Prüfungen

Wo keine Prüfungen, da keine Noten

Schulleiter Egli: «Wir haben alles versucht, um die Situation in den Griff zu bekommen.» Michael Hunziker

Egli

Schulleiter Egli: «Wir haben alles versucht, um die Situation in den Griff zu bekommen.» Michael Hunziker

In Würenlingen sorgen ausstehende Zeugnisse für Wirbel. Ursache sei die Erkrankung der Lehrerin, sagen Schulpflege und Schulleiter. Diese hätten der Misere zu lange zugeschaut, sagen aufgebrachte Eltern.

Angelo Zambelli

«Keine Noten - und die Lehrerin ist weg.» So titelte der «Blick» in seiner Ausgabe vom Freitag. Ins Kreuzfeuer der Kritik geraten sind die Würenlinger Schulpflege sowie Schulleiter Erwin Egli. Diese mussten am Elternabend vom letzten Montag darüber informieren, dass die Schüler am Ende des Schuljahres kein Zeugnis erhalten werden, weil die Lehrerin ernsthaft erkrankt sei und die Zeugnisse nicht ausstellen könne.

Dies will die Mutter eines betroffenen Schülers so nicht stehen lassen: An der Misere sei nicht die Krankheit der Lehrerin schuld, sondern die Trägheit der Schulpflege und der Schulleitung, sagte sie gegenüber dem «Blick». Gleichzeitig machte sie aber auch die Aussage, die Lehrerin sei schon seit der Klassenübernahme im letzten Sommer überfordert gewesen. Sie habe kaum Grenzen gesetzt und sei mit der Rasselbande völlig überfordert gewesen. Ausserdem sei viel Stoff verpasst worden, was böse Folgen für ihren Sohn haben könne.

Gegenüber der AZ berichtet eine andere Mutter, die sich im Streit um die Misere in der Würenlinger Schulklasse als «neutral» bezeichnet, sie habe schon seit längerem gemerkt, dass mit der Lehrerin etwas nicht stimme. Dass die Boulevardzeitung eingeschaltet worden sei, findet sie «völlig daneben».

Die fehlenden Noten wegen nicht erfolgter Prüfungen empfindet sie als nicht so gravierend, bezeichnet die allgemeine Situation rund um die Klasse aber als «schlimm». Die Lehrerin, die offenbar bereits eine neue Anstellung gefunden hat, habe ein Riesengetto gehabt. Offensichtlich sei auch kein Notenblatt geführt worden.

«Bedauern die Situation»

Barbara Jermann-Thomi, Präsidentin der Würenlinger Schulpflege, und Schulleiter Erwin Egli bedauern die durch Arztzeugnisse belegte schwere Erkrankung der Lehrerin und die schwierige Situation der Klasse. In einem gemeinsam abgefassten Informationsschreiben an die Eltern versichern sie, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Zeugnisse - wenn auch verspätet - erhalten werden.

«Wir setzen alles daran, dass die Noten noch aufgefunden und die Zeugnisse ausgestellt werden können. Sie werden das Zeugnis ihres Kindes vor dem Ferienende erhalten.» Schulpflege und Schulleitung sichern den Eltern zu, dass sie vor den Sommerfeien mit einem weiteren Schreiben informiert werden und dass sowohl die Schulpflegepräsidentin als auch der Schulleiter für persönliche Gespräche zur Verfügung stehen.

Unruhe wurde erkannt

Schulleiter Egli sagte auf Anfrage der AZ, nach Gesprächen mit der Lehrerin im Dezember seien Schulpflege und Schulleitung überzeugt gewesen, dass die Lehrerin den Unterricht bis zum Ende des Schuljahres regulär weiterführen könne. Dass die Absenzen aufgrund ihrer Krankheit zu Unruhe in der Klasse und zu Löchern im Schulstoff führten, ist Schulleiter Egli nicht verborgen geblieben. «Wir haben alles versucht, um die Situation in den Griff zu bekommen», versichert Egli, «unter anderem auch mit einer Mediation.»

Neue Lehrerin ab August

Anfang Mai erhielt die Schulpflege die Kündigung der erkrankten Lehrerin, worauf ein pensionierter Pädagoge aus der Umgebung beauftragt wurde, die Klasse bis zu den Schulferien zu übernehmen. Inzwischen konnte eine neue Lehrerin gefunden werden. Sie wird ihre Stelle zu Beginn des neuen Schuljahres antreten.

Wie geht es nun mit der Klasse, die von Schulleiter Egli als unproblematisch bezeichnet wird, weiter? Ein Teil wird in die Oberstufe übertreten, der andere Teil muss sich zu Beginn des neuen Schuljahres zusammen mit seiner neuen Lehrerin an die Aufarbeitung des offenbar verpassten Stoffes machen.

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