Pilze

So gehts: «Pilzlen» für Anfänger

Viele Pilzsammler versuchen dieses Jahr erstmals ihr Glück. Mit etwas Grundwissen wird Toxikologen und Pilzkontrolleuren viel Arbeit erspart.

Martin Rupf

Die Pilze schiessen dieses Jahr nur so aus dem Boden – dem warmen Juni und dem nassen Spätsommer sei Dank. Das starke Pilzwachstum lockt erfahrene, aber vor allem auch viele neue Pilzsammler in die Wälder.

Das belegen auch die Zahlen des Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrums (Stiz). Ende August hat das Stiz bereits 140 Personen mehr beraten als zum gleichen Zeitpunkt 2009. «Besonders häufig kommt es zu Verwechslungen des Steinpilzes mit anderen giftigen oder ungeniessbaren Röhrlingen», sagt Stiz-Direktor Hugo Kupferschmidt.

Hauptsächlich mit dem Satansröhrling, dessen Konsum starken Durchfall oder Brechen verursacht. Noch gravierender sind die Folgen, wenn man Champignons mit dem Grünen Knollenblätterpilz verwechselt. «Der Knollenblätterpilz ist der einzige tödliche Pilz in der Schweiz», so Kupferschmidt. Alle zwei bis drei Jahre gebe es einen Todesfall.

Ein Giftpilz: Ganzer Fund muss weg

Doch so weit muss es nicht kommen. Mit einigen Grundkenntnissen und der Beachtung einfacher Regeln steht dem Pilzvergnügen nichts mehr im Wege – selbst für Anfänger. Doch woher die Informationen nehmen? Die Vereinigung Amtlicher Pilzkon-trollorgane (Vapko) führt Anfänger auf ihrer Website in die Kunst des Pilzlens ein. «Grundsätzlich sollten Pilze in offenen Körben gesammelt werden, nie in Plastiksäcken, in denen sie schneller faulen», erklärt Vapko-Vizepräsident Hugo Ritter.

Findet man unbekannte Pilze, sollte man jeweils nur zwei bis drei Exemplare mitnehmen und diese getrennt von den anderen Pilzen ins Körbchen legen. «Wenn nur ein giftiger Pilz bei den Speisepilzen liegt, muss der ganze Fund entsorgt werden. Nicht die Berührung ist das Problem, sondern es könnten sich Teile des giftigen Pilzes abgelöst haben», sagt Ritter.

Pilze nicht aus dem Boden reissen

Weiter appelliert Ritter, Pilze nicht aus dem Boden zu reissen, sondern herauszudrehen oder sauber abzuschneiden. Der Grund: «Der Pilz ist der Fruchtkörper. Bei einem Apfel reissen wir auch nicht den ganzen Ast ab.» Ganz wichtig sei auch, den ganzen Fund kontrollieren zu lassen und nicht einen Teil zu Hause zu lassen.

Pizzaiolo sammelte 50 kg Pilze

Wie viel Pilze darf man denn sammeln? «Jeder Kanton regelt Schonzeiten und Mengenlimiten selber», sagt Ritter. Im Kanton Aargau gibt es gar keine Einschränkungen, ausser dass das organisierte Sammeln verboten ist. «Langjährige Versuche haben gezeigt, dass Schonzeiten und Mengenbeschränkungen keinen Einfluss auf das Pilzwachstum haben», sagt Ritter. So gelte der Aargau als pilzreicher Kanton.

Für Pilzler aus der Region, die ihr Glück im Ausland – vor allem im Schwarzwald – probieren, gelten gleichwohl Mengenlimiten. Pro Tag und Person darf 1 Kilogramm Pilze von Deutschland in die Schweiz ausgeführt werden. Wird eine Person mit mehr Pilzen erwischt, zahlt sie pro zusätzliches Kilo 100 Euro Busse.

Nicht mehr als 2 Kilo Pilze

«Einmal kontrollierten wir einen Italo-Schweizer, der für seine Pizzeria 50 Kilogramm Pilze gesammelt hat – das wurde dann ziemlich teuer», erzählt Michael Hauck, Pressesprecher beim Hauptzollamt Singen. Zudem würden die Pilze konfisziert und an Krankenhausküchen und Altersheime verteilt. Übrigens dürfen auch nicht mehr als 2 Kilogramm Pilze von der Schweiz nach Deutschland eingeführt werden.

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