Neue FDP-Bundesrätin
5 Dinge, die Sie über Karin Keller-Sutter wissen müssen

Karin Keller-Sutter (54) ist die neunte Bundesrätin der Schweiz. Die St. Gallerin im Kurzportrait.

Doris Kleck
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Karin Keller-Sutter (*1963) ist diplomierte Übersetzerin und Dolmetscherin und wohnt in Wil SG.
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Von 1992 bis 2000 sitzt sie im Wiler Gemeinderat, ab 1996 ausserdem im St. Galler Kantonsrat. (Bild von 2001)
2000 gelingt Keller-Sutter (2. von links) der Sprung in die St. Galler Kantonsregierung. Bis 2012 ist sie Sicherheits- und Justizdirektorin.
Schon bald kommt sie mit dem Bundesrat in Kontakt. Hier trifft sie Pascal Couchepin, Ruth Metzler und Moritz Leuenberger in Bern. Anlass ist eine Begegnung der Kantonsvertreter aus der Ostschweiz mit dem Bundesrat.
Einen Namen macht sich Keller-Sutter als Hardlinerin im Hooligan-Problem: In ihrer Amtszeit führt sie Schnellrichter ein, die Fans aburteilen, die im Stadion Pyros zünden.
"Diese Frau stoppt die Hooligans", titelt der "Blick". Auch von der "eisernen Lady aus der Ostschweiz" ist die Rede.
Noch bevor sie ins Bundesparlament nach Bern gewählt wird, pflegt Keller-Sutter Umgang mit wichtigen Persönlichkeiten, etwa mit den Bundesräten Doris Leuthard...
... Samuel Schmid...
... Christoph Blocher...
... oder mit dem damaligen Chef der Armee, André Blattmann.
Bereits 2010 will sie Bundesrätin werden. Damals steht ihr aber Johann Schneider-Ammann vor der Sonne.
2011 wählt das St. Galler Stimmvolk Keller-Sutter mit einem Glanzresultat in den Ständerat.
Für ihr «konsequentes Vorgehen gegen die Gewalt in Fussballstadien» erhält sie im Januar 2012 den Swiss Award in der Sparte Politik.
Als Ständerätin schafft sie den Sprung von der Hooligan-Hardlinerin zur vielseitig begabten Politikerin mit umfassendem Dossier.
Ihre Vorstösse in der kleinen Kammer drehen sich etwa um Wirtschafts-, Verkehrs- oder staatspolitische Themen.
2018 amtet sie als Ständeratspräsidentin.
Keller-Sutter hat drei Verwaltungsratsmandate inne: bei der Bâloise-Versicherung, der Anlagestiftung Pensimo (Präsidentin) und der ASGA Pensionskasse. Beim Arbeitgeberverband sitzt sie im Vorstand.
Im selben Jahr kandidiert KKS, wie sie gemeinhin genannt wird, zum zweiten Mal für den Bundesrat. Parteikollege Hans Wicki wird ihr den Sieg kaum streitig machen – Keller-Sutter gilt als grosse Favoritin.
Am 5. Dezember 2018 wird Keller-Sutter im ersten Wahlgang in den Bundesrat gewählt. Sie ersetzt Johann Schneider-Ammann.

Karin Keller-Sutter (*1963) ist diplomierte Übersetzerin und Dolmetscherin und wohnt in Wil SG.

Keystone

1. Karin Keller-Sutter erzielte einen Start-Ziel-Sieg. Warum?

Noch 2010 verlor die St. Gallerin die Ausmarchung gegen den Berner Johann Schneider-Ammann. Jede Bundesratswahl hat ihre eigene Geschichte. Vor acht Jahren musste es unbedingt ein Unternehmer sein.

Dieses Jahr sprach hingegen alles für Karin Keller-Sutter. Da sind einmal die äusseren Merkmale: das Geschlecht und die Herkunft. Mit der Wahl von Karin Keller-Sutter konnte die FDP endlich ihr Frauentrauma überwinden.

Zudem war die Ostschweiz seit dem Rücktritt der Bündner BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf nicht mehr in der Landesregierung vertreten. Karin Keller-Sutter bringt sowohl Exekutiverfahrung mit — zwischen 2000 und 2012 war sie St. Galler Justizdirektorin — und sie ist im Bundeshaus bestens vernetzt. Seit ihrer Wahl in den Ständerätin 2011 gehört sie zu den einflussreichsten Politikern in Bern.

2. Wo steht Karin Keller-Sutter politisch?

Die St. Gallerin bezeichnet sich selbst als «stockbürgerlich». So gehört etwa die Rettung des Weltklimas nicht zu ihren obersten Prioritäten. Die abgelehnte Rentenreform bekämpfte Keller-Sutter an vorderster Front wegen der Erhöhung der AHV um 70 Franken. Sie gilt als wirtschaftsliberal und wertkonservativ. Dem Rahmenabkommen mit der EU steht die Freisinnige sehr kritisch gegenüber. Vielleicht müsse die Schweiz gewisse Schikanen der EU aushalten, findet sie.

3. Was sind Keller-Sutters Stärken?

Trotz ihrer politischen Haltung wird die neue Bundesrätin selbst von linken Politikern sehr geschätzt. Mit dem ehemaligen Gewerkschaftsboss Paul Rechsteiner oder SP-Präsident Christian Levrat etwa hat die 54-Jährige im Ständerat sehr gut zusammengearbeitet. So bei der Umsetzung der Zuwanderungsinitiative oder der Neuauflage der Unternehmenssteuerreform. Karin Keller-Sutter wird selbst von ihren politischen Gegner wegen ihrer Gradlinigkeit und Zuverlässigkeit geschätzt.

Zudem wir ihr ein starker Wille zur Suche von kompromissfähigen Lösungen attestiert. Ausserdem ist Karin Keller-Sutter kommunikativ stark. Die ausgebildete Dolmetscherin spricht perfekt Französisch und kommt in der Romandie sehr gut an. Die Westschweizer betrachten Keller-Sutter als halbe Romands.

4. Was sind Ihre Schwächen?

Selbst was ihre Gegner als Schwächen bezeichnen, klingt zuweilen wie ein Kompliment. Keller-Sutter gilt als eher unnahbar und schützt ihre Privatsphäre stark. Neben ihrem Arbeitseifer bleibe nicht sehr viel Platz für Geselligkeit, monieren Parlamentarier.

Keller-Sutter gehörte nicht zu jenen Parlamentariern, die während der Session oft an Lobbyveranstaltungen anzutreffen sind. Keller-Sutter gilt überdies als dominante Persönlichkeit. Sie lasse anderen wenig Platz, das hätten bereits ihre ehemaligen Regierungskollegen in St. Gallen merken müssen.

5. Was ist ihr Lieblingsessen?

Bei Käse und Gummibärchen verliert die frisch gewählte Bundesrätin nach eigenen Worten die Selbstdisziplin.

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