Füchse

Über 1000 Füchse in der Stadt

Vor allem Stadtrand-Füchse sind mit dem Fuchsbandwurm infiziert – jetzt werden sie in der Agglomeration der Stadt Zürich entwurmt. Das Projekt dient als Entscheidungsgrundlage, ob dauerhafte Massnahmen wirksam und sinnvoll sind.

Andrea Trueb

Über 1000 erwachsene Füchse leben zurzeit in der Stadt Zürich. «Besonders die am Stadtrand lebenden Tiere sind mit dem Fuchsbandwurm infiziert, wir gehen von einem Befall von 60 Prozent aus», sagt Daniel Hegglin, Wildtierbiologe und Mitarbeiter am Institut für Parasitologie der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich. Dabei variiere die Anzahl Würmer pro Fuchs zwischen 1 und 50 000 - je mehr Würmer ein Fuchs in sich trägt, umso mehr Eier scheidet er aus und umso grösser ist das Risiko für den Menschen an der so genannten «Alveolären Echinococcose» zu erkranken.

Mehr als doppelt so viele Fälle

Der zwei bis drei Milimeter grosse Fuchsparasit kann beim Menschen eine schwere Lebererkrankung auslösen. Die Anzahl Erkrankungen hat sich seit den 90er-Jahren mehr als verdoppelt. Konkret wird die Krankheit pro Jahr bei 10 bis 25 Menschen diagnostiziert. Damit gilt der Fuchsbandwurm laut Universität Zürich als seltene, aber zunehmende Erkrankung (siehe Kontext).

Ob eine Entwurmung der Füchse eine sinnvolle Massnahme zur Bekämpfung des Fuchsbandwurms wäre, untersucht das Institut für Parasitologie zurzeit im Raum Zürich in einer vom Bundesamt für Veterinärwesen und der Stadt Zürich finanzierten Studie. Dazu werden in der Agglomeration von Zürich und den umliegenden Gemeinden Köder mit einem Entwurmungsmittel ausgelegt sowie Fuchskotproben eingesammelt und untersucht.

Da der Fuchsbandwurm als Wurm im Fuchs, als Larve in der Maus und als Ei im Boden vorkommt, könnte auch die Jagd auf Feld- und Schermäuse zur Bekämpfung des Parasiten beitragen. Den Mäusebestand tief zu halten, ist aber sehr schwierig. Auch das Schiessen von Füchsen ist laut dem Projektverantwortlichen Hegglin kaum ein gangbarer Weg. Dies, weil Versuche im Ausland gezeigt hätten, dass eine gezielte Jagd auf Füchse nur in einem kleinen Gebiet und mit einem professionellen Fuchsjäger den Bestand effektiv regulieren könne.

Ausserdem würden bei der Jagd viele Tiere geschossen, die sowieso nicht älter als ein Jahr geworden wären (zwei Drittel der Füchse sterben im ersten Lebensjahr) oder keinen Nachwuchs gezeugt hätten, was die Fortpflanzungsrate nicht verkleinere. Eine bejagte Population, so Hegglin, kann gewisse Verluste auch durch mehr Junge kompensieren.

Politischer Entscheid

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Füchse in der Stadt weniger häufig mit Fuchsbandwurm infiziert sind, als ihre Artgenossen am Stadtrand, weil sie eher Abfall fressen anstelle von Mäusen. Werden die Stadtfüchse vertrieben, rücken Agglomerationsfüchse nach, was das Risiko für den Menschen vergrössern könnte.

Ergebnisse aus dem Entwurmungsprojekt liegen frühstens in einem Jahr vor, sagt Hegglin: «Wir untersuchen wissenschaftlich, was machbar ist. Welche Massnahmen getroffen werden, ist nicht zuletzt ein politscher Entscheid.»

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