauer hielten Kellys Frau für die Nanny der Kinder. Damit räumte das Paar ein für alle Mal auf: «Ich bin seine Frau, nicht seine Nanny», sagt Jung-a Kim.

Bereits gibt es dazu erste Parodien:

Mit einem weiteren Gerücht räumte Kelly ebenfalls auf. Es wurde spekuliert, dass er keine Hose getragen hat während des Interviews, und deshalb auch nicht aufgestanden ist, um die Kinder selbst aus dem Büro zu bringen. Dem war offenbar nicht so: «Ich habe Hosen getragen», beteuert Kelly. (smo)