Wein
«Oenziger Wy»? – den gibt’s

Versuche, in Oensingen Wein anzubauen, wurden vor einigen hundert Jahren offenbar wegen mangelnden Erfolgs abgebrochen. Ruedi von Arx nahm einen neuen Anlauf. Soeben hat er die Trauben für den dritten Jahrgang abgelesen.

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Solothurner Zeitung
Hobbywinzer Ruedi von Arx. (Alois Winiger)

Hobbywinzer Ruedi von Arx. (Alois Winiger)

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Alois Winiger

Man habe sein Vorhaben «Oenziger Wy» zuerst für einen Witz gehalten, erzählt Ruedi von Arx. «Natürlich habe ich mich auch zuerst gefragt, ob das gut gehen kann.» Aber schliesslich kenne er verschiedene, kleine Rebberge am Jurasüdfuss, die Erfolg haben. Und auch in Oensingen habe man schon Wein angebaut. Der Name Weingartenweg und einige Meter Rebbergmauern erinnern daran.

Doch wie kommt Ruedi von Arx dazu, Reben anzupflanzen, wo er doch zugibt, zuvor rein gar nichts mit Arbeiten in Garten oder Landwirtschaft zu tun gehabt zu haben. «Nebst dem, dass ich gerne ein Glas guten Wein trinke, hat mich der Weinbau immer wieder interessiert», sagt von Arx. «Hinzu kommt, dass ich Zeit habe, weil ich pensioniert bin und oben am Oensinger Vogelherd ein Stück Land für einen kleinen Rebberg nützen kann.»

Zuerst Bedingungen erfüllen

Aufwind gab von Arx die Tatsache, dass im Rebbau grosse Fortschritte gemacht worden sind, und es mittlerweile Traubensorten gibt, mit denen sich bei mittelländischen Witterungsbedingungen ein respektables Resultat erzielen lässt. Ein Rotwein sollte es sein, Analysen des Bodens und des Standorts allgemein ergaben, dass die sich Rebensorte Regent eignen würde, eine Kreuzung aus der französischen Traube Chamboursin und der deutschen Jana.

Doch zuallererst liess sich von Arx im Weinbau theoretisch und praktisch unterrichten und sich dann für den Bau des Rebbergs professionell begleiten. «Bevor mir Rebstöcke verkauft wurden, musste ich den Nachweis erbringen, dass ein Profi die Trauben zu Wein verarbeitet», berichtet von Arx weiter. Die Suche sei nicht einfach gewesen, denn der Aufwand ist gross für kleine Mengen von 200 bis 300 Kilogramm. «Der Winzer muss dafür extra die ganze Anlage reinigen.» Die Möglichkeit, die Trauben bei einem Winzer abzuliefern, der die gleiche Rebsorte anbaut und dann anteilsmässig Wein zu beziehen, schloss von Arx aus. «Wenn schon, will ich einen eigenen.» Im Jahr 2003 setzte von Arx 380 Rebstöcke, 2006 hätte er erstmals ernten können, doch Vögel und Wespen hatten sich im Rebberg bereits bedient und liessen nichts mehr übrig. 2007 gabs die erste Traubenleset, und ein Jahr später konnte er beim Winzer Adrian Klötzli in Twann 144 Flaschen mit der Etikette «Oensingen Regent 2007» abholen. «Ich durfte wirklich zufrieden sein, tiefrot und fruchtig war der Wein.» Einen Teil des Jahresertrags verkauft von Arx zu 40 Franken pro Flasche, im Holzkistli, hergestellt in der Vebo, kostet sie 50 Franken.

Ertrag diesmal stark geschrumpft

Von Arx hatte sich vorgenommen, so wenig Chemie wie möglich einzusetzen. «Ich werde diesen Vorsatz mindestens zum Teil überdenken müssen», sagt er nach der diesjährigen Traubenernte. Diese ist nämlich im wahrsten Sinn des Wortes geschrumpft, und zwar um gut 50 Prozent. Neben prächtig prallen Beeren fanden sich viele schrumpelige. Von Arx und seine Helfer mussten alle fein säuberlich herausputzen. «Das war der Mehltau. Ich werde nächstes Jahr die Pflanzen noch genauer beobachten und halt allenfalls mit Chemie dagegen vorgehen», erklärt von Arx. Dieses Jahr sei das mit dem Mehltau besonders schade. Denn das Wetter war hervorragend für den Wein, seine Trauben weisen 95 Öchslegrad (Zuckergehalt) auf, normal bewegen sie sich zwischen 82 und 85. Der Hobbywinzer tröstet sich damit, dass er - genau so wie ein Profi auch - seine Erfahrungen machen muss.