Agrar-Initiativen
Bauern können nicht einfach zum Alltag übergehen ‒ die Konsumenten aber auch nicht

Die Stimmbevölkerung lehnt die Pestizid- und die Trinkwasser-Initiative klar ab. Trotzdem haben die Volksbegehren eine wichtige Debatte ausgelöst und einen Erfolg erzielt.

Doris Kleck
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Die Bauern haben sich durchgesetzt und die beiden Agrar-Initiativen gebodigt. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Die Bauern haben sich durchgesetzt und die beiden Agrar-Initiativen gebodigt. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Urs Flueeler / KEYSTONE

Das Resultat ist deutlich: Die beiden Agrar-Initiativen scheitern klar. Dabei hatten die Pestizid- und noch mehr die Trinkwasser-Initiative den Bauernstand extrem nervös gemacht.

Trotz der Deutlichkeit: Die Landwirte und ihre Verbandsvertreter können nicht einfach zum Alltag übergehen. 40 Prozent lehnen die aktuelle Agrarpolitik ab – das ist ein deutlicher Fingerzeig, dass sich die Landwirtschaft in eine ökologischere Richtung bewegen muss.

Trotz der Niederlage: Die Initianten haben auch Erfolge erzielt. Das Parlament hat ins Gesetz geschrieben, dass der Einsatz der Pestizide bis 2027 um die Hälfte reduziert werden muss. Und auch das Problem der Nährstoffverluste wird angegangen. Ohne den Druck der beiden Volksbegehren würde dieses Gesetz heute nicht stehen. Die Initianten haben eine breite Debatte über die negativen Einflüsse der Landwirtschaft auf die Umwelt ausgelöst. Sie haben ein Problem auf die politische Agenda gebracht – das ist direkte Demokratie aus dem Lehrbuch.

Trotz des Achtungserfolgs: Dank dieser Debatte wurde auch deutlich, dass es etwas gar polemisch ist, einfach mit dem Finger auf die Bauern zu zeigen. Es ist die Politik, welche die Rahmenbedingungen für die Landwirte festlegt. Und es sind die Konsumenten, die mit ihrem Ernährungs- und Einkaufsverhalten ebenfalls eine Verantwortung tragen.

Beide Volksbegehren wollten die Landwirtschaft mit der Brechstange verändern, das löste Ängste und Gehässigkeiten aus. Die Schweiz ist jedoch ein Land der kleinen Schritte. Das sollten sich auch die Grünen merken, welche von wichtigen umweltpolitischen Vorlagen sprachen. Die Partei will auf dem Land wachsen.

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