Gemeinde Affoltern am Albis
Weg vom achtlosen Wegwerfen

Mit einem «Abfallgipfel» auf dem Marktplatz startet Affoltern am 8. Mai die Anti-Littering-Kampagne «Hilf mit!» – mit langfristigen Massnahmen, denen 2010/11 eine Pilotphase vorangestellt wird.

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Abfall

Abfall

Solothurner Zeitung

Von Werner Schneiter

Weggeworfene PET-Flaschen, Büchsen, Zeitungen, Essensreste, Kaugummis oder Zigarettenstummel: sie sind allgegenwärtig, die mit Unrat verunstalteten öffentlichen Plätze, Busse, Strassen, Waldränder und Naherholungsgebiete. Litterer gibt es überall, «produziert» von der Konsumgesellschaft oder vom Elternhaus. Litterer sind auch in allen Altersklassen und bei beiden Geschlechtern anzutreffen. Klar ist: die Zahl der achtlosen «Entsorger» ist in den letzten 20 Jahren stark gestiegen. Sie sind kaum fassbar und provozieren Ärger bei jenen, die sich eine saubere Umgebung wünschen. Abgesehen von Umweltschäden machen weggeworfene Abfälle Städte und Gemeinden unattraktiv. Wegräumen und Entsorgen kosten zudem viel Geld.

Drei Säulen
Der Bezirkshauptort ist von diesen Problemen nicht ausgenommen. Der Gemeinderat jedenfalls, der zum Thema aus der Bevölkerung in letzter Zeit oft angegangen worden ist, sieht Handlungsbedarf. Er hat deshalb eine Anti-Littering-Kampagne lanciert, die auf drei Säulen basiert: Prävention und Information, Massnahmen vor Ort sowie Repression und Verbote.
Am Anfang steht die Bestandesaufnahme. Wo besteht Handlungsbedarf? Am Bahnhof und an Bushaltestellen, in Bahnunterführungen, auf Schul- und Sportanlagen, auf öffentlichen Plätzen, an Tankstellenshops und beim Fast-Food-Verkauf. Die vom Gemeinderat eingesetzte Arbeitsgruppe schlägt eine ganze Reihe von Massnahmen und deren konkreter Umsetzung vor. Sie reichen vom häufigen Reinigen, besserer Beleuchtung von Plätzen über Abfallunterricht in Schulen bis zur stärkeren polizeilichen Überwachung und Intervention. Ganz ohne Repression und Sanktionen gehts nicht. Ein Bussenkatalog ist jedenfalls in Erarbeitung. Bussen ausfällen - das ist nicht einfach, denn Wegwerfer müssten in flagranti erwischt werden.
Diese und andere Massnahmen werden nun nach der Veranstaltung «Abfallgipfel» (vgl. Kasten) laufend umgesetzt. Am Ende der bis 2011 dauernden Pilotphase steht die Frage: Wo haben sich Verbesserungen ergeben? In der nachfolgenden Schwerpunktphase (2012 bis 2014) werden Massnahmen bei Bedarf ergänzt oder vertieft. Pro Kalenderjahr ist auch ein Schwerpunktthema geplant. «Denkbar sind ausserdem eine Zusammenarbeit mit Grossverteilern, Take-away-Geschäften und mit Schulen. Auch Migranten könnten in die Thematik einbezogen werden», sagt Josef Hilber, Leiter der Affoltemer Gesundheitsabteilung. «Es muss auf diesem Gebiet eine langfristige, nachhaltige Planung vorangetrieben werden - ein Prozess über mehrere Jahre, ehe in der Bevölkerung eine Verhaltensänderung sichtbar wird», ergänzt er.

Ehrenamtliche Raumpaten
Zur Anti-Littering-Kampagne gehört auch eine Plakataktion, die jetzt gestartet und im Herbst 2010 eine Neuauflage erleben wird. Dazu sucht die Gemeinde sogenannte Raumpaten. Das sind ehrenamtlich tätige Leute, die abfallfreie Zonen betreuen. Später könnten dazu auch Vereine, Parteien oder Schulklassen dafür gewonnen werden. «Illnau-Effretikon setzt seit vier Jahren solche Raumpaten ein - mit Erfolg», sagt Josef Hilber.
Am Aktionstag vom 8. Mai werden in Affoltern für einmal vier sogenannte Littering-Botschafter der Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt (IGSU) unterwegs sein: Mit einem Gefährt sammeln sie beim Coopark, beim Bahnhof, am Marktplatz und im Zentrum Oberdorf Abfall ein und sprechen dort die Leute zum Thema Littering an.
Die Arbeitsgruppe betont in ihrem Papier abschliessend: «Die Anti-Littering-Kampagne soll auch zu einem Beispiel einer gewinnbringenden Zusammenarbeit zwischen Behörden der öffentlichen Verwaltung und der Privatwirtschaft werden. Wir versprechen uns, mit einem gemeinsamen, vernetzten und interdisziplinären Vorgehen eine grössere und nachhaltigere Wirkung zu erzielen.»

«Abfallgipfel» mit Unterhaltung

Hilf mit!» heisst die Anti-Littering-Kampagne der Gemeinde Affoltern. Sie startet am Samstag, 8. Mai, mit einem «Abfallgipfel» auf dem Marktplatz, der von 10 bis 15 Uhr stattfindet. Als Moderator wurde Marco Fritsche verpflichtet, den Fernsehzuschauern von der auf 3+ ausgestrahlten Kuppelsendung «Bauer, ledig, sucht...» kennen. Er wird durch den Anlass führen und dabei auch die Liveauftritte von Marc Sway und der Breakdance-Gruppe «Effect» ansagen, die sich musikalisch und tänzerisch mit dem Thema Abfall auseinandersetzen. Natürlich zieht sich dieses Thema wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Neben Infoständen steht eine Güsel-Trophy an. Auf einem Parcours mit drei Posten kann man Themen wie «Abfall trennen» und «Abfall korrekt entsorgen» auf spielerische Weise erfahren. Und ein sogenannter Abfallhai dient Fussballfans als Torwand. Die Jugendarbeit Affoltern wird mit dem Projekt «Kunst statt Müll» ebenfalls vor Ort sein und zu kreativer Auseinandersetzung mit dem Wertstoff «PET-Flaschen» einladen.
«Der ‹Abfallgipfel› richtet sich schwerpunktmässig an Jugendliche, zu einem Besuch eingeladen ist aber die ganze Bevölkerung», betont Josef Hilber. Ein Festbeizli gehört natürlich dazu.