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«Switzerland second»: Wie Böhmermann Europas Satiriker vereint

Trump eint die Macher der Comedy-Shows in ganz Europa. Auf die Initative des Deutschen Jan Böhmermann senden die "Late-Night"-Formate aus Europa immer mehr satirische Grussbotschaften an den neuen amerikanischen Präsidenten.

Sabine Kuster
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Erfunden haben es zwar die Holländer, aber Jan Böhmermann bringt nur Europa's Late-Night-Shows an einen Tisch.

Erfunden haben es zwar die Holländer, aber Jan Böhmermann bringt nur Europa's Late-Night-Shows an einen Tisch.

AZ

"Das ist eine Nachricht der Holländischen Regierung." "Das ist eine Nachricht der Bundesrepublik Deutschland." "Das ist eine Nachricht der Schweizer Regierung." So beginnen ein paar der momentan am meist-geklickten Videos auf Youtube. Begonnen hat der Hype mit der satirischen Grussbotschaft von Holland an den Amerikanischen Präsidenten Donald Trump vor zwei Wochen.

Dem deutschen Satiriker Jan Böhmermann gefiel die Idee so sehr, dass er sie erstens kopierte und auf Deutschland zuschnitt und zweitens die Night-Late-Show-Macher Europas an einen Tisch holte. Damit schaffte Trump etwas, was zuvor noch nie geschehen ist. Acht Länder trafen sich am vergangenen Montag zur Skype-Konferenz, inzwischen seien noch mehr dabei (siehe www.everysecondcounts.eu).

Das sagt der Macher der Schweizer Grussbotschaft, Patrick Karpiczenko. Er ist Regisseur bei der satirischen Wochensendung "Deville" des Schweizer Fernsehens SRF. Heute Freitag Abend wird sein Video "Switzerland second" kurz vor Mitternacht ausgestrahlt.

Die Schweizer folgten als erste Böhmermanns Aufruf. Dies, weil sie laut Karpiczenko mit nur vier Leuten ein kleines, dafür schnelles Team sind und "vor Ideen nur so sprudelten". Doch auch andere grüssten Trump heute Freitag: Portugal, Belgien und Dänemark erklären dem amerikanischen Präsidenten ebenfalls ihr Land - gespickt mit Pointen und Fake-News und "its great".

Alle enden sie mit der Aussage, natürlich komme Amerika zuerst, aber ihr Land komme ganz klar an zweiter Stelle. Nur die Portugiesen trauten sich offenbar nicht von einer "Nachricht der Regierung" zu sprechen. Es heisst statt dessen "eine Nachricht von Portugal."

Doch gerade dieser pseudo-behördlicher Touch unterscheidet die Videos von anderen guten Ideen, die viral gingen und von denen immer mehr Versionen auftauchen. Das quasi-Offizielle macht sie nicht beliebig kopierbar. Bis jetzt ist jedenfalls noch von keinem Land eine zweite Grussbotschaft dieser Art erschienen.

"Normalerweise muss man einen guten Witz, eine gute Idee einfach stehen lassen", sagt Patrick Karpiczenko. "Aber durch die politische Diskussion musste man es fast machen." Trump sei in den News und daher auch in den Late-Night-Formaten momentan ohnehin omni-präsent, sagt der Regisseur. "Wir können gar nicht anders, unsere Köpfe sind voll mit Trump".

Trotz aller Ironie und den Seitenhieben auf Trump: Die Videos sind auch kleine Liebeserklärungen an das jeweilige Land. Das müsse so sein sagt Karpiczenko: "Man muss etwas lieben um sich darüber lustig machen zu können."

Und was ist mit all den Klischees? Im Schweizer Video fehlt weder das Fondue noch die Berge oder das Geld. Aber gleichzeitig wird auch für die Sterbehilfeorganisation Exit und die Automarke Smart "Werbung" gemacht. Komik sei eiben kindisch, sagt Karpiczenko. "Wir mischen Gosses und Kleines, Kluges und Dummes.

Auch Blocher hätten sie gerne im Video gebracht, aber es sei ihnen einfach nichts Lustiges dazu eingefallen.

Der Sprecher tönt zwar auf allen Videos identisch und imitiert Trumps Stimme gut. Bei den Videos von Deutschland und der Schweiz ist es Shaun Streeter, ein Sprecher, günstig gebucht via einer amerikanischen Plattform. Holland leistet sich den amerikanisch-holländischen Komiker Gregory Shapiro.

Die Klickzahlen aller Ländervideos schnellen nach oben: Innert nicht mal 24 Stunden erreichte "Switzerland second" über 300'000 Klicks. Jenes von Holland erreichte am Freitag 17 Millionen. Rechnen die Satiriker damit, dass Trump via Twitter auf den "Gruss-Sturm" aus Europa reagiert? "Es wäre schön", sagt Karpiczenko, "aber es wäre auch erschreckend, wenn er sich Zeit dafür nehmen würde."

Die Late-Night-Regisseure haben ihren Kontakt nicht abgebrochen und chatten weiter miteinander.