Warum wir in Sachen Partnerwahl wie die Vögel ticken

Wir achten bei der Wahl eines Partners nicht nur auf die Meinung von Freunden und Verwandten. Auch völlig fremde Menschen beeinflussen uns. Genau wie im Tierreich, zumindest ebi den Fischen und Vögeln.

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Fremde steuern Partnerwahl

Fremde steuern Partnerwahl

Solothurner Zeitung

Wer einen neuen Partner hat, ist meist gespannt darauf, was Freunde oder Familienmitglieder zu der getroffenen Wahl sagen. Mögen die den Auserkorenen nicht, sinkt sein Ansehen mitunter auch bei einem selbst. Umgekehrt gewinnt der Partner oft an Attraktivität, wenn von allen Seiten positive Kommentare zu der guten Entscheidung kommen. Dass nahestehende Menschen einen Einfluss auf die Partnerwahl haben, mag naheliegend sein – aber wie sieht es bei völlig fremden Personen aus?

Beeinflussbar durch Fremde

Auch deren Reaktion beeinflusst Menschen bei der Partnerwahl. Zu diesem Schluss ist ein internationales Forscherteam in einer Studie mit 80 Freiwilligen gekommen. Diese änderten ihre Beurteilung von Frauen und Männern, die sie per Video bei einer Verabredung beobachtet hatten, wenn diese bei ihrem Gegenüber besonders gut oder schlecht angekommen waren. Die Männer liessen sich dabei umso stärker beeinflussen, je attraktiver der jeweilige Mann war, der im Video eine Frau bewertete. Die Forscher um Jens Asendorpf von der Humboldt-Universität zu Berlin berichten von ihren Ergebnissen im Fachmagazin «Evolution and Human Behavior».

Wie in der Tierwelt

Von vielen Tierarten, vor allem von Fischen und Vögeln, ist bekannt, dass sie sich bei der Partnersuche an der Wahl anderer Artgenossen orientieren – «mate choice copying» ist der Fachbegriff für dieses Verhalten. Auch Menschen scheinen dieser Strategie prinzipiell nicht abgeneigt zu sein, wie frühere Studien bereits gezeigt haben: Beispielsweise bewerten Frauen Männer in weiblicher Begleitung attraktiver als Einzelgänger.

Jens Asendorpf und seine Kollegen untersuchten nun die Reaktion in einem echten Partnerwahlszenario. Sie zeigten jeweils 40 Männern und Frauen Videoaufnahmen von einer Speed-Dating-Veranstaltung mit 16 Teilnehmern. Bei diesen Treffen sitzen sich jeweils ein Mann und eine Frau am Tisch gegenüber und haben eine begrenzte Zeit zur Verfügung – in diesem Fall je drei Minuten –, um sich kennen zu lernen. Ist die Zeit um, rücken die Männer einen Tisch weiter, um mit der nächsten Dame zu sprechen. Nach jedem Gespräch kreuzen alle Teilnehmer auf einem Fragebogen an, ob sie ihren vorherigen Gesprächspartner wieder treffen möchten oder nicht.

Die 80 Freiwilligen sollten nun angeben, ob sie die beobachtete Begegnung für erfolgreich hielten, wie sie die Attraktivität der beiden Gegenüber beurteilten und ob sie selbst Interesse hätten, den beobachteten Partner des jeweils anderen Geschlechts zu treffen. Diese Aussagen trafen die Freiwilligen jeweils vor und nach jeder der Begegnungen sowie nachdem sie über die abgegebenen Beurteilungen der beiden Gegenüber informiert worden waren. Dabei beobachteten die Forscher Erstaunliches: Der Wunsch, den im Video zu sehenden potenziellen Partner kennen zu lernen, änderte sich je nach Verlauf des Speed-Dating-Gesprächs. Die Männer zeigten zum einen grundsätzlich nach der beobachteten Begegnung mehr Interesse als vorher.

Dieses stieg jedoch noch deutlich an, wenn die Frau im Video von ihrem männlichen Gegenüber als begehrenswert eingestuft worden war und der Dating-Partner einen Wiedersehenswunsch äusserte. Dieser Effekt trat jedoch nur unter der Voraussetzung ein, dass der Freiwillige den beobachteten Mann mindestens als ebenso attraktiv einstufte wie sich selbst.

Bei den weiblichen Freiwilligen hingegen stieg das Interesse nicht allein durch das Schauen des Videos an, sondern hing vor allem von der Entscheidung der weiblichen beobachteten Person über ein Wiedersehen ab: Zeigte diese kein Interesse an einem weiteren Treffen, verlor das männliche Gegenüber auch in der Bewertung der 40 Frauen. (ddp)

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