Tessin
2 Franken pro Stunde – heiss umstrittene Parkgebühren im Verzascatal

Das Tessiner Verzascatal ist ein beliebter Ausflugs- und Badeort. Doch wie viel darf das Parken im grünen Tal kosten? Neue Tarife sorgen für hitzige Diskussionen.

Gerhard Lob, Lavertezzo
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Der Pegel der Verzasca kann rasch ansteigen (Archiv)

Der Pegel der Verzasca kann rasch ansteigen (Archiv)

Keystone

Das Verzascatal ist im Sommer ein Touristenmagnet. Viele Gäste wollen sehen, wo der James-Bond-Sprung von der 220 Meter hohen Staumauer für «Golden Eye» gedreht wurde, noch mehr Gäste allerdings suchen das Tal wegen seiner Naturschönheit und des grün schimmernden Flusses inmitten der bizarren Felslandschaft auf.

Ein Bad in der kühlen Verzasca – gerade an Hitzetagen wie im Moment ein absoluter Genuss. An Wochenenden strömen Italiener aus der Po-Ebene in Massen ins Tal.

Doch der sommerliche Touristenboom hat seine Schattenseiten. Bis zu 3500 Autos quälen sich an einem Spitzentag die enge Talstrasse von Gordola hinauf. Mit Folgen: wild parkierte Autos entlang der Strasse oder auf Feldern, menschliche Exkremente in schönster Natur.

Viele Gäste fahren zudem mit dem Auto oder einem Camper ins Tal, ohne dort einen Franken zu lassen. Denn sie bringen ihr Picknick von zu Hause mit.

30 Franken pro Woche

Jahrelang hat sich die Stiftung Verzasca den Kopf zerbrochen, wie dieses Problem zu lösen ist. Selbst von einer Maut war einmal die Rede. Doch schliesslich wurde auf 1. Juli dieses Jahres mit der «Parkingcard» ein anderes Konzept eingeführt: Für 10 Franken pro Tag (8 Euro) oder 30 Franken pro Woche ist das Parken in sogenannten «Grünen Inseln» erlaubt.

Es handelt sich um markierte und eingezäunte Parkflächen, die mit Abfalleimern, Infotafeln und teilweise auch mit Toi-Toi-Toiletten und sogar Grillplätzen ausgestattet sind.

Ganze 33 «Isole verde» gibt es im oberen Teil des Tals ab dem Staudamm. Die nötigen Rubbelkarten müssen in Restaurant, Kiosken oder Hotels erworben werden. Wer keine Tageskarte braucht, kann ein Ticket am Automaten erwerben. Gebühr:2 Franken pro Stunde. Für Einwohner und Ferienhausbesitzer gelten im Übrigen Sonderbedingungen.

Seit die Parkingcard eingeführt wurde, gehen die Wogen hoch. Von Touristen-Abzockerei sprechen die einen, zumal noch nicht alle grünen Inseln fertiggestellt sind und es keine Gratis-Parkflächen mehr gibt, von einer intelligenten und notwendigen Massnahme die anderen. In den Leserbriefspalten der Tessiner Tageszeitungen tobt ein Gefecht zwischen Befürwortern und Gegnern.

Angst vor Gästerückgang

Die Stiftung Verzasca unterstreicht ihrerseits, dass mit der Parkingcard eine Serie von Dienstleistungen verbunden ist. So erhält jeder Gast mit der Tages-Parkgebühr eine detaillierte Karte vom Tal.

Allfällige Überschüsse aus der Parkplatzbewirtschaftung würden zudem in eine nachhaltige Entwicklung des Tals gesteckt. Doch die Argumentation kommt nicht überall an. Gerade Wirte im Tal befürchten, dass die neuen Parkgebühren potenzielle Gäste vergraulen könnten. Ihre Forderung: Wenn schon nicht abschaffen, sollte man die Tarife zumindest halbieren.

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