Schweiz

Pilotprojekt: Drei Schweine bewirtschaften ein Zuger Biotop

Turopolje-Schweine als Landschaftspfleger

Turopolje-Schweine als Landschaftspfleger.

Im ehemaligen Schlammweiher in der Edlibacher Kiesgrube wurden drei Turopoljeschweine ausgesetzt. Sie sollen eine Verlandung des Weihers verhindern.

Scheu zeigen sie keine: Grunzend rennen die drei schwarz-weiss gemusterten Turopolje-Schweine Severin Iten (12) entgegen. Er ist der Sohn von Landwirt Peter Iten, welcher die Schweine im ehemaligen Schlammweiher der Kibag in Edlibach betreut. Dass die Schweine dem Buben entgegenlaufen, mag auch daran liegen, dass er einen Eimer Futter mit sich trägt. "Den erkennen sie immer", weiss Severin. Noch werden die Tiere zugefüttert, doch das wird nun nach und nach reduziert.

Denn den Turopoljeschweinen kommt eine besondere Aufgabe in diesem ehemaligen Schlammweiher in der Menzinger Kiesgrube zu. Der Weiher wurde in den vergangenen Jahren aufgewertet, soll Lebensraum für verschiedene Tiere bieten - so etwa die seltene Gelbbauchunke oder die Kreuzkröte. Sträucher und Weiher, Blumenwiese und eine Linde finden sich auf diesem Gebiet. Damit dieses Biotop nicht verlandet, muss es aktiv bewirtschaftet werden. Hier kommen die drei Schweine zum Zug: durch ihre Wühltätigkeit verhindern sie eine Sukzession. Auch heute Vormittag an der Medienkonferenz, an welcher die Zuger Baudirektion, die Kibag, welcher das Land gehört, Vertreter der Gemeinde Menzingen sowie vom Planungsbüro informieren, ist das Verhalten gut beobachtbar: Immer wieder stecken die Tiere ihre Nase in die Erde auf der Suche nach Nahrung. Als Unterschlupf haben sie ein kleines Iglu.

Das Pilotprojekt mit den Schweinen startete Anfang Juni. "Ein verrücktes Projekt dachte ich anfangs", blickt Baudirektor Florian Weber zurück. Mittlerweile habe sich ergeben, dass es gut funktioniere. Stefan Rey vom kantonalen Amt für Raum und Verkehr erklärt: "Das Biotop hat derzeit seinen Idealzustand, wir wollen es so erhalten." Doch das bedürfe einiges an Planung und Vorausschau. Christian Wiskemann von der Quadra GmbH, welches die Renaturierung dieses Projekts geplant und begleitet hat, fügt an: "Es gilt Kompromisse zu finden und wir werden dieses Projekt sehr intensiv weiter begleiten müssen." Das betrifft sowohl die Schweine als auch die Umgebung. Je nach dem sei es denkbar, dass mehr Schweine in dieses Gebiet ausgesetzt würden. Das gilt es aber abzuwägen. Und was die Natur betrifft: Als Biologe möchte er möglichst viele Lebensräume schaffen, aber die Landwirtschaft will gleichwohl berücksichtigt werden.

Mit der Lösung sind nun alle Beteiligten zufrieden: Auch Peter Iten, welcher seinen Hof nur einen Steinwurf von den Schweinen entfernt hat. Morgens geht er bei den Tieren vorbei, prüft, ob der Strom im eingezäunten Gebiet noch läuft, und füttert sie. Abends sieht sein Sohn Severin nach den Tieren. Ansonsten leben die Schweine sehr autonom, bedürfen nicht viel Pflege. "Schon als es das erste Mal zur Sprache kam, dass hier möglicherweise Schweine angesiedelt werden könnten, waren die Kinder begeistert", erinnert sich Peter Iten, Vater von fünf Kindern. Bis dato hatte er allerdings noch keine Schweine im Stall, kommt aber mittlerweile gut mit ihnen zu recht.

Auch Gemeinderätin Barbara Beck-Iselin zeigt sich zufrieden. Die Gemeinde war am Projekt mit einer Begleitgruppe vertreten. "Das Biotop führt sich wunderbar in die Umgebung ein", freut sie sich und ergänzt: "Rund herum singen die Vögel, die Frösche quaken und die Schweine leisten ihren Beitrag zum ökologischen Bestehen."

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