Krankenkassen
Ärztechef will Krankenversicherung und IV fusionieren

Im Schnitt zahlen Herr und Frau Schweizer heute 4212.60 Franken pro Jahr für die obligatorische Grundversicherung - Tendenz steigend. Für den Ärztechef Jacques De Haller ist dies viel zu hoch.

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FMH-Präsident Jacques de Haller

FMH-Präsident Jacques de Haller

Keystone

«Wir können so nicht weiter machen: Die Prämien werden für die Menschen zu hoch», sagt Jacques De Haller, Präsident der Ärztevereinigung FMH und Berner SP-Nationalratskandidat, zur Zeitung „Der Sonntag". Er schlägt deshalb eine neue Finanzierung für die Gesundheitskosten vor: «Die Krankenversicherung soll mit der Invalidenversicherung IV in einen Fonds zusammengelegt werden.»

Gesamte volkswirtschaftlichen Kosten im Blick

Dieser «Gesundheitsfonds», wie De Haller ihn nennt, müsste gemessen an den aktuellen Zahlen jährlich rund 35 Milliarden für IV-Renten und die obligatorische Krankenpflegeversicherung ausschütten. Der Fonds soll laut De Haller aus mehreren Quellen gespiesen werden: Krankenkassenprämien, Kantonsbeiträge, Prämienverbilligungsgeld, Lohnbeiträge und Mehrwertsteuerprozente. Unterstützung erhält der FMH-Präsident vom Gesundheitsökonomen Willy Oggier: «Es ist sinnvoll, die IV und die Krankenversicherung zusammenzulegen», sagt er zur Zeitung „Der Sonntag". «So haben wir vermehrt die gesamten volkswirtschaftlichen Kosten im Blick.»

Es könne zum Beispiel ökonomisch durchaus sinnvoll sein, einem Patienten die teurere Reha zu bezahlen, um zu verhindern, dass er später zum IV-Fall werde. «Doch heute denken die verschiedenen Versicherer zu oft nur an ihre eigene Rechnung.» Und das führt unter dem Strich oft zu höheren Kosten. Auch De Haller hofft über die Fusion das «Schwarzpeter-Spiel» zwischen den verschiedenen Akteuren zu unterbinden. Diese versuchten immer wieder Patienten dorthin zu verschieben, wo sie nicht für deren Kosten aufkommen müssen.

«Effizienz wird gefördert»

So haben beispielsweise die Kassen ein Interesse daran, einen Patienten von der ambulanten in die stationäre Spitalabteilung verlegen zu lassen, damit sich die Kantone an den Behandlungskosten beteiligen müssen. Kassen und Kantone wiederum haben Interesse einen schweren Fall in die IV abzuschieben und so Kosten zu sparen. «Es braucht es als einzigen Rechnungszahler einen Gesundheitsfonds», sagt der FMH-Präsident. «Damit werde die Kohärenz und die Effizienz des Systems gefördert.»