Von Offenheit und Ehrlichkeit

Gute Kommunikation ist nicht alles, aber kann doch sehr, sehr viel bedeuten. Am 10. Forum Wirtschaftsstandort Limmattal warfen sich mit Beatrice Tschanz und Werber Frank Bodin zwei Koryphäen für gute Kommunikation ins Zeug.

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BodinTschanz

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Beatrice Tschanz Beatrice Tschanz: «Bundesrat Moritz Leuenberger fragte mich an. Er ist unberatbar»

Beatrice Tschanz Beatrice Tschanz: «Bundesrat Moritz Leuenberger fragte mich an. Er ist unberatbar»

Limmattaler Zeitung

Flavio Fuoli

Beatrice Tschanz, die legendäre Kommunikationschefin der ehemaligen Swissair, wurde gestern Nachmittag im grossen Saal der «Hosti» Geroldswil sehr direkt. Zu den zahlreich aus dem Limmattal erschienen Vertretern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft bemerkte sie, Kommunikation sei das Einfachste der Welt. Den Limmattalern jedoch wollte sie nicht die beste Note geben: «Man hört zu wenig von ihnen.» Man sei im Limmattal zu sehr von Zürich geblendet, es brauche vermehrt ein Limmattaler Bewusstsein. Dieses müsse jeder Unternehmer für sich selber entwickeln. Die Ausrede: «Wir sind halt Schlieren», sei der falsche Ansatz.

Kommunikation sei einfach: reden, denken, zuhören. «Aber alle tun sich schwer damit», sagte Tschanz und erinnerte an diverse Kommunikationspannen aus Bundesbern. Dort würden immer dieselben Fehler wiederholt, die da seien schweigen, abwarten, abwiegeln. Es sei ein Fehler, Zeit gewinnen zu wollen. Man unterschätze das zu oft, und dann sei es meistens zu spät. In schwierigen Situationen sei auf Kommunikationsebene nichts aufzuschieben. «Frauen können das besser als Männer», war sich Tschanz sicher. Unangenehme Nachrichten seien Nagelproben für gute oder schlechte Kommunikation.

Vor allem Männer würden eher eine defensive Haltung einnehmen, vernebeln und Unsicherheit zulassen. Wohl habe niemand stets alles im Griff, umso mehr brauche es klare und präzise Botschaften.

Sie riet den Anwesenden, offen und ehrlich zu sein. Glaubwürdigkeit sei der Boden für schwierige Zeiten. Der tödlichste Fehler: lügen. Der UBS habe man ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr geglaubt, egal, was die Manager gesagt hätten.

Beatrice Tschanz verriet, sie hätte einmal gar Bundesrat Leuenberger wegen der Südanflüge beraten sollen. Als sie ihm riet, sich den entrüsteten Anwohnern zu stellen, habe der abgelehnt mit den Worten: «Da werfen sie mir ja Tomaten an den Kopf.» Ihr Fazit: «Leuenberger ist unberatbar.»

Eine andere Sicht auf Kommunikation brachte der Werber des Jahres 2008, Frank Bodin in die Runde. «Standortmarketing braucht Standpunkte», nahm er die Kritik von Tschanz ans Limmattal in seinem ersten Satz auf. «Information und Kommunikation ist Werbung.» 4000 Werbebotschaften erreichen uns täglich, 60 000 grosse Marken werden weltweit ständig beworben, und dies in einer sich stark verändernden Welt: Die Geschäftswelt verändere sich ständig (neue Technologien), die Kommunikation (individualisierte Werbung) und auch die Menschen (ältere bleiben länger jung). Diese Tatsachen verlangten jedoch nicht, neue Kanäle zu finden, um die Menschen zu erreichen.

Bodin sagte, die Quantität der Werbung - viele Menschen würden sich davor abwenden - verlange zunehmend einen Gegentrend, nämlich mehr Qualität. Dazu brauche es eine klare Strategie, frische Ideen und eine aussergewöhnliche Umsetzung. Das führe zu Werbung, die man sich gerne anschaue, über die man mit Freunden spricht oder über die man gar lacht.

Schliesslich hätten Marken mehr mit Emotionen als mit Informationen zu tun. Das Wie sei in der Werbung wichtiger als das Was. Als Beweis nannte er den amerikanischen Präsidenten Obama, dem die Leute seiner Person vertrauten, nicht unbedingt der Inhalte wegen.

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