«Wir leiden unter ‹Schmutzkonkurrenz›»

Kämpferisch: Hans Stöckli, Verwaltungsratspräsident der BSG, setzt sich an der Generalversammlung für die Schifffahrt auf den drei Jura-Seen ein. (uz)

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Kämpferisch: Hans Stöckli, Verwaltungsratspräsident der BSG, setzt sich an der Generalversammlung für die Schifffahrt auf den drei Jura-Seen ein. (uz)

Die Bielersee-Schiffahrts-Gesellschaft (BSG) kämpft ums Überleben. Laut Verwaltungsratspräsident Hans Stöckli leidet die BSG stark unter der Billig-Konkurrenz aus Neuenburg und unter der Ascoop-Sanierung.

Bruno Utz

Kaum ist die Subvention der Berner Schiffahrt durch den Kanton ausgelaufen, verlangen Grossräte mit einer Motion die Wiederaufnahme des Geldsegens. Weshalb?
Hans Stöckli: Die meisten Schifffahrtsunternehmen der Schweiz erhalten von der öffentlichen Hand Betriebsbeiträge. Wir kämpfen gemeinsam mit der BLS für die Seen im Oberland um die Wiederaufnahme, weil uns wegen der Pensionskasse Ascoop existenzielle Sorgen plagen. Zudem steigen die Anforderungen dauernd bezüglich der Sicherheitsvorschriften. Schliesslich haben wir ein grosses zusätzliches Problem wegen der ‹Schmutzkonkurrenz› vom Neuenburgersee.

Reden Sie von der Société de Navigation sur les Lacs de Neuchâtel et Morat SA (LNM), die mit Billigpreisen auf den drei Seen kreuzt?
Stöckli: Es ist ungeheuerlich, dass eine Gesellschaft, die von Kantonen und Bund pro Passagier rund zwölf Franken an Subventionen erhält, uns mit Dumpingpreisen konkurrenziert. Die BSG ist die stärkere Unternehmung, haben wir doch auf den drei Seen einen Marktanteil von zwei Dritteln. Wir leiden jedoch unter den Angriffen der LNM. Besonders schmerzhaft sind die Attacken bei den Sonder- und Extrafahrten, Angebote, bei denen der Preis eine sehr grosse Rolle spielt. Das muss ein Ende haben.

Wäre die Fusion nicht ein Ausweg?
Stöckli: Dieses Thema ist alt. Wir haben in den vergangenen Jahren auf das interne Optimierungsprogramm «Beaufort» gesetzt.

In welchem Umfang wirkt sich «Beaufort» mittlerweile auf die BSG-Rechnung aus?
Stöckli: Pro Jahr sind wir bei Verbesserungen von 1,2 Millionen Franken angelangt. Dazu haben wir unsere Schiffsflotte auf Vordermann gebracht. Unsere BSG steht im Vergleich zur LNM gut da.

Sie werfen der LNM vor, ihre Hausaufgaben nicht gemacht zu haben?
Stöckli: Bevor konkret über eine enge Zusammenarbeit oder sogar von einer Fusion gesprochen werden kann, muss die LNM ihre Flottenpolitik überdenken und sich einer Restrukturierung unterziehen. Auch hat sie den Fahrplan zu überdenken.

Die Verwaltungsratspräsidentin der LNM, die Neuenburger Stadträtin Valérie Garbani, tritt von der politischen und LNM-Bühne ab. Ändert die personelle Umbesetzung bei der LNM etwas an der Ausgangslage?
Stöckli: Ich bin zuversichtlich, dass sich nach der Einarbeitung der neuen Personen eine Beruhigung eintritt.

Sie haben die schwierige Situation der Ascoop-Pensionskasse erwähnt, der die BSG angeschlossen ist. Ende Jahr muss die BSG 1,240 Millionen Franken einbezahlen. Hat die BSG das Geld?
Stöckli: Wir haben in der Rechnung 2008 die entsprechende Rückstellung verbucht. Die Pensionskasse ist für uns vergleichbar wie ein extrem schweres Gewitter. Gemäss Ascoop-Sanierungsplan müssen wir bis 2020 gut 3,1 Millionen Franken einwerfen, um den Deckungsgrad von 100 Prozent zu erreichen.

Bleibt da noch Geld für Investitionen?
Stöckli: Wenn wir 2013 wieder einen Millionenbeitrag in die Pensionskasse einzahlen müssen, dann geht das bei der BSG ums Überleben.

Trotzdem hat die BSG Pläne für ein neues Schiff.
Stöckli: Wir wollen zwei kleine Schiffe durch ein neues für rund 300 Passagiere ersetzen. Unser Ziel ist, das Schiff im Jahr 2012 in Betrieb zu nehmen. In diesem Jahr wird die BSG ihr 125-jähriges Bestehen feiern können. Und 2012 jährt sich zum 300. Mal der Geburtstag des Philosophen, Naturforschers und Schriftstellers Jean-Jacques Rousseau. Er hat seinen Zufluchtsort, die Petersinsel, in die Welt hinausgetragen. Das neue Schiff soll unseren Kundinnen und Kunden ein ganz besonderes Erlebnis und eine neue Qualität auf den drei Seen vermitteln.

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