Baden

Topqualität im Glas und Teller

Bei Kerzenlicht: Moderator Michael Sokoll, «Vinum»-Chefin Barbara Meier-Dittus, Landammann Roland Brogli (v. l.). (Bild: Hans Lüthi)

Gala

Bei Kerzenlicht: Moderator Michael Sokoll, «Vinum»-Chefin Barbara Meier-Dittus, Landammann Roland Brogli (v. l.). (Bild: Hans Lüthi)

Mit viel Können, Experimentierfreude, Fantasie und Engagement zeigen Winzer und Köche überzeugend: Wir müssen das Licht nicht unter den Scheffel stellen.

Hans Lüthi

Draussen düsterer November, drinnen festliche Stimmung bei Kerzenlicht. Im Berufsbildungszentrum Martinsberg in Baden ist die achte Wein-Gala erstmals zu Gast. Hier hat es viel Platz, der Saal verströmt eine warme Atmosphäre, die Tische sind prächtig geschmückt. Alles stimmt, damit sich die 190 Gäste am Freitag und die 240 am Samstag zurücklehnen und während Stunden in vollen Zügen geniessen können. Das aber ist nur möglich dank einer fast perfekten Organisation durch den Branchenverband Aargauer Wein, dank Spitzenköchen und Dutzenden von Winzerinnen und Winzern, die mit sichtlicher Freude gleich selber servieren.

Ausserordentliche Wein-Vielfalt

In den Rebbergen und Weinkellern sind die Winzer Meister ihres Faches, auf der Bühne weniger. Die Moderation überlassen sie gerne Fernsehmoderator Michael Sokoll; er entlockt den Produzenten und Köchen manches Geheimnis in lockerem Gespräch. Und Weinfachfrau Barbara Meier-Dittus, Chefredaktorin der Zeitschrift «Vinum», stellt die 15 Weine einzeln vor. Die Geniesser am Weinfestival müssen aber selber herausfinden, ob der Fricker Chardonnay, der Pinot gris aus Tegerfelden oder der Gewürztraminer Kloster Sion am besten zur geräucherten Kölliker Forelle passt. Die Weinvielfalt wird immer grösser, doch der Pinot noir, Hauptsorte auch im Aargau, macht sich an der Gala breit, auf wohltuende Art. Von seiner fruchtigen Vielfalt, von Beeren, Kirschen, Schokolade-Vanille-Tönen und von Pfeffer schwärmt Barbara Meier-Dittus.

Freude am Experimentieren

Neben der grossen Kunst des richtigen Barrique-Ausbaus ist die Experimentierfreude bei den Assemblagen gross und fast grenzenlos. Die Kombination von Traubensorten, oft auf der Basis von Pinot noir, führt zu tiefroten, dunklen, oft fast schwarzen Weinen, sicher dann, wenn auch die Sorte Diolinoir enthalten ist. Die Botschaft ist ebenso klar wie richtig: Wer Neues entdecken will und kräftige Weine schätzt, muss nicht in die Ferne schweifen. Das Rennen für die Wein-Gala haben bei der Vorauswahl ein Cuvée von Paul Steimer aus Wettingen, von Gerhard Wunderlin aus Zeiningen und der Gebrüder Nauer aus Bremgarten gemacht. Die Vielfalt der Aargauer geht noch weiter und zeigt, dass zum Ziegenkäse im Nussmantel, kreiert von Susanne Klemenz, auch ein Federweisser oder ein Herbstgold passen kann. Selbst die Likörweine muss man nicht in Frankreich holen, es gibt sie im Fricktal, in Schinznach und in Küttigen.

Regional statt aus aller Welt

Viele Köche tun es den Win-zern gleich: Albi von Felten vom «Hirschen» Erlinsbach war auf allen Kontinenten, doch er predigt und kocht nicht die per Flugzeug eingeflogenen Hummer, sondern die regionalen Produkte. «Das ist spannender, als weltweit einzukaufen, die Schweizer begreifen das jetzt auch langsam», sagt von Felten. Auf der gleichen Welle schwimmt Jörg Lenzin vom «Ochsen» in Wölflinswil. Harry Pfändler vom «Bären» in Birmenstorf hat mit seinen Lehrlingen die Wittnauer Wachtelbrüstchen auf den Teller gezaubert. Ein währschaftes Stück Wildschwein, kombiniert mit Reh und Kürbis, haben Reto Ettisberger vom «Hertenstein» in Ennetbaden und Bernhard Bühlmann vom «Bären» in Mägenwil ausgelesen und schmackhaft zubereitet. Eine Wucht an Süssigkeiten bringt das Dessert von Confiserie-Weltmeister Rolf Mürner.

«Weinbauern und Köche leisten ganze Arbeit, ich bin stolz auf sie», versichert Finanz- und Landwirtschaftsdirektor Roland Brogli. «Das hervorragende Essen und der hervorragende Wein» schmecken auch Weinbau-Präsident Peter Wehrli aus Küttigen. Fazit: Die eigene Scholle hat mehr zu bieten als exotische Produkte aus Übersee.

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