Sehr langes Bewilligungsverfahren

Vor der auf Anfang 2010 geplanten Übernahme des Badener Modehauses Laube & Gsell durch Phänomen hätte die Liegenschaft Badstrasse 3 saniert und aufgestockt werden sollen. Daraus wird nun aber nichts.

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Laube-Dsc.jpg

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Aargauer Zeitung

Andreas Tschopp

«Es ist sehr unerfreulich, dass der Umbau nicht zeitgerecht vor der Geschäftsübergabe erfolgen kann», ärgert sich Jacques Meier, der zusammen mit seiner Frau Cilly in Baden an der Badstrasse 3 das Modehaus Laube & Gsell besitzt. Wie berichtet, werden Meiers ihr Geschäft nach 50 Jahren auf Anfang 2010 an das Luzerner Familienunternehmen Phänomen übergeben. Vorgängig war geplant, das Gebäude zu sanieren und aufzustocken, damit im Mansardengeschoss Büroräume eingerichtet werden können, die bisher im Nachbargebäude an der Bahnhofstrasse 4 untergebracht und über verwinkelte Pfade erschlossen sind. Die Realisierung der auf 700 000 Franken veranschlagten Umbaupläne ist nun aber geplatzt.

Als Grund dafür nennt Hauseigentümer Jacques Meier, dass die Baubewilligung erst nach Mitte September erteilt worden sei. Damit reiche die Zeit nicht mehr, um die Aufträge zu vergeben und die Arbeiten bis zum Übergabetermin auszuführen. Besonders aufgebracht ist Meier darüber, dass die kantonale Denkmalpflege bereits im Juni ihre grundsätzliche Einwilligung gegeben habe für den Umbau. Danach seien aber weitere gut drei Monate verstrichen, bis die Stadt Baden die Bewilligung erteilt habe. Der Hausbesitzer hat deshalb mit Architekt Franco Pinazza, der das Projekt verfasst hat, um eine Aussprache mit Stadtammann Stephan Attiger und Bauvorsteher Kurt Wiederkehr ersucht.

Einsprecher war einverstanden

Tatsache ist, dass gegen das im Frühjahr publizierte Baugesuch für den Umbau des Laube & Gesell-Hauses eine Einsprache erhoben wurde vom Ehepaar Bossy, Besitzer des benachbarten Gebäudes mit Apotheke an der Badstrasse 5. Die Einsprecher verlangten ausdrücklich, dass das Vorhaben ihre geschützte Liegenschaft nicht beeinträchtigen dürfe und daher von der Denkmalpflege genau zu begutachten sei. Nach deren erster abschlägiger Stellungnahme wurde das Projekt überarbeitet. Die Dachaufbauten mit Lukarnen auf der Seite Badstrasse wurden reduziert, jene rückseitig zum Innenhof im Gegenzug etwas vergrössert. Damit konnten sich Einsprecher und Denkmalpflege einverstanden erklären.

Letztere hielt im Schreiben vom Juni dabei Folgendes fest: «Die Aufbaute auf der kaum einsehbaren Rückseite ist von der Stadt zu beurteilen.» Das taten die Stadtbehörden und kamen dabei zum Befund, dass die hofseitige Dachlukarne zu lang sei und die Fluchtweglösung nicht genüge. Letztere wurde von der Bauherrschaft angepasst. An der Grösse der Dachlukarne wurde aber festgehalten.

Jetzt halt nur Pinselrenovation

«Der Umbau wäre schön und eine tolle Überraschung für uns gewesen», sagt Fritz Rogger, zusammen mit seiner Frau Sonja Inhaber des Modehauses Phänomen in Luzern, das auf Anfang 2010 Laube & Gsell in Baden übernehmen wird. Während das Personal weiterbeschäftigt und der Name Laube & Gsell beibehalten wird, sei baulich nichts abgemacht worden, sagt Rogger. Er fühle sich folglich durch die Absage des Umbaus «nicht vor den Kopf gestossen», betont der neue Eigentümer. Dieser wird nach der Übernahme Anfang 2010 nun nur eine Pinselrenovation machen. Mitte Februar wird laut Rogger Laube & Gsell dann aufgefrischt wiedereröffnet. (atp)

Kein Verständnis der Stadt

Die Bauherrschaft wies ausdrücklich darauf hin, «dass die hofseitige Dachfläche der unmittelbar angrenzenden Liegenschaft Badstrasse 5 ebenfalls auf mehr als der Hälfte der Fassadenlänge durchbrochen werde». Diese, an die benachbarte Liegenschaft angelehnte, hofseitige Dachgestaltung habe die Denkmalpflege «nicht abgelehnt», wurde betont. Dafür hatte die Stadt, deren zuständige Sachbearbeiterin bei der Abteilung Planung und Bau stets auf die Auflagen der Denkmalpflege verwies, aber kein Verständnis. Die Bauherrschaft habe rechtlich «keinen Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht», wurde dieser beschieden in der Baubewilligung und bekräftig, dass die rückseitige Dachlukarne in der geplanten Form nicht zulässig und daher zu verkleinern sei.

Diese bauliche Einschränkung ist mit ein Grund, weshalb der Hauseigentümer nun auf den Umbau verzichtet. Dieser sei nie Bestandteil des Übernahmevertrags für das Modegeschäft, sondern als «Goodwill» gedacht gewesen, erklärt Jacques Meier, der an der Badstrasse eine weitere Liegenschaft besitzt und doch noch einen Grund zur Freude hat: Ins ehemalige Keusch-Haus an der Bahnhofstrasse 4 wird nach dem Umzug des Reisebüros TUI ins Gstühl-Center das Hörcenter Neuroth einziehen.

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