heim

Volk wird mit Riesenohren bestraft

Strafe: Der Zauberer Dragan belegte das Volk der Milenias mit einem Bann, weil es ihm die Kinder nicht mehr zur Arbeit überliess. So wuchsen dem Volk plötzlich überdimensionierte Ohren, Hände, Münder und Augen. (Bild: Gundi Klemm)

Heim

Strafe: Der Zauberer Dragan belegte das Volk der Milenias mit einem Bann, weil es ihm die Kinder nicht mehr zur Arbeit überliess. So wuchsen dem Volk plötzlich überdimensionierte Ohren, Hände, Münder und Augen. (Bild: Gundi Klemm)

Zum festen Wert der Vorweihnacht zählt der Besuch der Weihnachtsfeier im Schul- und Therapiezentrum für körper- und sinnesbehinderte Kinder. An der wie alljährlich atmosphärischen Feierstunde nahmen weit über 300 Personen teil.

Gundi Klemm

Wie immer versetzen sanftes Kerzenlicht, Musik des Live-Orchesters und das Stimmengewirr der kleinen Schauspieler hinter dem Vorhang das Publikum im dicht besetzten Mehrzweckraum des Schul- und Therapiezentrums für körper- und sinnesbehinderte Kinder in fröhliche Erwartung. Was mögen die kreativen Lehrkräfte sich für das diesjährige Weihnachtsspiel wieder ausgedacht haben, überlegte sicher mancher Anwesende, der sich gern an die stimmungsvollen Augenblicke früherer Aufführungen im ehemaligen Schulheim für körperbehinderte Kinder erinnerte, das sich per Anfang 2009 mit dem CP-Zentrum zum heutigen Schul- und Therapiezentrum zusammengeschlossen hatte.

Ein Sinn gestärkt - andere geschwächt

Diesmal lieferte eine Geschichte, die der zum Lehrerkollegium gehörende Sozialpädagoge Carlo Orsenigo für diese Aufführung geschrieben hatte, die Grundlage fürs Bühnenspiel. Es handelte vom Volk der Milenias, das plötzlich durch den im Wald hausenden Zauberer Dragan mit einem Bann belegt wurde, weil die Familien der Talschaft ihm ihre Kinder nicht mehr zum Arbeiten überlassen wollten. Als Strafe wuchsen den Menschen plötzlich grosse Ohren, Riesenhände, breite Münder, gewaltige Augen oder Nasen. Während sich die Fähigkeiten des einen Sinnes verstärkten, bildeten sich alle übrigen zurück. Gleichzeitig wuchsen Mauern empor, die das Volk in fünf getrennte Gruppen unterteilten. Von da an entwickelte sich deren Leben wegen ihrer Wahrnehmungsdefizite sehr unterschiedlich, weil sich ja ihre Sinneserfahrungen verändert hatten. Gemeinsam aber blieb ihnen, dass alle Gruppierungen ihre Lust am Leben verloren, das sie zunehmend als trostloser und langweiliger empfanden. Die Übergänge zwischen den einzelnen mit passenden Mundarttexten zur Musik von Abba, Simon und Garfunkel oder der Beatles unterlegten Szenen überbrückte Lehrerin Rosa Frey, die für den Bub Moreno (Tim Martin) die Tante Cecilia spielte. Ihm und dem Publikum las sie diese Erzählung anschaulich vor.

Mit dem Auftauchen eines hellen Sterns erlebten die Milenias unerwartet ein wahres Weihnachtswunder. Sie wurden plötzlich so stark und mutig, dass sie die Wirkung des bösen Zauberspruchs abschütteln konnten. Daran änderte auch die nochmalige Drohgebärde des Zauberers nichts. Die extrem grossen Nasen, Ohren, Hände, Augen und Münder bildeten sich zurück. Alle verfügten wieder über ihre normalen fünf Sinne. Die Freude über dieses Weihnachtsgeschenk war riesengross.

Theater geht mit DVD in die ganze Welt

Werner Hunziker, Geschäftsführer des Schul- und Therapiezentrums, gratulierte allen jugendlichen und erwachsenen Mitwirkenden herzlich zu ihrer gelungenen Botschaft zur Bedeutung gesunder Sinne. «Ich bin stolz auf euch alle, die ihr mit besonderem Können euer Leben meistert», rief er seinen 52 Schülerinnen und Schülern zu. Nach der Fusion im Januar 2009 ist die frühere Institution Schulheim um die Verantwortung für 300 weitere Kinder gewachsen, die im bisherigen CP-Zentrum gefördert wurden. Dank einer DVD-Aufzeichnung wird, wie Hunziker informierte, das Solothurner Weihnachtsspiel auch die beteiligten Schulen im internationalen Partnerprojekt von Einrichtungen für sinnesbehinderte Kinder erreichen. «So sehen unsere Freunde in Schottland, Polen oder Deutschland, wie unser Weihnachtstheater abgelaufen ist.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1