Basel

Tod der Zwischen-Jahreszeit

Zwei Extreme: Innert einer Woche gab es im Oktober einen Temperatursturz von 30 Grad. Der Herbst kam dabei nicht zum Zug. (Bild: Walter Schwager)

Temperatur

Zwei Extreme: Innert einer Woche gab es im Oktober einen Temperatursturz von 30 Grad. Der Herbst kam dabei nicht zum Zug. (Bild: Walter Schwager)

Und plötzlich war es Winter. Von sommerlichen 27 Grad (am 7. Oktober) fiel das Thermometer innert Wochenfrist auf winterliche –2,3 Grad am Morgen des 15., und auch tagsüber kletterte das Quecksilber nie über frostige 5,1 Grad. Der Herbst – eine Übergangszeit mit gemässigten Temperaturen – hatte gar nicht stattgefunden.

Birgit Günter

Damit wiederholt sich ein Phänomen, das bereits in der ersten Jahreshälfte für Aufsehen gesorgt hatte: Der Wegfall der Zwischen-Jahreszeit. Denn auch im April war der ausserordentlich lange Winter von einem frühen Sommer abgelöst worden. Der Frühling schien vergessen gegangen zu sein.

Für den Titterter Hobby-Meteorologen Hansruedi Schweizer sind diese Temperaturschwankungen ein Zeichen der Klimaerwärmung und der damit verbundenen, instabileren Wetterlagen. «Kälteeinbrüche im Oktober wären eigentlich normal. Aber dass es zu einem solchen Temperatursturz kommt, das ist krass», sagt er.

Kein Herbst mehr, kein Frühling mehr - ist das jetztige Jahr ein meteorologischer Sonderfall oder werden die Zwischensaisons immer mehr zu einem Auslaufmodell? Beim Wetter langfristige Prognosen abzugeben, sei sehr heikel, schickt Schweizer vorsichtig voraus. In der Tat habe er aber bereits in den vergangenen paar Jahren beobachtet, dass es zwischen den Hauptjahreszeiten «keinen richtigen Übergang mehr, sondern nur noch krasse Wechsel» gegeben hatte. Gut sichtbar sei dies anhand der Temperaturkurven: Diese fallen oder steigen jeweils abrupt.

Nachdem der Oktober rekordverdächtig warm begonnen hatte, dürfte er wegen des Wintereinbruchs - am Wochenende hatte es in höheren Lagen des Baselbiets bereits erste Schneeflocken gegeben - nun eher zu kalt abschneiden. Wie gross die Temperatur-Differenzen waren, zeigt auch ein Blick auf die Mittelwerte. Das langjährige Temperaturmittel für den Oktober würde eigentlich 10,7 Grad betragen. Am 7. Oktober hatte das über Tag und Nacht gerechnete Mittel jedoch hochsommerliche 21,5 Grad gezählt - zum Vergleich: Dies ist wärmer als das Julimittel (rund 19 Grad). Ebenso abenteuerlich ist das Mittel vom 15. Oktober: 1,4 Grad - das entspricht ungefähr dem Januarmittel.

Laut Meteorologen soll es nun für ein paar Tage noch einmal milder werden: Zweistellige Temperaturen sind angesagt. Der Herbst gibt doch noch ein Lebenszeichen von sich.

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