Kommentar

Als «animal politique» kann er nicht anders: Aufgeben kommt für Pierre Maudet nicht in Frage

Aufgeben ist keine Option. Gründet Pierre Maudet nun seine eigene Partei?

Aufgeben ist keine Option. Gründet Pierre Maudet nun seine eigene Partei?

FDP-Staatsrat Pierre Maudet kämpft mehr denn je um seine politische Zukunft. Doch angesichts des bevorstehenden Gerichtsprozesses muss er sich schwierigen Fragen stellen.

Die Affäre um den Genfer FDP-Staatsrat Pierre Maudet ist hierzulande einzigartig. Seit rund zwei Jahren ermittelt die Justiz gegen den 42-Jährigen wegen Verdachts auf Vorteilsannahme. Nachdem die nationale Partei ihren einstigen Superstar und Bundesratskandidaten von 2017 schon länger hatte fallen lassen, will nun auch seine Kantonspartei nichts mehr von ihm wissen.

Jeder andere Schweizer Politiker wäre angesichts der Anschuldigungen, Lügen und zwielichtigen Erkenntnisse im Zuge der Justizermittlungen wohl schon längst zurückgetreten. Doch Maudet sieht sich als Winkelried im Kampf gegen neidische Politiker und zu kritische Medien. Aufgeben kommt für ihn nicht in Frage. Denn als «animal politique» kann er nicht anders. Maudet erachtet die Politik als seine Berufung. Inwiefern es ihm dabei um die eigene Profilierung oder um hehre gesellschaftliche Ziele geht, sei dahingestellt.

Mehr denn je steht der Genfer mit dem Rücken zur Wand. Eine vorzeitige Amtsaufgabe scheint unausweichlich angesichts des bevorstehenden Gerichtsprozesses. Das muss auch Maudet einsehen - selbst wenn er später freigesprochen werden sollte. Zu schwer lasten die Vergangenheit und der Imageschaden an der Stadt und an den Institutionen. Und nur so könnte er allfällige Comebackpläne aufrecht erhalten, zum Beispiel mit einer neuen Partei.

Doch kann das gelingen? Falls ja: Wo, wenn nicht in Genf? Und wem, wenn nicht Pierre Maudet?

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