Bald keine Mönche mehr im Hospiz Muri
Nur noch ein Mönch sorgt hinter den Mauern für Leben

50 Jahre nach Eröffnung des Benediktinerhospizes lebt noch ein Mönch im Kloster Muri. Er könne nicht garantieren, dass das Hospiz in den nächsten Jahren noch täglich besetzt sei, sagte Abt Benno Malfèr an der Jubiläumsfeier.

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Bald keine Mönche mehr im Hospiz Muri?

Bald keine Mönche mehr im Hospiz Muri?

Jörg Baumann

Die Gründung des Hospizes in Muri vor 50 Jahren war glücklichen Umständen zu verdanken. Heute brauche es wieder eine «günstige Konstellation», um das Hospiz auf die Dauer so am Leben zu erhalten, wie es die Murianer lange gewohnt waren, sagte Abt Benno Malfèr.

Früher war das Hospiz durch mehrere Mönche besetzt, heute hält gerade noch einer die Stellung: der 82-jährige Pater Bonifaz Klingler. Dieser müsse sich zurzeit von einer Operation erholen und werde sich dafür ins heimatliche Kloster Sarnen begeben, bestätigte der Abt.

Kloster Sarnen nicht versetzen

Er könne nicht garantieren, dass das Hospiz in den nächsten Jahren noch täglich besetzt sei, betonte der Abt. Denkbar sei, dass das Geschichtsprojekt für die 2027 fällige Tausendjahrfeier des Klosters Muri von Mönchen und weltlichen Historikern bearbeitet werde und das Hospiz so in einer neuen Art weitergeführt werden könne.

Hermetschwiler Schwestern in Muri Die Feierstunde zum 50-Jahr-Jubiläum des Hospizes in Muri führte auch zu einer erneuten Begegnung: Die beiden Benediktinermönche Beda Skuciz, Prior des Klosters Sarnen, Pater Benedikt Staubli, Pfarrer in Boswil, und Abt Benno Malfèr nahmen mit der Schwesterngemeinschaft des Frauenklosters St.Benedikt in Hermetschwil an der feierlichen Vesper in der Klosterkirche Muri teil. Der Murianer Kirchenpflegepräsident Martin Egli begrüsste die Schwestern vor der Pforte des Klosters sichtlich erfreut. (BA)

Hermetschwiler Schwestern in Muri Die Feierstunde zum 50-Jahr-Jubiläum des Hospizes in Muri führte auch zu einer erneuten Begegnung: Die beiden Benediktinermönche Beda Skuciz, Prior des Klosters Sarnen, Pater Benedikt Staubli, Pfarrer in Boswil, und Abt Benno Malfèr nahmen mit der Schwesterngemeinschaft des Frauenklosters St.Benedikt in Hermetschwil an der feierlichen Vesper in der Klosterkirche Muri teil. Der Murianer Kirchenpflegepräsident Martin Egli begrüsste die Schwestern vor der Pforte des Klosters sichtlich erfreut. (BA)

In einem Gespräch, das Werner Huber aus Wohlen, ehemaliger Sekretär des Aargauer Kirchenrates der katholischen Landeskirche, leitete, betonte der Abt, dass grundsätzlich auch Spätberufene, die bereits eine grosse Strecke des Berufslebens hinter sich hätten, ins Kloster eintreten könnten.

«Es kommt weniger auf das Alter dieser Person an, sondern darauf, wie gut sie sich an das Klosterleben anpassen kann.»

Einen Zwanzigjährigen könne man noch gut formen. Das sei bei älteren Menschen schwieriger. Das müsse der Abt wissen, denn er sei doch selber auch als Zwanzigjähriger ins Kloster eingetreten, meinte Werner Huber daraufhin schalkhaft.

Klostersturm zur Annäherung

Der Bezirkslehrer Peter Hochuli, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Freundinnen und Freunde der Klosterkirche Muri, skizzierte die Geschichte, wie es zur 1960 zur Gründung des Hospizes kam.

1841 wurden die Mönche aus Muri vertrieben. Der Papst und damit auch die eliminierte Klostergemeinschaft hätten den Akt der Klösteraufhebung im Aargau nie akzeptiert, sagte Hochuli. Es brauchte eine erst zögerliche Annäherung und ein Umdenken, bis der Staat 1941, hundert Jahre nach der Klösteraufhebung, die Klosterkirche an die Katholische Kirchgemeinde Muri zurückgab.

Zeitzeugen erinnern sich, dass die ganze Klosteranlage in einem schrecklichen Bauzustand war. Diese musste 1953 bis 1957 renoviert werden. Pikantes Detail aus jener Zeit: Der Staat schickte die Scheiben im Kreuzgang nur leihweise nach Muri zurück. Doch die Freiämter gaben sie nie wieder her.

Weitsichtige Murianer förderten in den 1950er-Jahren den Aufbau des Hospizes. Dieses musste laut Hochuli als «Priesteraushilfsstelle» getarnt werden. Niemand wollte mit dem erst 1973 aufgehobenen Klösterverbot ins Gehege kommen.

Eine weitere Anekdote: Sigisbert Frick, erster Pater im Hospiz und ein Prediger, der einen mit seiner sonoren Stimme nicht einschlafen liess, wie der Murianer Gemeindeammann Josef Etterlin bemerkte, erhielt schnell einen Telefonanschluss.

Hospiz war «ein Glücksfall»

Für Martin Egli, Kirchenpflegepräsident und Präsident der Vereinigung der Klosterfreunde, war die Errichtung des Hospizes ein Glücksfall. Mitgefühl für die Benediktinermönche habe auch immer alt Regierungsrat und Nationalrat Leo Weber aus Muri gehabt, teilte Abt Benno Malfèr mit. Weber habe einen Patronatsfonds für die Benediktiner eingerichtet.

Josef Stalder aus Sarmenstorf, der dem Kirchenrat der aargauischen katholischen Landeskirche angehört, kam mit einer Entschuldigung nach Muri: Klosterstürmer Augustin Keller sei «leider» ein Sarmenstorfer gewesen. «Die Sarmenstorfer sind gar nicht so stolz auf diesen Keller – auch wenn nach ihm ein Weg benannt worden ist», sagte Stalder.

Als Zeichen der Wiedergutmachung habe die Ortsbürgergemeinde Sarmenstorf die Statuen der Heiligen Paulus und Andreas, die sich in die Wendelinskapelle verirrt hätten, wieder an Muri zurückgegeben.

Josef Etterlin sagte, dass das Kloster Muri für die Gemeinde wichtig sei. «Viele Neuzuzüger kommen nur wegen des Klosters nach Muri.» Der Kanton Aargau, die Pflegi Muri, die Kirchgemeinde und die Einwohnergemeinde hätten als Eigentümer der Liegenschaften in den letzten Jahren 90 Millionen Franken in die Klosteranlage investiert. Er hoffe, dass es mit dem Hospiz gut weitergehe, sagte Etterlin.

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