Talk Täglich

«Andere verkaufen Hundefutter, das machen wir nicht»: AZ-Chefredaktor stellt sich Gewerkschafterin

AZ-Chefredaktor stellt sich Gewerkschafterin: «Andere Verlage verkaufen Hundefutter, das machen wir nicht»

TalkTäglich zum Joint Venture der AZ Medien mit der NZZ – die wichtigsten Momente in der Zusammenfassung.

Im TalkTäglich traf AZ-Chefredaktor Patrik Müller auf Syndicom-Gewerkschafterin Stephanie Vonarburg. Die beiden stritten über den Sinn des angekündigten Joint Ventures von AZ und NZZ-Regionalmedien.

Einheitsbrei, Stellenabbau, Kurzschlussreaktionen? Stephanie Vonarburg, Vizepräsidentin der Mediengewerkschaft Syndicom, hat viele Befürchtungen hinsichtlich des Joint Ventures der AZ Medien, zu der dieses Newsportal gehört, mit den NZZ Regionalmedien.

Vor einer Woche verkündeten die beiden Medienhäuser die Heirat, die noch eine Verlobung ist: Der Segen der Wettbewerbskommission fehlt noch. Am Mittwochabend trafen sich Stephanie Vonarburg und Patrik Müller, Chefredaktor der AZ-Zeitungstitel, zum Gespräch in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele Züri – einem der Regional-TV-Sender der AZ Medien. Vermittler zwischen Gewerkschaft und Chefredaktor war Moderator und Chefredaktor aller AZ-Regional-TV-Sender, Markus Gilli.

Dieser hielt sich allerdings moderierend im Hintergrund, schlug sich weder auf die eine, noch auf die andere Seite. 

Journalismus als Kerngeschäft

«Kräfte bündeln» – das ist eines der Hauptargumente von Patrik Müller. Nur mit diesen gemeinsamen Kräften sei es auch in Zukunft noch möglich, «unabhängigen Journalismus zu finanzieren» und so «einen Beitrag zur Demokratie» zu leisten.

Denn Journalismus sei das Kerngeschäft der AZ Medien und auch des geplanten Joint Ventures. «Andere Verlage handeln noch mit Hundefutter oder betreiben Schnäppchenportale – das machen wir nicht», so Patrik Müller.

Zusammenschluss AZ Medien und NZZ-Mediengruppe – sehen Sie hier die Sendung TalkTäglich in voller Länge.

Zusammenschluss AZ Medien und NZZ-Mediengruppe – sehen Sie hier die Sendung TalkTäglich in voller Länge.

Das war so ziemlich der einzige Moment, in dem Stephanie Vonarburg ihm beipflichtete. Ansonsten fehlt der Gewerkschafterin nach wie vor die «publizistische Antwort» auf die Frage, wie die Medien ihr Publikum nachhaltig bei der Stange halten wollen. «Ich habe den Eindruck, man ist in einer Abwärtsspirale und findet den Ausweg nicht», sagte sie. Vonarburg fürchtet vor allem um die Vielfalt in der nationalen Berichterstattung – und um die Jobsicherheit der betroffenen Journalisten.

Patrik Müller argumentiert, dass mit grösseren und somit kraftvolleren Teams in der überregionalen Berichterstattung mehr Eigenleistung und Recherchen möglich sind. Das Gegenteil davon wäre, sich vorwiegend auf Agenturmeldungen zu stützen und damit den Einheitsbrei zu fördern. Zudem werde man die regionalen Interessen auch in der nationalen Berichterstattung berücksichtigen.

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AZ-Verleger Peter Wanner wird VR-Präsident des neuen Unternehmens, die Verlegerfamilie Wanner ist zu 50 Prozent an dem Joint Venture beteiligt.

Zum Stellenabbau wiederholt Müller die Aussagen von Verleger Peter Wanner und CEO Axel Wüstmann: Ein Stellenabbau sei nicht auszuschliessen, Entlassungen sollen aber vermieden werden. Und: «Jobgarantien gibt es in der Privatwirtschaft nirgends – eine solche Garantie kann es nicht geben.» 

Müller meinte zudem, dass ein Alleingang der einzelnen Medien zu mehr Stellenabbau und Qualitätsverlust führen würde. Der AZ-Chefredaktor erinnerte seine Kontrahentin schliesslich daran, dass auch die Gewerkschaften in den letzten Jahren fusioniert hätten, so auch die Syndicom.

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Axel Wüstmann, aktuell CEO der AZ Medien, wird CEO des Joint Ventures.

 (smo)

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