Antarktis
Niederländerin tuckert mit Traktor bis zum Südpol

Es ist ein Traum, der jeder Mensch träumt: Mit einem roten Traktor an den südlichsten Punkt der Welt zu fahren. Stellvertretend für uns alle hat eine Niederländerin diesen Traum erfüllt. Die Geschichte eines roten Traktors im weissen Eis.

Simon Huwiler
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Mit Traktor an den Südpol

Mit Traktor an den Südpol

zvg

Manche träumen von Reichtum, teuren Autos oder einer Weltreise. Andere von Familie, Sonne, Strand. Und wieder andere möchten mal so kurz mit einem Traktor an den Südpol fahren. Da diese Reise aber in den Katalogen der meisten Reisebüros fehlt, entschied sich die Niederländerin Manon Ossevoort, es halt selbst zu versuchen.

So packte sie also ihre Habseligkeiten auf ihren Traktor, trat das Gaspedal bis zum Anschlag durch und tuckerte von Holland Richtung Süden. Vier Jahre und hunderte Tankstellen später erreichte sie mit ihrem Bauernferrari den südlichsten Punkt Afrikas, nur um dann festzustellen, dass ihr Taxi an den Südpol – ein Eisbrecher – bereits abgefahren war. Frustriert trat sie die Rückreise an – ob mit Traktor oder Flugzeug ist nicht überliefert.

Doch diese Geschichte sollte doch noch ihr Happy-End bekommen. Der amerikanische Traktorenhersteller Massey Ferguson vernahm von dieser verrückten Frau und ihrer verrückten Idee und entschloss sich – wohl auf Anraten der PR-Abteilung – dieses 36-jährige Tractorgirl zu unterstützen. Ein brandneuer, auf diese harten Bedingungen ausgerüsteter, rotglänzender Traktor und ein Unterstützungsteam wurden am Rand des Südpols abgeladen.

Südschneemann bauen

17 Tage und 2500 Kilometer später erreichte Ossevoort und ihr Team überglücklich den südlichsten Punkt der Erde. «Wir sind beim 90 Breitengrad, so südlich, wie man nur sein kann. Es ist unglaublich, am Südpol steht ein roter Traktor!» sagt die unerschrockene Traktorfahrerin. Und wie es sich im Schnee gehört, baute sie sofort einen Schneemann. Diesen füllte sie aber mit mehr als nur Schnee und Eis.

Auf ihrer Reise ist Ossevoort vielen Menschen begegnet und hat ihnen von ihrem Traum erzählt. «Ich bemerkte, dass meine Traktorreise viele Menschen inspirierte, selbst von ihrem Träumen zu sprechen. So begann ich, diese Träume zu sammeln mit dem Ziel, diese bis an den südlichsten Punkt der Welt zu bringen.» Sicher gelagert im Bauch des Schneemannes sollen diese Träume erst in 80 Jahren wieder gelesen werden. Die nachfolgenden Generationen könnten so etwas «über unsere Träume und nicht nur über Politik und Krieg» erfahren, sagt Ossevoort.

Was ist ihr nächstes Ziel, jetzt wo sie ihren Traum erfüllt hat? «An Weihnachten wieder zuhause zu sein», sagt Ossevoort, denn so einfach kommt man vom Südpol nicht wieder weg. Nach einem Tag Pause wird sie die mühsame Rückreise auf ihrem roten Traktor antreten, zurück an den Rand des Eises und dann weiter Richtung Zivilisation. Diesmal sollte es allerdings etwas schneller gehen, denn immerhin kann sie in ihren eigenen Traktorspuren fahren.

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