Aargau

«Aargauer Polizei ist nicht schiesswütig»

Die Kantonspolizei ging im Fall Wohlen bewusst offensiv mit Informationen an die Öffentlichkeit. (Bild: Archiv)

Polizei

Die Kantonspolizei ging im Fall Wohlen bewusst offensiv mit Informationen an die Öffentlichkeit. (Bild: Archiv)

Allfälligen Vorwürfen, sie habe beim Polizeieinsatz in Wohlen übertrieben gehandelt, ist die Kantonspolizei im Voraus mit offensiver Information begegnet.

Alois Felber

Kripo-Chef Urs Winzenried machte vor den Medien sehr klar, warum die Kantonspolizei am Dienstag ausführlich über den Polizeieinsatz vom Montag informierte: Denn als Angehörige der Sondereinheit Argus die Wohnung eines 30-jährigen Mannes stürmten, der damit gedroht hatte, sich umzubringen, war dies bereits der dritte Fall innerhalb von sieben Monaten, bei dem Kantonspolizisten ihre Dienstwaffe einsetzten und Personen verletzten.

Trotzdem könne keine Rede davon sein, dass die Aargauer Kantonspolizei besonders schiesswütig sei, betonte Winzenried. Denn in allen Fällen hätten Polizisten klar auf eine lebensbedrohliche Situation reagiert.

Ein Schusswaffeneinsatz stelle für die Polizei auch nie einen Bagatellfall dar, erklärte Winzenried. Jeder Polizist sei sich bewusst, was er mit einer Dienstwaffe anrichten könne. Der Einsatz von Schusswaffen sei deshalb bei der Aargauer Kantonspolizei, wie bei jedem anderen Polizeikorps, immer nur das letzte Mittel.

«Kein Polizist schiesst gerne»

Nicht zuletzt sei das Abfeuern einer Waffe auf einen Menschen auch für den Schützen eine extreme Belastung. «Kein Polizist schiesst gerne auf Personen», so Winzenried. Jeder Polizist habe aber, wie jeder Bürger, das Recht der Notwehr und davon dürfe beziehungsweise müsse er Gebrauch machen.

Doch war es überhaupt notwendig, die Wohnung eines Mannes zu stürmen, der niemanden ausser sich selbst bedrohte? - Hierzu beruft sich Winzenried auf das Polizeigesetz, welches ausdrücklich festhalte, dass die Polizei Menschen auch vor einer Gefährdung durch sich selbst zu schützen habe.

Bauchschüsse «nach Lehrbuch»

Wie die Polizisten wiederum reagierten, nachdem sie die Tür der Wohnung aufgebrochen hatten und sie der Wohnungsmieter mit einem Messer angegriffen hatte, war laut Winzenried «nach Lehrbuch». Denn sie seien aus kurzer Distanz massiv bedroht worden.

Der Mann sei mit erhobenem Messer bis auf eine Distanz von einem bis eineinhalb Meter auf sie zugekommen und habe auf Zurufe, die Waffe fallen zu lassen, nicht reagiert. Der bedrohte Polizist schoss den Angreifer deshalb zweimal in die linke Bauchseite. Um einen Mann zu stoppen, reiche es aus dieser Distanz nicht mehr, auf die Extremitäten zu schiessen, so Winzenried. Die Reaktion des Polizisten entspreche dem, wie solche Situationen trainiert würden. Das Ganze habe sich überdies innert weniger Sekunden abgespielt.

Trotzdem wird die Rechtmässigkeit der Schussabgabe, wie immer in solchen Fällen, von Amtes wegen untersucht. Laut Werner Burkart vom Bezirksamt Bremgarten ist nicht absehbar, wie lange die Untersuchung dauern wird. In die Spurenauswertung ist auch das Institut für Rechtsmedizin in Bern involviert. Unter anderem soll dort auch geklärt werden, ob ein beim Einsatz ebenfalls abgefeuerter Taser, sein Ziel traf oder nicht.

Auch andere Verfahren noch offen

Noch hängig sind übrigens auch die Strafverfahren in den zwei anderen Fällen, in denen Polizisten zuletzt ihre Dienstwaffen gegen Menschen einsetzen mussten: der Postraub von Riniken am 4. Februar und die Festnahme eines Buchser Waffennarrs am 14. November. Der zuständige Untersuchungsrichter für den Fall Buchs rechnet mit einem Abschluss der Untersuchung bis zu den Sommerferien.

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